In dieser Rubrik findet Ihr div. Artikel, die ich geschrieben habe - vorerst mal die, die ich für das SMagazin!, die Vereinszeitschrift von Schlagartig! geschrieben habe.
Session ja, Sex nein
Über die Intimität von SM und Geschlechtsverkehr
Manche Leute denken, wenn sie von SM-Partys und sonstigen Aktivitäten hören, fast automatisch an Orgien, Gruppensex oder Ähnliches. Dabei ist das Thema Geschlechtsverkehr unter SMlern eines, das zwar sehr unterschiedlich gesehen und gehandhabt wird, mit dem jedoch bei aller Unterschiedlichkeit nicht annähernd so frei bzw. wahllos umgegangen wird wie von manchen Leuten unterstellt. Keine Rede z.B. von allgemeinem, wahllosem Rumgebumse.
Im Gegenteil: Bis zu einem gewissen Grad ist das Thema Geschlechtsverkehr erstaunlicherweise tabu in der SM-Szene! Ja, ja – darüber geredet wird natürlich schon! Reden darf man ja über alles! Aber wenn es ums Tun geht, ist man verpflichtet, einige unausgesprochene Regeln zu befolgen. So ist es z.B. geradezu verpönt, auf SM-Partys zu schnackseln. Warum eigentlich? Ist denn Geschlechtsverkehr so viel intimer als SM ...? Doch auch im privaten Rahmen hat der Geschlechtsakt an sich für viele SMler offenbar einen besonderen Stellenwert: Warum sonst sollte denn eine nicht kleine Anzahl von SMlern speziell den Geschlechtsverkehr als eine ganz wichtige Grenze ansehen? Etwa als Grenze zwischen einer reinen Spielpartnerschaft und einer (wie soll man das im Gegensatz dazu dann eigentlich treffend nennen?) Lebenspartnerschaft. Ist das nicht irgendwie seltsam? Mit dem Spielpartner werden im Zuge von Spielen zwar zum Teil sehr intime Sachen gemacht, z.B. mit den Genitalien, mit ihm schlafen wäre jedoch zu intim. Warum eigentlich? Besonders dieser Aspekt des Themas "Geschlechtsverkehr in SM-Beziehungen" beschäftigt mich sehr – nicht zuletzt aus persönlichen Gründen.
Ich kenne einige Argumente für das Ziehen von genau dieser Grenze: Der Bogen reicht von "Manche Handlungen sollen einfach meinem Lebenspartner vorbehalten bleiben" über "Berühren im Zuge eines Spieles ist okay, Geschlechtsverkehr wäre mir zu nahe, da müsste ich mich zu sehr öffnen" bis hin zu "Ich schlafe nur mit Menschen, die ich wirklich liebe".
All das führt aber wieder zurück zur Frage "Ist denn SM tatsächlich weniger intim als Geschlechtsverkehr?" Das kann natürlich zutreffen. Es gibt Menschen, für die es kein ausschlaggebendes Kriterium für oder gegen ein Spiel ist, wie viel Gefühl sie einem Anderen entgegenbringen. Dass solche Spiele niemals auch nur annähernd die Intimität eines Liebesaktes haben können, kann ich nachvollziehen.
Für mich persönlich sehe ich es jedoch anders, denn für mich ist schon für eine Session ein hohes Maß an Gefühlen für den Anderen nötig – sonst würde ich mich auch auf keine Session einlassen. Wenn ich den Faden, dass schon für eine Session Gefühle nötig sind, noch weiter spinne: Wie viel näher kann ich mich einem Mann fühlen als in einer wirklich gelungenen Session, wenn sowohl mein (Spiel-)Partner als auch ich schweben, wie in Trance verfallen, wenn rund um uns die Welt versinkt, alles andere plötzlich ganz unwichtig ist, wenn es nur noch uns beide und unsere Gefühle gibt? Da rede ich gar nicht davon, dass dabei irgendwelche direkt sexuellen Handlungen (wie z.B. einander an intimer Stelle lecken) vorgefallen wären – da können intensive Blicke reichen, ein paar Worte, ein inniges Lächeln oder andere zärtliche Handlungen, die tief im Inneren berühren, um diese ganz besondere Spannung zwischen zwei Menschen herzustellen.
So gesehen habe ich es bereits erlebt, mit einem Mann weit intimer gewesen zu sein, als wir es mit Geschlechtsverkehr jemals sein könnten. Mir ist das bewusst, und so muss ich also die Frage, ob SM weniger intim ist als Geschlechtsverkehr, für mich eigentlich mit "Nein" beantworten. Trotzdem ich das so fühle und weiß, gehöre ich zu jenen, die Geschlechtsverkehr als (willkürliche?) Grenze ansehen.
Ich selbst kann mir trotz wiederholter und langer Beschäftigung mit diesem Thema die Frage nicht beantworten, weswegen ich z.B. mit diesem tollen Mann, mit dem ich die geschilderte wundervoll innige Begegnung tatsächlich hatte, nicht auch schlafen wollte.
Vielleicht – wie ich auch mit ihm besprochen habe – aus Sorge, mich dann in ihn zu verlieben? Blödsinn: Wenn ich es nach diesem Erlebnis mit ihm nicht bereits bin, ändert auch der Geschlechtsakt daran nichts. Oder weil ich Angst hätte, mich ihm damit zu sehr zu öffnen? Auch Blödsinn: Mehr öffnen als bei solchen Begegnungen mit ihm kann ich mich sowieso nicht. Ich habe auch keine Vereinbarung mit einem Lebenspartner, die ich als Begründung heranziehen könnte. Ich vermute trotz allem, dass es – aus welchen Gründen auch immer – etwas mit "an mich heran lassen" zu tun hat. Auch wenn es seelisch gemeint ist, wird dem körperlich dadurch Ausdruck verliehen, dass ich (unabhängig von meinen Gefühlen zu ihm) nicht mit diesem Mann schlafen möchte. Doch selbst mit dieser "Erklärung" bleibt die ursprüngliche Frage aufrecht: Warum ist nicht nur für mich, sondern auch für viele andere SMler Geschlechtsverkehr etwas so Besonderes – nämlich trotz aller bewussten Intimität von SM etwas Besonderes selbst im Verhältnis zu SM?
Egal, wie intensiv und wie lange man sich mit SM auseinander setzt: Ein paar ungelöste Rätsel gibt es also noch. Eigentlich beruhigend ...
