Margit
Ein seltsames Wesen ...
Schon als Kind haben bei mir Filmszenen, in denen Frauen überwältigt und gefesselt wurden, ein heimliches Prickeln hervorgerufen. Ich stellte mir immer vor, dass ich die arme, aber beneidenswerte Frau sei. Meinen Barbiepuppen machte ich die unzüchtigsten Kleidungsstücke, indem ich durch Ausschneiden von Löchern im Stoff der Kleider, die meine Mutter mit viel Liebe genäht hatte, genau an den Stellen ihren Luxuskörper zugänglich machte, die die „normalen“ Kleider verdeckten. Ich fand das einfach spannender so.
Irgendwie aber bekam ich durch meine Umwelt wohl mit, dass mir das alles nicht zu gefallen habe, versteckte die unzüchtigen Puppenkleider ganz hinten unter dem Bett und tarnte meine Lust am Gefangen- und Gefesseltwerden dadurch, dass ich kaum zu überwältigen war, immer die Schnellste, Stärkste, Wildeste.
In meinen Jugendjahren gingen meine ersten eindeutig sexuellen Phantasien dann in ebendiese Richtung – überwältigt werden, gefesselt werden, gedemütigt werden, zu etwas gezwungen werden.
Als dann mein aktives Sexualleben begann, war einer der ersten Männer, den ich so richtig interessant fand, einer, der ebenfalls Fesselspiele, Augen verbinden und Ähnliches liebte und mit dem ich diese Dinge erstmals auch ausprobieren konnte.
Fast alle folgenden Partner habe ich – anfangs wohl unbewusst, später bewusst – danach ausgewählt, ob sie mit verschiedensten Machtspielen zurechtkamen und vor allem, ob sie meiner auch „Herr“ werden konnten. Schön, Du bist also Sadomasochistin! Als ich endlich herausgefunden hatte, dass das SM heißt, was mir da so gefiel, begann ich Bibliotheken und Buchhandlungen zu durchstöbern und las, was ich nur finden konnte, Erfahrungsberichte, Psychologiebücher in Unmengen, Studien. Ich fand keine zufriedenstellende Erklärung für mein „So-Sein“ und hörte auf, danach zu suchen, als ich merkte, dass ich keiner Erklärung mehr dafür brauchte, weil SM für mich etwas Normales und Schönes geworden war. Das einzig Belastende war, dass ich lange Zeit mit niemandem - außer zum Teil mit meinen Partnern - darüber reden konnte. Die einzige Person, der gegenüber ich mich damals schon geoutet habe, war meine beste Freundin, die das Ganze zwar zur Kenntnis genommen hat, aber kaum darüber sprechen wollte. Das alles änderte sich, als mein Partner und ich vor einigen Jahren von Salzburg, wo es keine offizielle „Szene“ gibt , nach Wien übersiedelt sind.
Endlich Ganz-Sein
Wir suchten in Wien zielstrebig und schnell den Kontakt zur Szene und verbrachten in der Folge ziemlich viel Zeit auf Stammtischen, Parties und im SMart Café. Wir begannen uns, um nicht ständig schwindeln zu müssen, alten Freunden gegenüber zu outen, wobei ich sehr unterschiedliche Erfahrungen machen musste. Was mir jedoch sehr wohlgetan hat, war die Reaktion meiner Freundin, der ich schon in Salzburg meine Vorlieben gestanden hatte und die jetzt auch in Wien lebt. Sie hat mich mittlerweile so akzeptiert, wie ich bin, nimmt Anteil an meinem „neuen“ Leben, interessiert sich für das, was ich im Zusammenhang mit SM mache und hat mich auch schon ins SMart Café begleitet....und mich engagieren
Schnell kam bei mir der Wunsch auf, mich auch für die Sache, die mir so wichtig geworden war, zu engagieren. So kam ich zur Libertine, für die ich ab März 2000 die Vereinszeitung gestaltete und wo ich dann auch im Vorstand tätig war. Zudem war ich beim Organisatorentreffen in Februar 2001 in Deutschland dabei, bin in den überregionalen Arbeitsgruppen „Mayday“ und „Pressearbeit“ vertreten und Mitbegründerin von Schlagartig!. Besondere Anliegen bei meinem Engagement sind mir vor allem, Einsteigern Hilfe und Unterstützung anzubieten und für ein positiveres Bild von SM und SMlern in der Öffentlichkeit zu sorgen. Wenn letzteres mit den Mitteln der Kunst/Kultur geht, dann ist es mir am allerliebsten, denn besonders zur Literatur habe ich ein langjähriges Naheverhältnis.Wer mehr über mich wissen will, der muss mich schon selber fragen!
Gründungsmitglied von Schlagartig!; von Beginn (Juni 2001) bis November 2004 Vorstand von Schlagartig!