über DS, mein DS (5. März 2002)
DS (in den unterschiedlichsten Schreibweisen wie zB auch Ds oder D/s) - ein Schlagwort, das man doch des Öfteren liest oder hört. Was versteht man aber eigentlich genau darunter? Eine ziemlich ausführliche Erklärung findet man zB im Papiertiger von Datenschlag unter dem Stichwort DS.
Gerade im Fall von DS wird mir aber bei vielen Diskussionen immer wieder klar: Jede/r versteht etwas anderes darunter ...
Ich will in diesem Kapitel aber gar nicht mit einer objektiven, allgemeingültigen Aussage über DS an sich aufwarten - ich will vielmehr erzählen, was mich an DS reizt und was denn eigentlich meine Art von DS ist, die ich spiele:
Für mich fällt unter DS die gesamte psychische Seite meiner Spiele - alles, was mit befehlen, verbieten, genehmigen, anschaffen etc. zu tun hat. Basis ist ein Machtgefälle: Eine/r hat das Sagen, der/die andere gehorcht, führt aus. Hingabe kommt ins Spiel - es geht für Sub darum, Dom etwas zuliebe zu machen.
Gerade Hingabe, dieses Dom-etwas-zuliebe-machen - das ist etwas, das mich unglaublich kickt: Ich mag es nicht, wenn ich merke, Sub kann einer bestimmten Situation oder Praktik rein gar nichts abgewinnen - da vergeht mir total die Freude und die Lust. Ich finde es aber ungeheuer aufregend, spannend und oft sogar richtig erregend, wenn ich merke, dass Sub einer bestimmten Situation oder Praktik an sich nichts abgewinnen kann - sie aber doch erotisiert, weil er genau weiß, dass sie mich kickt. Bzw. weil er weiß, dass es mich kickt, ihm genau das anzuschaffen, zu befehlen, zu verbieten oder ähnliches.
Beispiel: Sub findet Schläge an sich nicht geil - er weiß aber, dass es mich total scharf macht, wenn er sich mir zuliebe schlagen lässt. Und zu sehen bzw. zu spüren, wie es mich scharf macht, macht ihn geil. Und zu sehen bzw. zu spüren, dass ihn das geil macht, macht mich wiederum noch mehr scharf - usw.
Wir haben irgendwann mal den Begriff "Umweglust" geprägt (abgeleitet von Umwegrentabilität) - über den Umweg, dass Sub sich an der Lust von Dom "erfreut", erfährt Sub diese spezielle Art der Lust an Dingen, die ihm an sich keine Lust bereiten würden, wenn nicht Dom solche Lust dadurch bekäme ... Kompliziert? Nein, aufregend!!
Es sind jedenfalls mehrere Faktoren, die mich bei solchen Spielen kicken:
Schlicht und ergreifend das Gefühl der Macht und das Wissen, dass Sub (dieser wunderbare Mann) mir diese Macht über sich gibt, sie mir gewährt. (Mal ehrlich: Wer könnte ihn zwingen, solche Sachen zu machen? Wenn Sub mir die Macht nicht gibt, habe ich sie nicht!)
Seine Hingabe: Er tut mir zuliebe Dinge, die ihm vielleicht unsinnig vorkommen oder uninteressant oder gar widerstreben. Um mich zu erfreuen.
Sehr oft seine Reaktion: seine Erregung. Oder auch dass es ihn (auf Umwegen) erregt - weil er diese Sachen mir zuliebe macht. Oder sein (innerer) Kampf (mit sich selbst). Oder seine Scham, weil ihm etwas unangenehm (zB peinlich) ist. Oder, oder, oder ...
Und manchmal auch die Sache an sich, die ich anschaffe.
In den meisten Fällen ist es eine Kombination dieser Punkte, die mich kickt, erregt, begeistert.
Es geht also um Befehle und Verbote. Und um welche???
Ganz ehrlich gesagt: Das ist ziemlich egal - wie es sich situationsbedingt ergibt bzw. anbietet. Fast alles ist dazu geeignet: Er soll sich selbst angreifen/es gefälligst unterlassen, sich anzugreifen. Er soll mir die Stiefel anziehen. Er soll sich selbst ausziehen. Er soll mir etwas bringen. Er soll die Hände hoch nehmen und sie dort lassen (egal, was ich tue - er darf sie nicht runter nehmen, sich nicht bewegen ...). Er soll sich beim Kellner erkundigen, wie die CD (das Lied, der Interpret etc.) heißt, die gerade in dem Lokal gespielt wird ...
Es geht also viel weniger darum, was ich ihm anschaffe oder verbiete - sondern wie. Lustvoll, mit Freude am Spiel, mit Freude an ihm, mit Stolz auf ihn!
Vor allem geht es darum, wie er darauf reagiert. Reagiert er desinteressiert oder unlustig, kann mir leicht die Freude an der Sache vergehen. Reagiert er mit einem Leuchten in den Augen, dann ist das das Wunderbarste, das es gibt!
Etwas, das immer wieder im Zusammenhang mit DS genannt wird, ist Demütigung. Das ist jedoch etwas, dem ich rein gar nichts abgewinnen kann: Ich empfinde meinen Sub als wunderbaren Mann (einen anderen als einen wunderbaren Mann würde ich nicht zum Sub wollen). Ich respektiere ihn, bringe ihm unglaublich tiefe Gefühle entgegen, finde ihn toll, aufregend - wie kann ich ihn da demütigen, erniedrigen?!?! Ich will ihn nicht lächerlich machen - ich will stolz auf ihn sein!