Erschienen im SMagazin! 01/Juni 2002 - siehe www.schlagartig.at in der Rubrik "SMagazin! online" - zum Thema:
Tabu Sex: Geschlechtsverkehr in SM-Beziehungen
Monogame Fremdspielereien
Grenzenlose Intimität vs. Grenzen der Intimität: Keine Köperteile in anderen Frauen …
Für mich war es viele, viele Jahre ganz klar: Ich bin und lebe monogam – ohne Kompromiss. Und mein Partner musste das genau so halten. Monogamie war mir ein echtes, tiefes Bedürfnis. Einerseits, weil ich selbst mein Herz nur einem Partner schenken kann und damit sofort mein Interesse an anderen Männern erlahmt; andererseits, weil ... ja, weil man das eben so macht. Dachte ich zumindest damals.
Mein erster SM-Partner und ich waren uns sofort einig, dass wir keinesfalls mit anderen spielen wollten – nicht nur ich war mir sicher, lediglich innerhalb einer Beziehung die nötige geistige Nähe und das unumstößlich wichtige tiefe Vertrauen finden zu können. Dachte ich zumindest damals.
Dann folgten ein paar partnerlose Monate, in denen ich sämtliche Spielangebote abschmetterte mit der Begründung: „Ich spiele nur mit meinem Partner!“. Für mich waren tatsächlich emotionale Nähe und eine gefühlsmäßige Bindung nötig, um mich in irgend einer Form auf einen Mann einlassen zu können – ein Spiel rein um des Spielens willen kam für mich nicht in Betracht, da so etwas einfach nicht schön und befriedigend sein kann. Dachte ich zumindest damals.
Dann kam meine zweite SM-Beziehung, und mit ihr wurde vieles anders: Meinem Partner zuliebe probierte ich Dinge aus, über die ich zuvor nur Vermutungen hatte anstellen können. Und ich merkte, dass viele dieser Vermutungen schlicht falsch gewesen waren.
Zum Beispiel hatte ich gedacht, dass ich vor Eifersucht platzen würde, wenn mein Partner mit anderen Frauen spielen würde. Ich war nämlich der irrigen Annahme, dass ein Spiel zwischen meinem Partner und einer anderen Frau genau die selbe – geistige und körperliche! – Intimität zwischen den beiden erzeugen würde, wie sie zwischen meinem Partner und mir während unserer Sessions herrschte. Doch genau diese Intimität wollte ich keinesfalls mit einer anderen Frau teilen, das sollte etwas sein, das alleine mir vorbehalten bleibt!
Wir haben das damals recht einfach gelöst: Erstens hatte mein Partner die Pflicht, mich (damals Sub) vor einem Spiel mit einer anderen Frau zu fragen, ob das für mich in Ordnung sei, und ich hatte ein absolutes Veto-Recht. Zweitens habe ich anfangs bei jedem dieser Spiele zugesehen – und konnte somit immer wieder sehr schön miterleben, dass solche Spiele in punkto Intensität und emotionaler Nähe in keiner Weise vergleichbar waren mit unseren Spielen. Drittens galt während jedes Fremdspiels die unumstößliche Regel: Keine Köperteile in anderen Frauen. Das heißt im Klartext: Keine Intimitäten wie Zungenküsse, befingern, ficken etc.
Später dann begannen wir mit einem anderen Paar zu spielen – das hatte einerseits den Touch von „Er liefert mich einem anderen Mann aus“ und führte andererseits zu für mich völlig neuen und ausgesprochen erregenden Körperlichkeiten und Intimitäten mit einer Frau. Es war berauschend und unglaublich geil – einerseits war einfach alles das, was wir taten, was ich sehen, hören, was ich mit all meinen Sinnen erfassen konnte, unglaublich geil; andererseits war es ausgesprochen schön, so etwas Geiles gemeinsam zu erleben.
Das ist nun auch schon wieder eine Weile her, und rückblickend gesehen führte vor allem ein Punkt dazu, dass diese Fremdspiele – egal in welcher Konstellation – für mich wirklich absolut akzeptabel waren: Mein damaliger Partner gab mir immer und in jeder Situation das Gefühl, dass ich seine absolute Nr. 1 war und dass mir in seinen Augen keine andere Frau das Wasser reichen konnte. Ich fühlte mich von ihm rundherum geliebt und angenommen und hatte bei all dem keine Sekunde Angst ihn zu verlieren ... Die Regeln waren gar nicht so wichtig – sein Verhalten mir gegenüber rundherum war das Ausschlaggebende!
In der Zwischenzeit kenne ich das Thema „Fremdspielen“ auch aus der anderen Warte: In meiner nächsten Beziehung war nämlich ich diejenige, die auch außerhalb der fixen Beziehung spielte – mit Wissen meines Partners, der absolut einverstanden war, der allerdings keine Details wissen oder zusehen wollte. Für uns beide war die Situation in Ordnung, weil auch in dieser Konstellation allen Beteiligten absolut klar war, dass ich eine Nr. 1 – eben meinen Partner – hatte. Außerdem blieben gewisse Praktiken einfach ausschließlich meinem Partner vorbehalten – damit war meinem Monogamie-Anspruch, den ich immer noch hatte, Genüge getan. Warum dann eigentlich? Weil es geil war, mir von dem anderen Mann Sachen zu holen, die mir mein Partner nicht geben konnte ...
Wenn ich rückblickend all diese Dinge betrachte, wenn ich dann noch so das eine oder andere Spiel – nun doch rein um des Spielens willen – mit guten Freunden oder Freundinnen mit bedenke, ist mir eines ganz klar: An meinem Monogamie-Anspruch hat sich die ganze Zeit nichts geändert. Es geht mir immer noch um Partnerschaft und Beziehung. Um geistige und emotionale Nähe in allen Lebenslagen und vor allem um besondere Intimität. Am liebsten eben in einer Beziehung zu einem Mann – auch wenn ich mir ab und zu Spiele mit anderen durchaus vorstellen kann! Dann aber ausschließlich innerhalb ganz bestimmter Grenzen – denn diese innige, nahe, wärmende, beglückende Intimität, die ich so umwerfend und berauschend finde, dieses hinreißende Verliebt-Sein erlebe ich nur innerhalb einer Partnerschaft. Und genau dort gehört diese Art der Intimität, der Liebe für mich hin. Weiß ich mittlerweile.
Erschienen im SMagazin! 02/Dezember 2002 - siehe www.schlagartig.at in der Rubrik "SMagazin! online" - zum Thema:
Der Reiz des Anderen: Fremdspielen ein Muss?
Der Konsens bin ich.
Von Metas und anderen Dingen
Metakonsens: Etwas so selbstverständlich Gelebtes für mich, dass es mir schwer fällt, es interessant in Worte zu fassen. Etwas so selbstverständlich Schönes für mich, dass ich mir kaum vorstellen kann, andere Menschen könnten das anders sehen. Etwas so selbstverständlich Geiles und Inniges für mich, dass ich immer wieder vergesse extra zu erwähnen, dass Lust und Liebe die Basis all dessen für mich sind. Etwas so selbstverständlich Konstruktives für mich, dass ich immer wieder erstaunt bin, wenn jemand dieses Thema mit destruktiven Beziehungen und Hörigkeit in Zusammenhang bringt.
