Andrea
Knochentrockenes
Ich bin mittlerweile 42 Jahre alt, habe einen zehnjährigen Sohn und lebe mit ihm in Wien.
Amüsantes
Wirklich bewusst beschäftige ich mich mit SM seit Anfang 1999 - davor war SM zwar bereits viele Jahre fixer Bestandteil meiner Sexualität, ich wusste bloß nicht, dass es SM ist. Klar, ich bezeichnete mich immer als „experimentierfreudig“, und ich wusste auch, dass das, was mein damaliger Partner und ich so machten, nicht unbedingt das ist, was auch alle anderen machen – aber das war’s auch schon. Den Zusammenhang zwischen meiner Art der Sexualität und SM fand ich eben vor ca. neun Jahren – und zwar durch verschiedene Infos, über die ich im Internet stolperte.
fixer Bestandteil meines Lebens
Spätestens seit Ende 1999 ist SM in dieser sehr bewussten Form endgültig in meinem Leben integriert. Ich hatte rund eineinhalb Jahre einen wunderbaren Partner, mit dem ich in einer tollen SM-Beziehung lebte. Für mich der endgültige Beweis, dass SM tatsächlich lebbar ist – und zwar nicht nur in abgeschlossenen, zeitlich begrenzten Sessions, sondern vielmehr den ganzen Tag, jeden Tag, ständig ... Und ich weiß mittlerweile auch, dass SM – meine Art von SM – für mich eine wichtige Bereicherung meines Lebens ist, auf die ich nur ungern verzichten würde.
Was ist SM?
Ich schreibe absichtlich meine Art von SM, weil ich der festen Auffassung bin, dass es „den“ SM gar nicht gibt – jede Person, jedes Paar versteht etwas anderes darunter. Es ist meiner Meinung nach auch gar nicht wichtig, eine umfassende allgemein gültige Definition zu haben. Wichtig ist in meinen Augen lediglich, dass sich alle Beteiligten auch wirklich wohl fühlen bei dem, was sie tun ...
Engagement
In vielen Gesprächen und Diskussionen habe ich festgestellt, dass nicht alle SMler ihren Weg als so einfach
empfunden haben wie ich meinen. Und ich merkte, dass Erfahrungs- und Gedankenaustausch mit anderen
Gleichgesinnten den meisten sehr wichtig ist und ihnen einfach gut tut. Ich nehme mich da gar nicht aus,
und weil gerade das Thema „SM und Eltern-Sein“ eines ist, das mich besonders beschäftigt, habe ich im
September 2000 die Mailingliste „SMel – SM & Eltern-Sein“ gegründet, auf der es vor allem darum geht,
wie man SM mit seinem Partner ausleben kann, ohne Kindern deswegen schlechte Eltern zu sein. Das rege
Interesse an der Liste zeigt, dass dieses Thema nicht nur mir am Herzen liegt ...
Ab Oktober 2000 war ich dann Vorstandsmitglied der Libertine Wien. Ab Februar 2001 knüpfte ich nicht
zuletzt durch meinen damaligen Partner immer mehr Kontakte zu anderen engagierten Menschen im
deutschsprachigen Raum. In weiterer Folge beteiligte ich mich an verschiedenen internationalen Projekten
wie z.B. „Mayday“, wo es besonders darum geht, Menschen zu helfen, die im Zusammenhang mit SM in Not
geraten sind, und „Pressearbeit“, wo wir uns u.a. mit der Berichterstattung über SM in der Presse
beschäftigen bzw. damit, wie wir durch mehr und bessere Information dafür sorgen können, dass die
Presse weniger (am besten gar keine) unwahren Horrorgeschichten über SMler verbreiten und somit
Vorurteile bilden bzw. schüren.
Und zu guter Letzt zähle ich zu den Gründern von Schlagartig!, worauf ich besonders stolz bin.
Enttäuschendes
Wer sich hier jetzt noch eine Auflistung meiner Vorlieben – am besten gleich unter Nennung all meiner Grenzen und speziell meiner Tabus – erwartet oder erhofft hat, den muss ich tatsächlich enttäuschen: Sorry, Bedienungsanleitung gibt’s hier keine. Das sind intime Details, die meinen Partner etwas angehen – ob ich Sub oder Top bin, auf Nadeln stehe oder nicht etc. ist im Endeffekt für niemand anderen relevant. Ich bin in erster Linie Mensch, in zweiter Linie Frau, dann bin ich noch Mutter, ach ja, Tochter bin ich auch noch, und erst zu aller letzt bin ich SMler. Und ich mag es gar nicht, wenn erste Gespräche oder Mails gleich mal mit der Frage beginnen: „Bist du Sub oder Top?“
Veränderungen
2004 war das Jahr der Veränderungen für mich - in Bezug auf Beziehung, meinen Job, zum Teil meine
Freunde, in jedem Fall in Bezug auf meine Prioritäten. Und obwohl ich mich der Sache, Schlagartig! und
vor allem auch den Menschen unverändert zugetan und verbunden fühle, ist nun – nach gut fünf Jahren
aktiver Arbeit in der Szene – einfach der Zeitpunkt für mich gekommen, um auch in diesem Kapitel einiges zu verändern.
So bin ich nun sicherlich nicht mehr ganz so aktiv am Vereinsgeschehen beteiligt – was aber nicht bedeutet,
dass ich den Schlagartig!-Veranstaltungen fern bleibe, sondern nur, dass ich diese jetzt einfach als Gast
genießen kann. Und genau das tue ich mit großer Freude auch!
Und hin und wieder halte ich noch den einen oder anderen Workshop - auch darüber freue ich mich jedes Mal sehr.
Noch mehr?
Ich könnte noch Romane schreiben – darüber, was mir wichtig ist und welche Anliegen mir besonders
am Herzen liegen, meine Ansichten zu den unterschiedlichsten einschlägigen Themen ... Doch viele
Dinge lassen sich in einem persönlichen Gespräch viel besser erzählen.
Wer also mehr über mich wissen will, ist herzlich eingeladen, bei einem unserer nächsten Events all seine Fragen an mich loszuwerden.
Alle anderen sind ebenfalls herzlich zu unseren Events eingeladen – keine/r wird ausgefragt und keine/r
muss irgend etwas fragen! Eines unserer Anliegen ist es, einfach Spaß zu haben – und schon alleine das ist ein guter Grund, um mit dabei zu sein!
Andrea
Gründungsmitglied von Schlagartig!; von Beginn (Juni 2001) bis November 2004 Vorstand von Schlagartig!; bis 2005 hauptverantwortlich für das SMagazin!, hält jetzt noch hin und wieder Workshops.