Ich weiß es nicht, ob das nicht ein Thema ist, das sich ändert, wenn ich mal vielleicht einen Partner habe, der das unheimlich gerne mag - keine Ahnung, eventuell. Im Moment jedenfalls kann ich mir diesen Teil nicht vorstellen.
Im Gegenteil: Ich fahre zB total darauf ab, wenn ausgesprochen respektvoll und ganz besonders höflich mit mir gesprochen wird. Am besten noch mit einer ganz besonderen Anrede für mich ...
Als ich das letztens erzählte, wurde ich daraufhin gefragt, ob ich denn Sub umgekehrt auch respektvoll begegne und höflich mit ihm spreche. Selbstverständlich! Anders kann ich mir's derzeit einfach nicht vorstellen.
Was das Allerschönste für mich ist? Wenn Sub sich - von sich aus, aus eigenem Antrieb - vor mich hinkniet. Mich ansieht. Mit dem ganz speziellen Leuchten in den Augen. Ich seine Zuneigung sehe, spüre - seine Hingabe, seine Verehrung ...
Das ist unbeschreiblich, bewegend, erhebend, einfach großartig - eben DS, meine Art von DS!
Unterwürfig? Hingebungsvoll! (31. März 2002)
Ich will einen starken Mann, der sich mir nicht trotz sondern gerade wegen seiner Stärke voll und ganz hingeben kann. Mit einem alltagsdevoten Partner könnte ich nichts anfangen.
Der Mensch, mit dem ich zusammenleben will, mein Partner, muss fähig sein, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Ich will keinen Sklaven im Alltag, der sich einfach nicht die Mühe machen will selbst zu denken oder der unfähig ist selbst zu denken (weiß nicht, was schlimmer ist).
Mein Partner sollte mich verehren, aber nicht hinter mir herdackeln, vor mir katzbuckeln, mir nach dem Mund reden. Er muss eine eigene Meinung haben, diese auch vertreten können.
Er muss über ein gewisses Maß an Selbstsicherheit, Selbstbewusstsein verfügen. Ich finde es wunderschön, wenn man sich seiner eigenen Schwächen bewusst ist und sich diese auch eingestehen kann. Man muss sich aber auch genau so seiner Stärken bewusst sein und kann ruhig stolz drauf sein. Man muss es ja nicht übertreiben. Mit beidem nicht - dem Eingestehen der Stärken nicht, aber auch nicht dem Eingestehen der Schwächen Im Gegenteil: Ewiges Gerede von Schwächen, Mängeln etc (oder gar wie arm man wäre, weil ja der und der oder die und die immer ...) macht mich wütend. Wenn Schwächen ein Problem darstellen, dann muss man etwas dagegen tun, an sich arbeiten - ich war früher sehr schüchtern ... ich habe dran gearbeitet ... ich weiß, wie das ist! Oder man akzeptiert gewisse Schwächen als einen Teil des eigenen Ich und belächelt sie lieber statt drüber zu jammern (so verfahre ich zB damit, dass ich ein eher schlampiger Mensch, sozusagen eine schlechte Hausfrau bin)
Ich schätze Menschen, die auf die Frage "Wie geht es Dir?" ganz offen sagen "Es geht mir schlecht." Ich schätze Menschen, die um Hilfe bitten können. Und noch mehr schätze ich Menschen, die Hilfe auch annehmen können. Und wenn es "bloß" darum geht, dem anderen ein offenes Ohr für all die Probleme oder eine Schulter zum Anlehnen zu leihen. Ja, ich gehöre zu den Menschen, die anderen Menschen, wenn sie Probleme haben, gerne zuhören, sie gerne in den Arm nehmen und liebevoll drücken. Ich gebe auch gerne Ratschläge, wenn ich darum gebeten werde - meist zeige ich aber sehr bewusst bloß verschiedene Lösungsmöglichkeiten auf und "zwinge" den anderen, seine/ihre eigene Entscheidung zu treffen.
Unter stark meine ich, zu sich selbst stehen zu können. Mit allem Guten, mit allem Schlechten.
Unter schwach verstehe ich, lediglich zu jammern und zu lamentieren statt zu handeln. (Nämlich nicht nur hin und wieder, sondern als "Masche", als Grundeinstellung, immer ...)
Einen Mann, der mich ansieht und mir sagt, "Verdammt, ich weiß im Moment echt nicht weiter. Irgendwie ist mir derzeit alles zu viel. Hast Du nicht eine Idee ...?", einen Mann, der sich in meinen Arm schmiegt und mal Rotz und Wasser heult, stundenlang, sich von mir im Arm wiegen und streicheln lässt - so ein Mann besitzt in meinen Augen mehr Stärke als einer, der immer tough und lächelnd durch die Gegend rennt und rumposaunt, wie toll er nicht ist, weil er nie jemanden braucht.
Der Punkt ist aber, dass auch dieser Mann, der sich gerne auch tagelang oder wie lange auch immer an meiner Schulter ausweinen kann, dann irgendwann mal wieder aufsteht, in die Hände spuckt und sagt "Okay, jetzt gehen wir es an, jetzt tun wir was dagegen."
So ein Mann ist nicht unterwürfig, nicht alltagsdevot - aber so ein Mann kann hingebungsvoll sein. Und genau das wünsche ich mir: einen starken Mann, der sich mir nicht trotz sondern gerade wegen seiner Stärke voll und ganz hingeben kann ...