Nach einer ausführlichen und beiderseits höchst erkenntnisreichen Diskussion mit meinem Liebsten, der diesem für ihn relativ unbekannten Thema eher skeptisch gegenüber steht, starte ich nun also meinen dritten Versuch, das Thema Metakonsens entsprechend zu beleuchten. Natürlich möchte ich erzählen, weswegen ich persönlich so darauf abfahre. Andererseits bin ich sicher, dass das sowieso nur jemand nachvollziehen kann, der ebenfalls auf Metakonsens steht. In jedem Fall ist es mir ein großes Bedürfnis, neben all meinem „Pro!“-Geschreie auch auf ein paar Aspekte aufmerksam zu machen, die zwar vielleicht der Geilheit einen kleinen Abbruch tun, mir deswegen aber nicht weniger wichtig sind.
Metakonsens: Hat irgendwas damit zu tun, dass sich Partner über Nicht-Einvernehmlichkeit einig sind, dass Sub – in vollem Wissen um die Konsequenzen – das generelle Einverständnis zu Spielen gibt, die zum Zeitpunkt des Spiels dann vielleicht doch nicht ganz einvernehmlich sind, dass Sub sich selbst der Ausstiegsmöglichkeit beraubt, somit keine Möglichkeit mehr hat, einen Auftrag, einen Befehl, eine Bitte abzulehnen.
Metakonsens: Die grundlegende Entscheidung, mit allem, was Dom tut, einverstanden zu sein, es zu billigen, es zu akzeptieren, in jedem Fall alles zu tun, was Dom verlangt. Die Frage, ob Sub gerade Lust hat oder in der richtigen Laune ist, stellt sich nicht mehr. Ein „Nein“ gibt es nicht.
So nüchtern solche Definitionen einerseits und so abschreckend sie für manche Leute andererseits klingen mögen, so steckt für mich hinter Metakonsens genau das selbe wie auch sonst hinter allem rund um SM bzw. DS: Es geht mir um Lust. Nichts als pure, reine Lust. Auch an Dingen, die an sich nicht lustvoll sind, an Dingen, die an sich in keinem direkten sexuellen Kontext stehen. An Dingen, die rein dadurch lustvoll werden, dass ich sie von meinem Sub verlange und er sie tut.
Szenarien a la „Des Widerspenstigen Zähmung“ machen mich nicht scharf, mir vergeht viel mehr die Lust, wenn jemand zickig und aufmüpfig oder gar maulig ist. Hingegen kann ich mich stundenlang an Subs Gesicht begeilen, in dem ich Bemühen, Überwindung, absolute Hingabe und vielleicht sogar ein bisschen temporären Hass lese. Ich liebe und genieße Situationen, in denen mein Sub mit sich selbst kämpfen muss, in denen er sich überwinden muss. Einerseits möchte er meinen Auftrag natürlich bestmöglich ausführen, dafür schrammt er andererseits aber hart an irgend einer seiner Grenzen entlang. Somit muss er freiwillig über seinen eigenen Schatten springen, um meinem Befehl Folge leisten zu können. Und genau das mitzuverfolgen, finde ich ungeheuer aufregend und geil.
Da ist aber auch schon der erste wichtige Punkt für mich: Freiwilligkeit. Freiwilligkeit als absolute Basis ist unerlässlich für meine Art von DS. Normalerweise vergeht mir der Spaß an der Freude, wenn ich merke, dass Sub widerwillig oder desinteressiert oder einfach nicht in Stimmung ist. Denn in jeder Situation überprüfe ich ganz automatisch alles besonders auf diese Punkt Freiwilligkeit hin, und wenn der nicht erfüllt ist, macht es mir keinen Spaß.
Bei Metakonsens hingegen ist das ein wenig anders, da überprüfe ich nicht in jeder Situation erneut Freiwilligkeit. Die Grundlage jeglicher Handlung jedoch ist die gleiche: Sub entscheidet sich freiwillig, etwas zu tun. In diesem Fall entscheidet sich Sub – in vollem Wissen um die Konsequenzen – freiwillig für Metakonsens. Anders geht das meiner Meinung nach nicht: Zu Metakonsens kann man niemanden überreden oder zwingen, so etwas kann man lediglich wollen und freiwillig machen.
Ja, es kickt mich dann unglaublich, ganz genau zu wissen, dass er gar kein Recht mehr hat „Nein“ zu sagen und ich damit meinen Sub tatsächlich rein als Ding, als Lustobjekt behandeln kann. Einzig zum Zweck meiner Freude und meiner Befriedigung – völlig unabhängig von seiner Lust. Denn die zählt nicht mehr direkt, nur noch höchst indirekt. Ja, dabei kickt es mich dann ganz besonders, etwaigen Widerstand oder Unmut oder Lustlosigkeit seitens Sub zu übergehen, zu ignorieren.
Und doch ist da wieder dieser Grundgedanke der Freiwilligkeit: Ich weiß, dass Sub generell an Situationen Gefallen findet, in denen er Dinge tun muss, zu denen er zum betreffenden Zeitpunkt gerade keine Lust hat. Genau das signalisierte er ja mit seiner freiwilligen Entscheidung für Metakonsens sehr deutlich. Gerade dass er zu Dingen „gezwungen“ wird, zu denen er im Moment keine Lust hat, macht ihn dann doch scharf.
Dazu kommt, dass ich Subs Zustimmung als großartigen Vertrauensbeweis sehe: Welch hingebungsvolle Geste von Sub, sich damit voll und ganz in meine Hände zu begeben! Welch hinreißendes Angebot, tatsächlich alles mit ihm zu machen, wonach mir ist – ganz speziell natürlich Dinge, zu denen er sich wahrlich mehr als nur ein klein wenig überwinden muss!
Und doch sehe ich dieses Angebot keinesfalls als Freibrief, meinen Sub wirklich zu quälen. Es gibt einen Unterschied, einen manchmal sehr feinen, zwischen lustvoll leiden und echtem Leid. Letzteres ist nicht das, was ich sehen will.
Abseits aller Geilheit ist mir persönlich ein weiterer Punkt wichtig und selbstverständlich, der Metakonsens in meinen Augen vom geilen Kopfkino zur lebbaren Realität macht: Metakonsens ist in meinen Augen uneingeschränkte, allumfassende Macht von Dom. So weit, so gut. Es ist allerdings die Frage, wie ich diese Macht einsetze. Ich handhabe das so, dass ich mir unter anderem das Recht nehme festzulegen, dass es gewisse lebenswichtige Bereiche gibt, die unangetastet bleiben müssen. Punkt.