Real- und Spielebene (31. März 2002)
Eigentlich, so ganz eigentlich fahre ich ja total auf 24/7 ab. Wobei "mein" Art von 24/7 sehr sanft und nicht gerade radikal ist:
Etwas ist 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche in Kraft.
Für mich bedeutet das eigentlich, dass ich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche die Herrin meines Subs bin, er 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche mein Sub ist - und sich dessen auch bewusst sein soll. (So wie ich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche Mutter bin und mir dessen - egal, ob mein Kind gerade bei mir ist oder nicht - auch immer bewusst bin.)
Und 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche habe ich das Recht, alles von ihm zu verlangen. Ich kann also jederzeit alles verlangen - das heißt aber nicht, dass ich das auch tatsächlich tue.
Ich könnte ihn jederzeit im Büro anrufen und ihm etwas befehlen.
Ich könnte zu jeder Tages- und Nachtzeit was-auch-immer von ihm verlangen.Ich stehe einerseits eindeutig auf verschiedene (nicht unbedingt heftige) SM-Praktiken, andererseits mag ich vor allem Dinge, die sich zu einem Großteil im Kopf abspielen, also gar nicht unbedingt mit Schmerz zu tun haben: Kleinigkeiten, die sich in den Alltag hineinziehen - zB ein bestimmtest Ding, das ständig mitgeführt wird; und ich könnte jederzeit befehlen, dass es zum Einsatz kommt (zB eine kleine unauffällige Klammer ... oder ähnliches).
Dabei ist mir aber eines ganz besonders wichtig: Geilheit hin oder her - wir alle haben gewisse Lebensbereiche, die einfach wichtiger sind. Beruf ist zB so ein Lebensbereich - während einer wichtigen Besprechung oder in ähnlichen Situationen haben solche Spielereien einfach nichts verloren.
Es darf niemals zu einem Gewissenskonflikt zwischen den Verpflichtungen als Sub und den Verpflichtungen in anderen wichtigen Lebensbereichen kommen.
Wenn wir zB in einem Restaurant beim gemeinsam Essen sind, kann es jedoch sehr gut sein, dass die eine oder andere kleine Aufgabe erfüllt werden muss. Und dann liegt es an mir zu entscheiden, ob etwas zu "auffällig" ist oder nicht ...
Rein theoretisch habe ich damit in letzter Konsequenz auch die Macht, Dinge von ihm zu verlangen, die ihm nicht angenehm sind.
Ich habe damit die Macht zu bestimmen, was er anzieht, wohin er wann geht, wen er wann trifft, wann er spricht, wann er schläft etc.
Das ist - für meinen Geschmack - aber graue Theorie. Und um es ganz klar auszusprechen: Das wäre definitiv etwas, das ich sicher nicht will.Für mich gibt es wie bereits angeschnitten gewisse Bereiche, die da einfach nicht hineingezogen werden: Beruf, Familie, überhaupt Außenstehende - und sicher noch ein paar andere Bereiche, die mir jetzt einfach gar nicht einfallen, die aber in der Praxis ganz selbstverständlich ausgespart werden.
Das heißt nicht, dass ich nicht mal im Büro anrufe und - wenn gerade Zeit und Möglichkeit sein sollte - die eine oder andere unauffällige Sache verlange.
Das heißt aber, dass ich ein "Nein" ohne irgendwas akzeptiere, wenn ich im Büro anrufe und höre, mein Sub hat gerade Besprechung oder einfach keine Zeit.Diese 24/7-Sache ist eine gar nicht so einfache, aber total spannende Sache in meinen Augen:
Einerseits gibt Sub damit das Recht auf, einem meiner Befehle mit einem "Nein" zu begegnen. Das ist ein wunderschönes Gefühl - für beide!
Andererseits tut er das nur, weil er das Vertrauen haben kann (und es hat!), dass ich ihn nie in einen Konflikt stürzen würde zwischen seinen Verpflichtungen mir gegenüber und seinen Verpflichtungen in anderen wichtigen Lebensbereichen (Job, Familie etc). Und das Wissen um dieses Vertrauen ist natürlich erst recht ein wunderbares Gefühl!Meine Art von 24/7 hat also viel mit Vertrauen, mit Macht, mit Geilheit zu tun - ist eine total spannende Sache, denn jederzeit könnte etwas passieren ...
Andererseits bestehe ich auf eine Trennung der Ebenen. Mein Partner hat nicht nur ein Recht darauf, seine eigene Meinung zu vertreten, sondern sogar die Pflicht dazu! Auf (nennen wir es mangels eines treffenderen Begriffs mal) "Realebene" - und die will ich in manchen Punkten strikt getrennt wissen von der "Spielebene".
Obwohl ich Hingabe und Verehrung mehr als nur genieße, macht es mich umgekehrt echt grantig und wütend, wenn mir jemand nach dem Mund redet und eben diese Trennung der Ebenen nicht schafft.
Ja, ich steh mir's auf 24/7 - aber es gibt einfach Zeiten, da hat das in einer Partnerschaft nichts verloren! Wenn es mal zu einem Streit kommt (was mit mir eher schwierig ist - ich streite nicht gerne, löse Konflikte lieber konstruktiv bevor es zu Streit kommt), dann zucke ich bei einem "Ja, Herrin" aus!!