Es gibt auch ein Leben abseits von Geilheit und Lust. Das ist gut so, und das muss problemlos möglich sein. Für mich gibt es gewisse Bereiche, die – Metakonsens hin oder her – da einfach nicht hineingezogen werden: Beruf, Familie, überhaupt Außenstehende und sicher noch ein paar andere Bereiche, die mir jetzt gar nicht einfallen, die aber in der Praxis ganz selbstverständlich ausgespart werden.
Das heißt nicht, dass ich nicht mal im Büro anrufe und die eine oder andere mehr oder weniger unauffällige Sache verlange. Ich liebe nun mal Aktionen, die sich irgendwie in den Alltag hineinziehen. Das heißt aber, dass ich – Metakonsens hin oder her – ein „Nein“ akzeptiere, wenn ich z. B. eben im Büro anrufe und höre, mein Sub hat gerade Besprechung oder einfach keine Zeit. Dabei ist aber immer ganz klar: Lustlosigkeit seitens Sub ist auch in diesem Szenario kein Grund für ein „Nein“.
Einerseits gibt Sub also das Recht auf, einem meiner Befehle mit einem „Nein“ zu begegnen. Andererseits kann er das Vertrauen haben, dass ich ihn nie in einen echten Gewissenskonflikt stürzen würde zwischen seinen Pflichten als Sub mir gegenüber und seinen Verpflichtungen in anderen lebenswichtigen Bereichen.
Metakonsens, so wie ich ihn verstehe und aus der Praxis kenne, heißt nicht automatisch Hörigkeit bzw. das Ende allen selbständigen Agierens. Es geht mir persönlich um „Ich will nicht mehr ohne dich leben!“ und keinesfalls um „Ich kann nicht mehr ohne dich leben!“. Es ist mir sehr wichtig, das nicht aus den Augen zu verlieren und auch in dieser Hinsicht reflektiert zu handeln.
Macht bedeutet nicht automatisch Machtmissbrauch. Im Gegenteil: Ich als Dom sehe meine Pflicht darin, besonders verantwortungsbewusst mit dieser mir gegebenen Macht umzugehen. Denn ich habe Macht nicht, mein Sub gibt sie mir. Mal ehrlich: Wie sollte ich einen Mann wirklich zu etwas zwingen? Wenn er mir nicht die Macht über sich gibt, sind ihm meine Befehle egal, prallen an ihm ab. Wenn er meinen Befehlen nicht freiwillig folgt, mir also die Macht über sich gibt, hilft mir alles dominante Gehabe dieser Welt nichts.
Bei all dem – und somit auch bei Metakonsens – geht es in meinen Augen darum, dass eben beide ihre Lust und überhaupt ihre Gefühle und Bedürfnisse ausleben können müssen. Niemand kann meinen Sub zwingen, kein „Nein!“ zu sagen. Metakonsens hin oder her.
Die wahre Kunst liegt meinem Geschmack nach also darin, einerseits meine Fieslichkeiten und kleineren oder größeren Quälereien zu unser beider Freude auszuleben, dabei andererseits aber keinen Befehl zu geben, auf den mein Sub aufgrund seines gesunden Menschenverstandes mit einem „Nein“ reagieren muss, einfach weil es wirklich zu viel ist, was ich verlange.
Ja, Metakonsens ist außergewöhnlich geil in meinen Augen.
Ja, ich genieße es unglaublich, dass Sub sein Geschick so vertrauensvoll absolut in meine Hänge legt.
Ja, ab dem Moment, wo Metakonsens herrscht, bin ich das Gesetz, bin ich der Konsens.
Aber trotz all dem bin ich überzeugt davon, dass man speziell in Beziehungen mit Metakonsens ganz besonders verantwortungsvoll mit einander umgehen muss. Dann ist Metakonsens das, was er in meinen Augen sein soll: Ergebnis einer innigen, konstruktiven, besonders vertrauensvollen Partnerschaft und vor allem höchst spannend, erlebnisreich und außergewöhnlich geil!
Erschienen im SMagazin! 03/Juni 2003 - siehe www.schlagartig.at in der Rubrik "SMagazin! online" - zum Thema:
Metakonsens: Spiele hart an der Grenze von SSC
Gelöst und unbeschwert
Von den Vorteilen gewisser Einschränkungen
Jahrelang dachte ich, dass man in meiner Wohnung nicht SM „machen“ kann. Mein damaliger Lebensgefährte hatte das so empfunden – und daran änderten auch halbherzige Versuche, meine Wohnung durch die Anbringung von stabilen Haken an der Decke SM-tauglich zu machen, absolut gar nichts. Daraus entwickelte sich bei mir das Gefühl, dass ich für „privaten“ SM – also SM abseits von Partys bzw. dem SMart Café – eine andere, eine ganz besondere Umgebung brauche: große, hohe Räume, Stuck am Plafond oder eine andere meinen Phantasien entlehnte Umgebung wie ein Kellergewölbe, eine Burg, das Flair vergangener Zeiten. Mit meinem nächsten Freund war ich – mangels brauchbarer Alternativen – geradezu gezwungen, Sessions dann eben doch in meiner Wohnung stattfinden zu lassen. Und dabei stellte ich fast erstaunt fest, dass SM bei mir zu Hause sehr wohl Spaß macht!
Mir wurde dann klar, dass SM für mich überhaupt nicht an den Ort, sondern an den Partner gebunden ist. Wenn also die Chemie mit einem anderen Menschen stimmt, ist es für mich fast völlig unerheblich, wo ich gewisse Sachen mit ihm anstelle: Meine Wohnung oder die meines Liebsten war und ist mir dabei genauso lieb wie das schönste Ambiente unserer Suite im Schlosshotel Rosenau.
Zudem hat meine Wohnung einfach sehr viele Vorteile: Mein Spielzeug muss ich nicht herumschleppen und irgendwo anders hintransportieren, sondern habe alles ziemlich griffbereit. Und auch andere Dinge haben sich im Laufe der Zeit sehr gut eingespielt: In meinem Schlafzimmer steht ein Bett, das ich mir vor Jahren bereits unter entsprechenden Gesichtspunkten zugelegt hatte – so ist es für alle möglichen Arten der Fixierung gut zu gebrauchen, es ist groß und bequem und somit für die meisten Sachen, die ich mag, ganz besonders geeignet. Und auch sonst findet sich in meiner Wohnung so manches Plätzchen bzw. Einrichtungsstück, das zwar ursprünglich nicht für SM-Zwecke bestimmt war, sich im Laufe der Zeit jedoch als recht brauchbar dafür herausstellte: z. B. die Couch im Wohnzimmer, über deren Lehne ich meinen Liebsten höchst einladend drapieren kann, oder das Badezimmer und die Toilette, wo wir schon so manches nettes Spiel genossen und immer wieder mal genießen.
Räumliche Beschränkungen gibt es also in diesem Sinne für mich nicht. Hingegen gibt es zeitliche Beschränkungen: Bedingt durch mein Kind gibt es für meinen Liebsten und mich Zeiten, die halt eher familienorientiert – und somit so gut wie SM-los – sind. Da mein Sohn jedes zweite Wochenende bei seinem Vater verbringt und auch Freitag Abend fast immer auswärts schläft, haben wir auch Zeiten, wo wir wirklich in aller Ruhe unserer Leidenschaft frönen können, ohne Sorge haben zu müssen, dass mein Sohn mitten während einer Session hereinplatzt.
Vielleicht hängt es gerade mit dieser zeitlichen Beschränkung zusammen, dass wir solche „freien“ Zeiten dann als etwas Besonderes empfinden und uns auch jedes Mal wirklich besonders darauf vorbereiten und einstimmen: Für mich beginnt alles damit, dass ich mir ausgiebig Zeit nehme mich zu baden und zu pflegen, weil ich mich wirklich frisch und entspannt und vor allem hübsch für ihn und begehrenswert fühlen möchte. Auch mein Liebster nützt die Zeit davor, sich entsprechend herzurichten und all die Dinge zu tun, von denen er weiß, dass ich sie so mag: So ist auch er immer frisch rasiert, riecht umwerfend und hat meist Wäsche an, die nicht nur toll aussieht, sondern sich auch toll anfühlt.
Die Vorbereitung beschränkt sich aber nicht nur auf die Handlungen unmittelbar vor solchen Treffen, in der Zeit dazwischen genießen wir unsere Phantasien und Wünsche: Wir sprechen – zum Teil sehr ausführlich – darüber, worauf wir derzeit besondere Lust haben und was wir gerne mal mit einander erleben möchten. Diese Erzählungen oder SMS oder Mails bauen eine wunderschöne, lustvolle Vorfreude und Spannung auf – bereits Tage bevor es dann tatsächlich so weit ist. Dabei ist es relativ unerheblich, ob diese Phantasien und Wünsche dann auch wirklich bei nächster Gelegenheit oder erst später irgendwann – und manche auch gar nie – umgesetzt werden.
Noch gibt es keine festgeschriebenen Rituale für unsere SM-lastigen Zeiten. Aber so, wie sich die „Vorbereitungsphase“ im Laufe der Zeit praktisch von selbst entwickelt hat, kann ich mir durchaus vorstellen, dass sich diesbezüglich noch andere Dinge einspielen werden und sich vielleicht das eine oder andere Ritual entwickeln wird. Wir werden sehen – es hat das Wie und Was nicht mehr so vordringliche Priorität für mich. Hauptsache, wir genießen die Zeit mit einander und haben Spaß und Freude – an den Dingen, die wir mit einander machen, und an einander.
So verbringen wir diese ganz besondere Zeit dann sehr lustvoll, gelöst und unbeeinflusst vom sonst so bestimmenden Alltagsgeschehen.
Und auch, wenn ich keine besondere Umgebung für SM brauche: Auf unser nächstes Wochenende in einem netten Hotel – vielleicht in dem mit der „Höllensuite“, wo Ketten von der Decke baumeln und auch sonst allerlei Einrichtungsgegenstände durchaus einschlägig aussehen – freue ich mich jetzt schon. Ich genieße es sehr, auch auf diese Art das Besondere und das Prickeln aufrecht zu halten.
Erschienen im SMagazin! 04/Dezember 2003 - siehe www.schlagartig.at in der Rubrik "SMagazin! online" - zum Thema:
SM privat – der Blick durchs Schlüsselloch:
Viele von uns spielen auf Partys, in SM-Lokalen und bei Stammtischen. Wir schlagen und fesseln einander vor Publikum, wir leben unseren Exhibitionismus mehr oder weniger stark innerhalb der Szene, wir teilen Macht und Ohnmacht mit dem jeweils auserwählten Kreis.
Wie aber sieht unser ganz privater SM, alleine mit dem/der (Spiel-)PartnerIn aus?
Wir wollten wissen, was sich abspielt, wenn dem Auditorium der Zutritt verwehrt bleibt, wo tatsächlich die Grenzen zwischen diesen beiden Welten liegen und wie viel an Intimität hinter den Kulissen steckt.
Gewöhnungssachen und Ausnahmen
Frauen törnen mich nicht an. Das war immer schon so.
Dabei mag ich Frauen! Ich finde sie schön anzusehen und speziell, wenn sie auch noch so verführerisch gut riechen, finde ich es auch schön sie anzugreifen. Aber sie törnen mich nicht an.
Früher war es überhaupt so, dass ich es geradezu als abstoßend empfand, zwei oder gar mehreren Frauen zuzusehen, die einander befummelten. Und alleine die Vorstellung, eine andere Frau intim zu berühren, empfand ich als äußerst unangenehm.
Das alles merkte ich überhaupt erst während der langjährigen Beziehung zu einem Mann, mit dem ich ein höchst experimentierfreudiges und nicht zuletzt deswegen erfreulich erfülltes Sexualleben hatte. Mit ihm schaute ich mir erstmals gezielt und oft und ausführlich Pornos an. Mir war vorher gar nicht bewusst gewesen, welch voyeuristische Ader ich habe! Mit ihm erkannte ich viele meiner Vorlieben, aber auch einige Abneigungen. Und eine davon war eben der Anblick von einander befummelnden Frauen in Pornos. Ich fand es schlicht langweilig und anfangs auch abtörnend, diese ständig leckenden und seufzenden und ekstatisch stöhnenden Frauen zu sehen und zu hören. Ihn hingegen machte das ungeheuer scharf – und mir wurde es im Laufe der Jahre zunehmend egal. Tatsächlich: Ich gewöhnte mich an den Anblick, und irgendwann einmal hörte es einfach auf, mir unangenehm zu sein, Frauen miteinander „im Liebesspiel“ zu sehen. Vielleicht war es tatsächlich Gewöhnungssache.
Vielleicht waren es aber auch bloß die falschen Pornos gewesen. Denn irgendwann merkte ich, dass es sehr wohl Szenen mit Frauen gibt, die mich erregen. Nämlich solche, bei denen Frauen genussvoll leiden. Je heftiger es dabei zur Sache ging, desto besser.