Höhenflug & Absturz (20. April 2002)
Geschlossene Augen, perfekte Konzentration rein auf einander, die ganze restliche Welt ausgeblendet, einfach vergessen, versunken in einander und die eigenen Gefühle, lustvoll eingesponnen in einer eigenen Welt, in der kein Platz für andere ist, dahinschmelzend, fühlend, stöhnend, berauscht ... fliegend, fliegend, fliegend ...
Plötzlich, ohne Vorwarnung, wie ein Stromstoß eine Berührung von außen. Erschütternd, unerwünscht erweckend - schockierend! Ärger über die Störung, das unsensible Verhalten - ehrlich erschrocken und geschockt, denn in diese andere Welt waren keinerlei störende Geräusche vorgedrungen, die das Nahen einer anderen Person angekündigt hätten.
Im ersten Schock meine ärgerlichen Worte: "Mach das nicht. Mach das nie wieder. Greif mich nie wieder mitten in einer Session mit jemand anderen ohne Vorwarnung an!" Hart, aber tatsächlich ganz genau so gemeint - sie war lang genug dabei um zu wissen, dass eine Störung bei einer Session tatsächlich schrecklich enden kann.
Es war ein Kuss auf die Schulter gewesen - liebevoll gemeint und von einer Freundin, die ich sehr mag. Aber er kam in dieser entrückten Situation eben nur schockierend an. Bei mir, die sie mich berührt hatte, und gleichzeitig durch mich durch auch bei meinem Sub, der dadurch eine höchst unsanfte Landung beschert bekam.
Für mich war sofort nach meinen ärgerlichen Worten alles erledigt - ich hätte am liebsten weitergemacht, um das Spiel dann sanft zu Ende bringen zu können. Um die Freundin, die uns diese ungute Situation eingebrockt hatte, hätte ich mich später kümmern wollen. Für ihn jedoch war alles vorbei - er hatte sofort eine höchst unsanfte Landung erlebt und sorgte sich nun vordergründig um unsere Freundin, mit der noch ein klärendes Gespräch nötig war.
So ging eine wunderbare Session, ein einzigartiger Höhenflug, unerwartet abrupt und leider gar nicht schön zu Ende.
Es hat - wie ich nun aus eigener Erfahrung weiß - also wirklich gute Gründe, dass eine Regel auf SM-Veranstaltungen lautet:
Beteilige dich niemals an einer Session, wenn du nicht direkt von den Spielenden dazu aufgefordert bzw. eingeladen wurdest. Auch nicht, wenn du die Spielenden gut kennst und vielleicht sogar schon mit ihnen gespielt hast.
oder
Warum finde ich
keine Herrin?
Liebe Subs !!
Dauernd werde ich mit der Frage konfrontiert: "Wie finde ich eine private Herrin?". Nun habe ich mir einmal ein paar Gedanken gemacht. Verständnis und Kommunikation sind angeblich die Zaubermittel, mit denen die Menschheit zusammenfinden kann und daher nun einmal ein paar Worte, die vielleicht ein wenig das Verständnis für die andere Seite, die FemDoms, wecken.
Ich bin seit geraumer Zeit dominant und habe meine Erfahrungen mit Chaträumen. Kontaktanzeigen habe ich selbst nie geschaltet - die Bewerbungen, die aus den Chats resultieren reichen mir vollauf. Allerdings kenne ich FemDoms, die entsprechende Anzeigen geschaltet haben - ihre Eindrücke decken sich weitgehend mit meinen.
Aus diesen Erfahrungen heraus kann ich also Folgendes sagen:
!!! Subbies sind anstrengend !!!
Da ein devoter Mann der Dame das Leben jedoch eigentlich angenehmer machen sollte, ist eben dieser Tatbestand paradox. Dieser Widerspruch entsteht offenbar, weil viele devote oder masochistische Männer sich weder über die Wünsche und Bedürfnisse der Dame Gedanken machen, noch ihre eigenen Vorstellungen realistisch betrachten, bevor sie eine Bewerbung schreiben.
Ich erkläre das mal Schritt für Schritt.
1. Eine Femdom ist ein Mensch
Ja, es klingt merkwürdig, aber wir sind nicht alle die dauerdominanten,
männermordenden Monster. Wir sind Menschen. Die meisten von uns legen Wert auf
einen ordentlichen Umgang miteinander. Was das bedeutet ist von Frau zu Frau
verschieden. Ich persönlich schätze einen höflichen, respektvollen (ruhig
auch leicht devoten), aber nicht anbiedernden Stil.
Andere Frauen bevorzugen offenbar die unmittelbare Unterwerfung und Erniedrigung des Sklavenwurms (*schüttel - nicht mein Sprachgebrauch !!*). Wie auch immer. Anbiederei und Angeberei kommt bei kaum einer an.
Die Bewerbungen sehen jedoch meist ganz anders aus: Da bieten sich "tabulose Extremsklaven" und "geile Sklavensäue" an und ein "naturdevotes Objekt" windet sich schon "als Dreck unter meinen Füßen" bevor ich das überhaupt befohlen habe. Aber - wer will denn so etwas? Was soll ich denn noch mit dem tabulosen Extremsklaven machen, der schon alles gesehen hat und den nichts mehr berührt? Wer keinen Stolz und keine Persönlichkeit besitzt, hat auch nichts, das er hingeben könnte, oder? Mal abgesehen davon, dass es Tabulosigkeit gar nicht gibt. Irgendwelche Tabus hat jeder. Und sei es Kuschelsex.