Als ich dann – einige Jahre und eine Beziehung später – das erste Mal Haut an Haut gefesselt mit einer Frau stand, klang mir zwischen den einzelnen Schlägen immer noch die Stimme meines Lebensgefährten im Ohr, der mir davor in den glühendsten Farben geschildert hatte, wie ich in so einer Situation jeden Schlag, den sie bekommt, hören und durch sie spüren werde. Alleine seine Schilderung hatte mir unglaublichen Gusto gemacht, das tatsächlich zu erleben. Die Realität war dann noch viel aufregender als die Phantasie, aber es dauerte doch einige Spiele, bevor ich es das erste Mal wirklich genießen konnte: den Geruch, die weiche Haut, die Wärme, die Nähe, das unterdrückte Stöhnen, das Zittern, mein eigener Schmerz vermischt mit ihrem, meine eigene Lust vermischt mit ihrer – und die Kombination aus all dem törnte mich dann tatsächlich mächtig an.
Nie werde ich wohl die Situation vergessen, in der ich erstmals dann doch tatsächlich intim mit einer Frau wurde. Nun, nicht mit irgendeiner Frau, sondern mit genau jener, mit der ich schon so viele schöne Stunden in geschilderter Art und Weise verbracht hatte. Und so richtig intim war es eigentlich auch nicht, muss ich wohl zugeben: Ich hatte den Auftrag bekommen, ihr ein paar Klammern an die Schamlippen zu klemmen – und ich war eigentlich heftig überfordert, aber im Nachhinein auch heftig stolz, es dann doch geschafft zu haben. Ja, es kostete mich zu jener Zeit ungeheuer viel Überwindung diese Frau zu berühren – egal, wie nahe sie mir stand. Und ich fand es alles andere als erregend unter diesen Umständen.
Viel erregender fand ich es ein gutes Jahr später, mich einen kurzen Augenblick lang von ihr geküsst zu fühlen. Keine Ahnung, was passiert wäre, wenn es irgendwie in dieser Richtung weitergegangen wäre ...
Jedenfalls dauerte es eine ganze Weile, bevor ich wieder einmal einer Frau so nahe kam. Dazwischen gab es immer wieder einmal nette Spiele unter Freundinnen, bei denen ich die eine oder andere Frau verklopfte – es war nett, es war schön, weil sie es schön fanden, das war’s aber auch schon. Ohne es damit abwerten zu wollen, denn schön war es allemal: Es waren schlicht Dienstleistungsspiele unter Freundinnen – und eben weil es unter Freundinnen war, waren die Spiele schön und okay. Aber halt nicht mehr. Immer wieder merkte ich ganz klar: Frauen sind einfach nicht meins. Sexuell gesehen zumindest.
Was ich allerdings im Laufe der Jahre wirklich sehr zu genießen begann, waren die an und für sich unsexuellen Zärtlichkeiten unter Frauen: einander in den Arm nehmen, mal zärtlich streicheln – alles Zeichen intensiver Zuneigung, alles sehr warm und nahe, aber eben alles sehr unsexuell, deswegen aber um nichts weniger schön und gewollt.
Letztes Jahr zu meinem Geburtstag dann lernte ich jedoch ganz plötzlich ein absolut neues Gefühl kennen: Gegen Ende des Abends entstand eine Blödelei zwischen einer meiner liebsten Freundinnen und einem recht netten Mann, mit dem wir schon den ganzen Abend geflirtet hatten. Schlussendlich standen wir Frauen auf und gingen in einen der Spielräume.
Sie beugte sich über einen Sling, entblößte ihren Hintern, und ich begann, sie mit Freude – aber anfangs rein in Hinblick auf „kunstvoll“ und „nett für sie“ – zu peitschen. Es geschah aus Spaß, nicht aus Lust. Mit Frauen hab ich ja nix am Hut, wie mir mittlerweile immer wieder bestätigt worden war.
Und doch geschah dann Erstaunliches: Ich legte nach einiger Zeit die Peitsche weg und schlug sie mit der Hand. Hörte ihr Stöhnen. Fühlte ihr Zittern. Griff ihr in den Nacken, ins Haar – und spürte sie plötzlich richtiggehend. Sie schmiegte ihre Wange an meine Hand – und irgendetwas war ganz plötzlich ganz anders für mich. Die Situation berührte mich, bewegte mich, erregte mich!
Und das hat auch nicht mehr aufgehört: An der Freundschaft hat sich nichts geändert, aber sie ist die eine Frau, deretwegen ich dem Satz „Frauen törnen mich nicht an“ eigentlich immer lächelnd die Ergänzung „mit einer Ausnahme“ hinzufügen müsste.
Was mich allerdings immer schon angetörnt hat – und das weit mehr als jemals Frauen miteinander –, waren und sind Pornos mit zwei oder mehreren Männern. Und noch toller als in den tollsten Pornos geht es diesbezüglich in meiner Phantasie zu! Hach, ist das nett, immer wieder dieselben geilen Phantasien mit den unterschiedlichsten Männern zu erleben! Wobei einige dieser Phantasien seit langem genüsslich darauf warten, endlich in die Tat umgesetzt zu werden ...
In der Praxis werde ich wohl noch einige Zeit nicht darüber hinwegkommen, was mir im SMart Café passiert ist: Mir wurde gerade aufs Allerfeinste der Hintern versohlt, ich war am Abheben und Fliegen – und bekam leicht umnebelt mit, dass ein paar Meter neben mir zwei Männer heftig zur Sache kamen. Blöderweise hatte ich aber keine Brille auf und konnte daher bloß schemenhaft erkennen, dass sie etwas taten, aber nicht genau was sie taten. Es war zum Verzweifeln: Endlich einmal die Erfüllung einer meiner Lieblingsphantasien frei Haus, und dann scheitert es an der fehlenden Brille!
Mit gleichgeschlechtlichen Körperlichkeiten – in welcher Konstellation auch immer – habe ich jedenfalls sicher kein Problem mehr: Alleine der Gedanke an Männer miteinander macht mich sowieso ziemlich scharf, und dem Anblick von Frauen miteinander kann ich mittlerweile auch einiges abgewinnen. Zumindest unter der Voraussetzung, dass das Setting rundherum passt und sie schön lustvoll leiden. Die Männer hingegen dürfen es einfach wild miteinander treiben – die müssen nicht unbedingt auch leiden dabei. Es gibt da bloß zwei Voraussetzungen: Sie müssen auch meinen Ohren etwas Nettes gönnen (so ganz leise mag ich sie gar nicht), und ich muss meine Brille griffbereit haben ...
Also egal, wie ich es drehe und wende: Männer sind und bleiben meine klaren Favoriten, und Frauen törnen mich nun mal nicht an. Mit einer Ausnahme.
Erschienen im SMagazin! 05/Juni 2004 - siehe www.schlagartig.at in der Rubrik "SMagazin! online" - zum Thema:
Ein bisschen bi schadet nie: Sind SMler freizügiger mit dem eigenen Geschlecht?
Gleichgeschlechtliche Körperlichkeiten unter SMlern – eine Grenzziehung zwischen lustigem Geburtstagsspanking unter FreundInnen, tiefgehendem Spiel und echter Gespaltenheit.
Sind SMler offener in ihrem Umgang mit dem gleichen Geschlecht? Geben SMler ihrem Bedürfnis nach Körperlichkeit – unabhängig vom Geschlecht des/der anderen – bloß ungehemmter nach? Oder gibt es unter SMlern tatsächlich einen signifikant höheren Anteil an Bisexuellen als in anderen Bevölkerungsgruppen? Ist ein gleichgeschlechtliches „Spiel unter Freunden“ ein Zeichen von Bisexualität oder einfach von frei gelebter Lust auf Körperlichkeit? Oder ist es gar ein Muss in der Szene? Also geradezu ketzerisch gefragt: Muss man so ziemlich alles ausprobiert haben, um dazuzugehören, um akzeptiert zu werden?
Der Weg ist das Ziel
Von aufgeschlagenen Knien und dem Spaß an der Freude
Mein Leben hat sich durch SM verändert – und wie! Vieles ist klarer, vieles einfacher, manches schwieriger und komplizierter geworden. Unterm Strich jedenfalls ist es ein schöner Weg, auf dem ich mich befinde.
Zuerst einmal hat sich meine Art von SM im Laufe der Jahre entwickelt und verändert: Machte ich zuerst Bekanntschaft rein mit der körperlichen Seite von SM, so merkte ich relativ schnell, dass es weniger der Schmerz und mehr die Hingabe ist, die mich so antörnt.
Bald schon war ich mir sicher, dass eine DS-Partnerschaft, in der ich mich meinem Herrn schenken konnte, der dafür die Verantwortung für mein zukünftiges Glück übernehmen „durfte“, die Lösung all meiner Probleme ist: Doms sind ja generell soo verantwortungsbewusst, und eine DS-Beziehung ist ja gaaanz sicher die Garantie dafür, nie wieder verlassen zu werden ...
Aber ich merkte erfreulich schnell, dass meine Begeisterung anfangs zu einer „etwas“ weltfremden Sicht der Dinge geführt hatte. Dass BDSM keinesfalls die Lösung irgendwelcher meiner Probleme, sondern einfach beglückende Ergänzung sein konnte. Und sollte.
Weiters hat sich mein SM im Laufe der Zeit natürlich auch insofern verändert, als ich neue Praktiken kennen gelernt habe – bei manchen davon blieb es beim einmaligen Versuch, andere wiederum haben tatsächlich ihren mehr oder weniger fixen Platz in meiner Sexualität gefunden.
Die eigentliche, die wirklich wesentliche Veränderung ist für mich aber die, die mein Leben durch SM bzw. durch meine Beschäftigung mit dem Thema SM (und dazugehörigen Themen) erfahren hat. Diese Veränderungen betreffen aber nicht nur meine Sexualität – ja, natürlich, diese ist bunter, noch aufregender, noch erfüllender geworden –, vor allem aber hat sich meine Lebenseinstellung und Sicht der Dinge in vielen Bereichen weiterentwickelt:
Mein Selbstverständnis hat sich verändert, und ich weiß einfach viel genauer, was ich will und was ich nicht will. Ich habe Antworten auf Fragen gefunden, die sich mir seit Jahren gestellt hatten:
In meinen Beziehungen vor der Zeit, als ich mich bewusst mit SM und, zum Beispiel, dem Thema Machtspiele auseinander setzte, hatte mein Wunsch nach einem starken Mann und tollen Partner immer zur Folge, dass ich mit meinen Partnern Machtkämpfe austrug. Um alles und nichts – nach dem Motto „Alles, was du kannst, das kann ich viel besser ...!“. Ich wollte ständig beweisen, dass ich (mindestens) so gut bin wie mein Partner, (mindestens) alles so gut kann und mache wie mein Partner. Früher war es also so, dass sich ein Mann als mir überlegen beweisen musste, damit ich ihn wirklich akzeptieren konnte.
Mittlerweile ist mein Selbstbewusstsein ein ganz anderes geworden – somit kann ich Vertrauen und Liebe schenken (im Gegensatz zu früher, als sich Männer das hart erarbeiten mussten). Und ich lebe Machtspiele lieber auf lustvolle Art und Weise aus, denn ich habe es für mein Ego einfach nicht mehr nötig, sie auf partnerschaftlicher Ebene auszufechten.
Überhaupt habe ich mittlerweile ein ganz anderes Gefühl für Machtstrukturen und reagiere sehr viel sensibler auf Macht im Alltag oder gar auf Machtmissbrauch. In Situationen, in denen ich früher bloß ein schreckliches, nicht fassbares Unbehagen verspürt habe, durchschaue ich die Abläufe und Mechanismen von Machtkämpfen jetzt auf ganz andere Art und Weise als früher – und habe dadurch die freie Wahl, ob ich mitspielen oder etwas dagegen unternehmen will.
Weiters habe ich Neinsagen gelernt – auch Vorgesetzten gegenüber. Ich habe gelernt, dass ich ein Recht darauf habe, Grenzen zu haben, und dass andere kein Recht haben, meine Grenzen zu verletzen.
Und ich hab begonnen, viele meiner Werte zu hinterfragen, die ich nun mal erziehungsbedingt von meinen Eltern bzw. meiner Umwelt mitbekommen habe. Ich habe zerpflückt, von allen Seiten betrachtet, mit zum Teil neuen Ansichten und Erfahrungen vermischt und wieder neu zusammengesetzt. Manche dieser Werte haben sich dabei als passend und tatsächlich für mich gültig bestätigt, andere wiederum sehen jetzt ein bisschen anders aus als früher, und ein paar, ganz wenige, hab ich dabei gänzlich über Bord geschmissen.
Toleranz, Respekt, Menschen so sein lassen, wie sie sind, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Offenheit, Gefühle haben und zulassen und miteinander darüber reden – das und vieles mehr sind mir lauter Kostbarkeiten, die nun einen noch höheren Stellenwert für mich haben als früher.
Das Thema Monogamie zum Beispiel stellt sich mir nun nicht wichtiger, aber doch deutlich anders dar: Früher war ich – ohne über die Hintergründe auch nur eine Sekunde nachzudenken – ganz klar und felsenfest davon überzeugt, dass Monogamie in einer Beziehung der einzig lebbare Weg für mich sei. Bei genauerer Betrachtung dieser Ansicht stellte ich aber fest, dass es mir dabei im Grunde jedoch nicht um körperliche Treue, sondern eben um Ehrlichkeit und Offenheit, um Zueinanderstehen etc. geht. Eine nicht monogame Beziehung war für mich gleichbedeutend mit Untreue, mit Lügen, Betrug und Heimlichkeiten – all das hat in meiner Beziehung aber keinen Platz. Nach wie vor nicht, daran hat sich nichts geändert. Geändert hat sich aber mein Bewusstsein, dass der Austausch von Körperlichkeiten mit anderen als meinem Partner – was auch für mich sehr schön ist! – ja gar nicht heimlich hinter dem Rücken des Partners stattfinden muss: Offen und ehrlich gelebt gibt es aufregende und für alle Beteiligten sehr schöne Möglichkeiten abseits des herkömmlichen Monogamie-Begriffes.