Dann kommen Dutzende von Subs die uns vorheulen, dass alle Damen nur gewerblich sind und sowieso alle Frauen im Internet nur Fakes sind. Ja - was sollen wir denn da bitte machen? Soll uns das etwa so anrühren, dass wir den armen, frustrierten Sub aus Mitleid nehmen? Oder wird da Seelsorge von uns erwartet?
Schließlich kommen noch die ganz Dreisten, die uns vorknallen, dass wir sie ja auch nur verarschen und das alles sowieso nur eine Abzocke ist. Diese Schreiben beglücken so manche Femdom-Mailbox oft auch erst nach einer Ablehnung ...
Ich verstehe das nicht: Da begegnet ein Sub mal einer dominanten Frau, die offenbar auf der Suche und nicht kommerziell ist und dann benimmt er sich wie der letzte Mensch, statt sich mal von seiner vorteilhaftesten Seite zu präsentieren.
Was glaubt ihr, wie oft wir diese Lamentos schon gehört haben? Öfter jedenfalls als ernstzunehmende Bewerbungen! Warum nicht einfach davon ausgehen, dass die Dame ernst zu nehmen ist? Hinter dem Nick im Chat oder der Kontaktanzeige steckt ein Mensch. Ein Mensch, der ordentlich behandelt werden möchte. (Und falls es sich doch um einen Fake handelt, so hat man(n) zumindest üben können ... )
2. Eine Femdom ist eine Frau
Viele Subbies schleppen ihre Neigung nun Jahre mit sich herum. Frustrationen
gehen damit natürlich einher. Femdoms gibt es eben wenige. Aber statt die Damen
wie Damen zu behandeln passieren solche Dinge, wie in Punkt 1 beschrieben. Eine
Frau will nicht mit Leidensgeschichten gelangweilt werden. Schon gar nicht eine
dominante Frau. Eine Frau will amüsiert, interessiert, hofiert, unterhalten
werden. Warum ist das so schwer zu begreifen? Wir sind nicht eure
Seelsorgerinnen. Was nicht bedeutet, dass wir alle kalt und desinteressiert
wären. Selbstverständlich kann man(n) im ersten Anschreiben durchaus auch
einen Satz auf seine lange Suche verwenden. Der Unterschied liegt darin, ob dies
der Information dient, oder ob die Dame auf mehr oder weniger subtile Weise
moralisch "gezwungen" werden soll, sich doch endlich des armen Sklaven
anzunehmen und ihn zu "retten". Versteckte Appelle kommen nie gut an.
Wie gesagt, die meisten von uns sind eben keine Briefkasten-Tanten, die das ganze Leid der herrinnenlosen Subbiewelt auf sich nehmen können und wollen.
Private Femdoms sind dominant, weil es entweder in ihrer Natur liegt oder weil sie Spaß an diesem Spiel haben. Doch egal ob sie es als Teil ihres Wesens oder als Spiel betrachten - die Rollenverteilung beginnt immer beim Erstkontakt, also im Chat oder bei der Bewerbung. Das bedeutet: Der Sub hat sich darum zu bemühen, dass schon dieser Kontakt für die Dame angenehm verläuft. Wer in der Bewerbungsflut auffallen will, tut dies am Besten durch Höflichkeit, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung.
Von allen Subs, die sich bei mir beworben oder auch einfach nur mit mir in Kontakt gestanden haben bekam ich nur 2 Mal was Kreatives, Schönes, Unterhaltsames. Einmal sandte Ctyri, der Inhaber meines Lieblingschats, mir eine Mail mit einer wunderschönen virtuellen Rose. Ein anderes Mal handelte es sich um eine reizende elektronische Postkarte eines absoluten Neulings. Diese ersten Eindrücke sind mir immer sehr wichtig - umso besser für den Bewerber, wenn sie auch eindrücklich sind.
Oft weiß ich nach den ersten 10-20 Minuten, ob ich mit dem Sub etwas anfangen kann. Wer nicht in der Lage ist, mich angemessen anzusprechen gehört nicht dazu. Wenn eine Bewerbung etwa mit Rechtschreibfehlern gespickt ist muss ich wohl davon ausgehen, dass ich dem Sub noch nicht einmal die Rechtschreibprüfung wert bin. So etwas Dahingepfuschtes soll ich dann ernsthaft beantworten? Wer dann auch noch "Herrin" in der Anrede kleinschreibt, oder gar meinen Namen falsch schreibt, der hat ganz schlechte Karten ! Und das passiert öfter als sub glaubt ...
Auch im Chat ignorieren (pseudo)devote Männer oft die grundlegenden Gebote der Höflichkeit. Da werde ich mit "Hey", "w?" oder "woher?" angesprochen. Weiter geht es dann mit Fragen wie: "Bist du wirklich dominant?". Und das nicht nur von Pappnasen, sondern durchaus auch von Männern, die sich später als ganz nette und ernstzunehmende Subbies rausgestellt haben. Offenbar macht man(n) sich wirklich keine Gedanken? Das Netz ist eine Realität, die nicht ernst genommen wird und wo offenbar die Regeln des Anstands außer Kraft gesetzt wird. Jungs! Das muss doch nun wirklich nicht sein, oder? Besonders nicht, wenn ihr eine Herrin wollt. Oder beginnt ihr auch im realen Leben eine Bekanntschaft mit den Worten "Woher?" oder "Bist du naturdominant?".
Natürlich gibt es wohltuende Ausnahmen. In meinem Lieblingschat ist die "Femdom-Realität" zum Beispiel immer präsent. Hier kann frau in wirklich angenehmer Umgebung sehr schöne Gespräche führen und wird von Anfang an angemessen behandelt. Doch abgesehen von solch erfreulichen Ausnahmen habe ich immer wieder diese Erfahrung machen müssen:
!!! Von 10 Männern, die mich ansprechen, wissen 8 sich nicht zu benehmen !!!
Malesubs sind offenbar meistens egoistisch. Das ist die Schlussfolgerung, die ich leider daraus ziehen musste. Sie labern mich mit ihren Leiden voll, statt sich mit meiner Person zu befassen, statt sich darum zu bemühen mich zu erfreuen, statt herauszufinden, wer und wie ich eigentlich bin.
Da fühlt sich Frau ganz schnell zur Erfüllungsgehilfin lacklüsterner Latexträume degradiert. Oftmals geht es diesen Jungs nicht um meine Person, sondern darum, was ich für Praktiken "anbiete", wie ich aussehe, wo ich wohne. Ein Sub will üblicherweise wissen, wie alt ich bin, ob ich hübsch bin, ob ich wirklich dominant bin (welch intelligente Frage - soll er doch im Gespräch herausfinden, ob ich ihn überzeuge ...) und ob er mir dienen darf.
Ja bedeutet das denn, dass er sich jeder Frau unterwirft, sofern sie nur im passenden Alter, hübsch und dominant ist? Offenbar interessiert er sich nicht für mich. Offenbar wollen die meisten nicht wirklich dienen. Offenbar steckt hinter diesen Anreden kein Bedürfnis nach echter Devotion. Diese Subs - und ich sage mit Absicht nicht "Sklaven" - wollen meist nur ihre verdammte Geilheit befriedigt haben. Und das wiederum habe ich einfach satt.
3. Femdoms sind Individuen
Jede Femdom ist anders ! Da sagt mir jemand, er wüsste, was D/s (Dominanz und
Unterwerfung) ist, weil er die Homepage der Herrin Anna gelesen hat. Herrin Anna
ist aber nun einmal nicht Lady Natalia . Und Lady Natalia hat andere
Vorstellungen, Wünsche, Bedürfnisse als Herrin Anna und umgekehrt. Ein von
Anna ausgebildeter Sklave könnte durchaus meinen Erwartungen nicht entsprechen
und umgekehrt. Jede Dame ist anders !! Jede Dame hat andere Erwartungen,
Wünsche, Vorstellungen. Jede Frau hat ihr eigenes Verständnis von D/s und SM.
Wenn jemand wirklich dienen will, dann ist seine allererste Aufgabe, die Wünsche der angeschriebenen Dame aus den Zeilen herauszulesen, zu entscheiden, ob dies zu seinen eigenen Bedürfnissen passt und dann ggf. zu schreiben. (Philosophisch betrachtet ist es auch eine Form von Höflichkeit und Respekt, sich bei einer Dame, die ganz eindeutig nicht passt, eben nicht zu bewerben und ihr somit Arbeit und Ärger zu ersparen.)
Davon abgesehen: Es bringt absolut nichts, die Massenmail aus dem Speicher wild an alle möglichen Frauen zu versenden. Erstens erkennen wir diese Massenmails inzwischen auf 3m Entfernung und zweitens macht es keinen Sinn sich einer Dame, die ausdrücklich KV ausschließt, als Lebendtoilette anzubieten. Das zeigt nur, dass betreffender Sub nicht richtig lesen kann und offenbar alles anschreibt, was weiblich-dominant klingt.
Und mal ehrlich - wollt ihr denn einer Frau dienen, die etwas ganz anderes will als ihr selbst? Der Nachteil dieser Inflation ist, dass die ernstzunehmenden Mails/Briefe darin untergehen und ihr damit auch euren Mit-Subs das Leben erschwert. Außerdem gibt es Frauen (wie mich) die sich gar nicht auf dem Kontaktanzeigen-Markt anbieten, weil sie nicht von diesen Bewerbungen überflutet werden wollen.
Wenn ein Sub aber eine Dame gefunden hat, von der er sich wirklich vorstellen kann, dass es passt, dann sollte er die Dame umwerben. Devotion bedeutet dienen - nicht nur "gehauen werden". Das heißt, es ist die erste Aufgabe des Subs sich um ein Dame zu bemühen. Sklaven, die schon bei der Bewerbung massenweise oder unverzeihliche Rechtschreibfehler machen, sich langweilig darstellen, schleimen oder sich über ihre vergebliche Suche auslassen fallen bei BDSM-Ausschreibungen genauso raus wie Arbeitnehmer in der realen Welt da draußen mit fehlerhaften Bewerbungen.
Also Subs - gönnt uns doch einfach einmal die Erholung einer gut durchdachten, heiteren, höflichen und zuvorkommenden Bewerbung in dieser Flut aus ...
4. Femdoms haben ihre Erfahrungen
Neben den beschriebenen Fehlern gibt es noch den Ärger mit den Anfängern und
den schwarzen Schafen. "Nur weil ich Anfänger bin, will mich keine!"
klagen mir die Subbies ihr Leid. Stimmt schon. Ich will auch keine Anfänger
mehr - und das aus gutem Grund. Natürlich verstehe ich, wenn sie mir vorheulen:
"Und wie soll ich denn Erfahrung gewinnen, wenn mich keine nimmt?".