Alles in allem fühle ich mich freier – oder korrekt ausgedrückt: befreit. Nicht mehr so eingezwängt in ein Korsett vorgegebener Wertigkeiten, beschränkend-diktierter Lebensmöglichkeiten und eigener innerer Zwänge.
Dabei ist sicherlich eine der wichtigsten Veränderungen, dass ich gelernt habe, Dinge anzunehmen. Komplimente, Geschenke (und damit meine ich in erster Linie nichtmaterielle), Zärtlichkeiten – gerade mit Letzterem hatte ich besondere Schwierigkeiten.
Dieses Nicht-annehmen-Können veränderte sich schlagartig, als mich mein späterer Lebensgefährte zum ersten Mal fesselte: Erstmalig fand ich mich in einer Situation wieder, in der ich nicht ständig drüber nachdenken musste, was ich jetzt mit meinem Partner machen kann und soll – denn ich konnte ja nichts machen. Ich verstand es plötzlich, was gemeint ist mit „Fesseln befreien“, denn genau so empfand auch ich es: Dadurch, dass sie mich daran hinderten, meinerseits gleichzeitig meinem Partner durch Streicheln oder was auch immer Gutes zu tun, brauchte ich mich nicht auf das zu konzentrieren, von dem ich dachte, dass es von mir erwartet werden würde. Ich konnte mich nicht bewegen, also war klar, dass gar nichts von mir erwartet wurde. Ich konnte mich somit erstmalig wirklich auf mich und meine Gefühle konzentrieren und loslassen. Das war wirklich eine erste kleine Revolution in meiner Sexualität!
Die zweite – noch größere – Revolution: Ich ließ meine dominanten Phantasien real werden. Und lernte genau dadurch, bis zur letzten Konsequenz Geschenke anzunehmen: Erstmalig war ich mir 100-prozentig sicher, dass das, was mir ein Mann Gutes tat, wirklich und absolut etwas ist, das er gerne und voll absoluter Begeisterung tut. Ich hatte nicht mehr dieses unterschwellige, vage, aber dafür heftig abtörnende Gefühl, dass mein Partner das nur tut, weil „man es halt macht“. Plötzlich konnte ich solche Dinge – auch ohne von Fesseln an gleichzeitigen Ebenfalls-Gutes-tu-Aktionen gehindert zu werden – genießen und annehmen. 100-prozentig.
Doch auch nicht so angenehme Veränderungen hat mein Leben im Zusammenhang mit SM erfahren: Zum Beispiel wurde die Partnerwahl dadurch, dass SM mir wichtiger und nicht mehr wirklich wegdenkbarer Teil meines Lebens geworden ist, nicht unbedingt leichter.
Je fixierter ich in meinem Rollendenken war, je unverzichtbarer mir SM als wesentlicher Bestandteil meiner Sexualität im Vordergrund stand, desto unmöglicher war es einem Mann, von mir auch nur annähernd als Partner in Betracht gezogen zu werden.
Diesbezüglich verschieben sich meine Wertigkeiten schleichend, aber spürbar: Menschliche Belange und viele andere mir in einer Partnerschaft bedeutsame Bestandteile haben an Wichtigkeit gewonnen, und SM nimmt somit langsam, aber sicher einen neuen, nicht mehr wie in den Jahren davor so vordrängenden Platz in meinem Leben ein.
Vor allem aber musste ich irgendwann bei mir feststellen, dass SM – speziell in der Rolle als Top – eine hervorragende Möglichkeit bietet, Männern zwar körperlich nahe zu kommen, sie aber in Wirklichkeit sehr auf Distanz zu halten und nicht an mich ranzulassen. Welche Mechanismen auch immer ich mir als Sub gebastelt hätte, um mir Männer langfristig gesehen vom Leib zu halten (und auch da wäre ich sicherlich erfindungsreich gewesen, hätte meine Subphase länger angedauert): Als Top war es leicht, mich selbst auf ein Podest zu stellen – und dann jede wieder nicht geklappte Beziehung gar bitterlich zu beweinen. Woran natürlich die bösen männlichen Subs schuld waren, die ja zu keiner gleichberechtigten Beziehung fähig sind. Ich kam erst nach fast drei Jahren auf die Idee, dass mein selbst errichtetes Podest schuld sein könnte, dass niemand – nicht einmal auf Zehenspitzen stehend – an mich rankommt.
Meine aktuellste Erkenntnis ist also die, dass ich gut aufpassen muss, meine sexuelle Rolle nicht als Mauer zu missbrauchen, hinter der ich mich verstecke. Und so empfinde ich meine Beschäftigung mit SM überhaupt als durchwegs erkenntnis- und lehrreich und alleine aus diesem Grunde schon sehr wichtig.
Vielleicht ist es ja Zufall, dass ich all diese Veränderungen irgendwie im Zusammenhang mit SM erlebt habe. Vermutlich hätte ich die eine oder andere Entwicklung auch völlig losgelöst von SM erfahren. Aber ich glaube eigentlich nicht an Zufälle, sondern daran, dass alles im Leben einen Sinn hat. Ich hab keine Ahnung, wo mich das hinführen wird – aber ich empfinde bereits den Weg dorthin als spannend, aufregend und höchst lebenswert.
Manchmal stolpere ich und schlage mir gehörig das Knie auf – aber das hat mir noch nie wirklich den Spaß an der Freude verdorben.
Erschienen im SMagazin! 06/Dezember 2004 - siehe www.schlagartig.at in der Rubrik "SMagazin! online" - zum Thema:
SM im Wandel – Wandlung durch SM
Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „Im Leben ist die Änderung stetig“. Wir wollen diesmal wissen: Wie ist das in Bezug auf BDSM? Irgendwann sind unser Spiel und unsere Leidenschaft mehr oder weniger fixer Bestandteil unseres Lebens geworden. Doch welchen Einfluss nimmt das darauf? Wie hat sich unser Umfeld verändert, welche Einschränkungen haben wir erfahren und welche Freiheiten gewonnen? Hat sich unsere Sichtweise, unsere Einstellung gewandelt? Hat sich unser SM gewandelt und ist SM noch dasselbe für uns geblieben?