Das Dumme ist nur: Anfänger wissen noch nicht, was sie wollen. Bei einem Anfänger kann ich mir kein Bild machen, ob seine Art SM (oder gar D/s) zu leben mit meiner kompatibel ist. Sie schreiben mir: "Ich suche eine Frau, die mich in die Welt des SM einführt.". Ich kann es ja verstehen. Aber - ist das denn meine Aufgabe? Ich habe inzwischen Dutzende Newbies per Telefonerziehung oder in realen Sessions in diese Welt eingeführt. Gedankt haben es mir nur die Wenigsten. Ich denke, damit habe ich meine "Pflicht" an der Subbiewelt mehr als genügend erfüllt.
Einfach mal ein Beispiel aus der Praxis: Da pflege ich mit einem Sub eine monatelange Telefonerziehung und dann meldet er sich plötzlich nicht mehr, ist nicht mehr erreichbar, lässt sich verleugnen. Ist mir mehrfach passiert. Es ist ja verständlich, dass nach einer Hochphase (in der Euphorie und Geilheit überwiegen) die Angst vor der eigenen Neigung und eine Zeit des Nachdenkens, des Verarbeitens der Erlebnisse folgt. Aber statt einfach anzurufen und das zu erklären lassen sie die Dame im Regen stehen und melden sich einfach nicht mehr. Um noch einmal daran zu erinnern: Eine Femdom ist ein Mensch. Und so etwas kann eine Frau dann wirklich treffen. Auch eine Femdom. Ja - ich bekenne: Auch wir haben Gefühle. Auch wir machen uns Gedanken und Sorgen um den Sklaven, der sich plötzlich nicht mehr meldet. "Was ist da wohl passiert?" ist die Frage, die gerade weniger erfahrenen Doms dann durch den Kopf geht. Und schließlich: Die Vanilla-Weisheit, dass Nähe und Intimität bei Frauen meistens etwas mit Emotionen zu tun hat gilt auch hier! Und auch wenn im BDSM-Bereich ein Machtgefälle herrscht ist eine Session eben doch eine sehr persönliche Angelegenheit.
Bei allen Bemühungen wird vermutlich jede Dom irgendwann feststellen: Anfänger sind eben Anfänger. Sie wollen eingeführt werden, entdecken durch die Einführ-Domse, was sie wollen, bzw. nicht wollen und wandern dann wieder ab. Entweder zu einer anderen Dom, die härter, zärtlicher, sadistischer, strenger oder weniger anspruchsvoll ist oder sie "flüchten", weil sie Angst vor sich selbst, ihre Neigung und ihren Gefühlen bekommen haben. Manche stellen aber auch einfach fest, dass Träume eben nicht Realität sind und kehren in die heile Vanilla-Welt zurück. Meist ohne ein Wort des Dankes, denn schließlich ist die Dom ja stark und benötigt weder das, noch eine Erklärung.
Ist es so unverständlich, dass frau irgendwann keine Lust mehr hat? Ist es denn so absurd, dass auch wir unseren Spaß und unser Vergnügen bei der Sache haben wollen? Ist es denn so wenig nachvollziehbar, dass wir uns nach Höflichkeit, Etikette und einem ordentlichen, menschlichen Umgang sehnen? Jungs - überlegt euch doch einfach mal, dass die andere Seite auch Grund zum Klagen hat!
5. Fazit
Denkt einfach daran: Femdoms sind zuerst Menschen, dann Frauen, dann Individuen
und dann auch noch dominant. Wenn ihr eine "normale" Frau kennen lernen
wollt - würdet ihr dann so vorgehen? Femdoms sind Frauen. Dominante Frauen. Und
sie legen auf all das Wert, auf das andere Frauen auch Wert legen. Und
wahrscheinlich sogar noch mehr. Umwerbt sie! Macht euch interessant! Seid nett,
höflich, zuvorkommend! Benehmt euch so, dass die Dame euch schätzen lernt. (Es
sei denn natürlich aus Anzeige oder Chat geht hervor, dass sie einen ganz
anderen Umgang wünscht ... dann passt euch dem Wunsch an - sofern der für euch
auch interessant ist.) Nur so kann die Domina, Lady, Herrin, Zuchtmeisterin,
Mistress oder Dame sich etwas unter euch vorstellen und etwas mit euch anfangen.
Wer will schon einen Sub, der dauernd mault, sich beklagt, flammende Reden über
die Ungerechtigkeit der Welt hält und unterstellt, dass eh alle (inklusive der
Angesprochenen) nur Fakes seien?
Ich hoffe, ich konnte ein wenig zum "interkulturellen Verständnis" beitragen.
Wenn noch Fragen offen geblieben sind, mailt mich einfach an, ich tue dann mein Bestes, sie zu beantworten.
Ach ja - und wenn euch das, was ich gesagt habe einleuchtet, dann macht es bitte auch anderen Subbies klar. Die Femdom-Welt ist nämlich langsam dieser Missstände überdrüssig.
Eure
Lady Natalia
© by Lady Natalia
Copyright: Dieser Text ist eigenständige geistige Leistung Lady Natalia, deren Zustimmung ich mir vor Veröffentlichung ihres Textes eingeholt habe. Die Verbreitung des Textes oder von Auszügen davon in elektronischer Form (per Mail, Internet, auf Datenträgern sowie sinngemäß gleichen bzw. ähnlichen Medien) und die Veröffentlichung in schriftlicher bzw. gedruckter Form bedarf der ausdrücklichen schriftlichen Genehmigung der Autorin.
Der Unterschied (17. September 2002)
Ich hatte in den letzten Wochen immer wieder Gelegenheit, mit Männern - und auch mit Frauen - zu spielen. Manche Spiele waren geil, manche waren ganz nett, manche hätte ich besser ausgelassen. Aber irgendwie hatte ich die Gelegenheit, bekam die Angebote ... und ich hatte ja auch irgendwie Lust ...! Und doch war es insgesamt unbefriedigend.
So erinnerte ich mich irgend wann mal wieder daran, dass ich schon früher Spielangebote mit der Begründung "Ich spiele nur mit meinem Partner." ablehnte. Damals hatte ich die Vermutung, dass mir ein Spiel mehr geben würde, wenn ich dem Mann, mit dem ich spiele, auch wirklich ganz besonders nahe stehe - in ihn verliebt bin, ihn liebe ...
Damals war es nicht mehr als eine Vermutung: Ich hatte noch nie mit einem "Nicht-Partner" gespielt. Und es entsprach meinen eigenen, mir immer wieder schön brav vor Augen gehaltenen Moralvorstellungen.
Heute haben sich meine Moralvorstellungen gewandelt - meine Sichtweise ist nicht mehr zu 100 % auf Monogamie beschränkt, und ich empfinde es als völlig okay, wenn man mit jemandem einfach aus Lust an der Sache spielt. Auch ohne große Liebe.
Und dennoch - oder gerade deswegen? - sehe ich vieles wieder so wie vor über zwei Jahren: Ich habe mit Männern gespielt, für die ich extrem intensive Gefühle hatte, in die ich heiß verliebt war, die ich geliebt habe. Und ich habe mit Männern gespielt, die ich sehr gerne mag. Ich habe also mittlerweile tatsächlich den Vergleich - nicht nur eine Vermutung wie vor über zwei Jahren.
Und ich bin mir mittlerweile ganz sicher: Es macht einen Unterschied, ob ich den Mann, mit dem ich spiele, bloß mag oder ob ich ihn liebe bzw. in ihn verliebt bin! Wenn ich den Mann mag, dann kann das Spiel schön sein, vielleicht auch aufregend. Aber es bleibt immer eine gewisse Oberflächlichkeit.
Wenn ich in den Mann verliebt bin, ihn vielleicht sogar liebe, dann ist ein Spiel ungleich lustvoller, geiler, aufregender, geistig und körperlich befriedigender, beflügelnder! Ich kann mich ungleich besser und intensiver auf meinen Partner einlassen, besser auf ihn eingehen, viel besser in ihn hineinspüren und wissen, wie es ihm geht und was er will. Ich kann eins werden mit ihm und mich mit ihm gemeinsam fallen lassen ... fliegen! Ich könnte danach Bäume ausreißen und dabei singen und tanzen und jubilieren! Es ein unbeschreiblich schönes Gefühl!
Und ich weiß es (wieder): Diese innige Nähe, die ein Spiel so einzigartig macht, kann ich nur mit meinem Partner erleben.
Das ist für mich der Unterschied.
Und gerade diese Nähe, das gemeinsame Loslassen-können, ist es, was ich am Spielen so wunderschön finde. Alles andere ist lediglich lauwarm.
Switchen? (15. Dezember 2002)
Ich lernte einen Mann kennen, wir wussten nicht viel über einander, verstanden uns aber gut. Und irgendwie geschah es ... ich spürte seinen Griff in meinen Nacken ... und es gefiel mir.
Wir trafen einander wieder - und unsere Gespräche wandten sich auch ziemlich ausführlichen Schilderungen zu, was er alles mit mir machen würde ... er mit mir ... und es gefiel mir! Ja, der Gedanke erregte mich.
Zwischendurch bekam ich plötzlich eine richtig heftige Panikattacke, und mir schossen wild Gedanken durch den Kopf wie "Also doch nicht Dom?", "Hab ich das Sub-Sein doch vermisst?", "Will ich mich tatsächlich wieder jemandem hingeben?" und viele, viele Gedanken in dieser Richtung mehr.
Während ich genau das ansprach, was mir durch den Kopf ging, während ich ihm also all diese Gedanken erzählte, merkte ich, dass ich ruhig wurde (ja, ja: Reden und Panik haben geht nicht gleichzeitig.) - und ein einzelner Gedanke ersetzte die vorhergehende wilde Gedankenflut: "Keine Ahnung, was es ist - aber wenn es sich gut anfühlt, dann mach ich es - und dann ist es auch okay."
Wir waren dann später bei ihm, wir begannen ganz sanft und sehr DSig ... und ich horchte in mich hinein und wartete. Wartete auf Erregung, auf Lust. Und all das war auch da - aber beherrscht von dem Gedanken: "Hm. Es wäre jetzt viiiiiel geiler und aufregender, wenn ich ihn vor mir knien lassen und mit ihm machen könnte, wonach mir ist ...!"
Es war enttäuschend.
Denn ich hatte gedacht, dass (s)ich mein zwiespältiges Verhältnis zum Thema Switchen endlich lösen würde.
Noch vor ein paar Monaten ...
... hatte ich gedacht, dass ich wohl doch nach meiner Sub-Phase als Dom endlich dort gelandet bin, wo ich wirklich hingehöre. Ich finde darin so viel mehr Freude und Befriedigung (noch mehr nämlich als ich das als Sub empfunden hatte), dass mir das einfach mein Platz sein schien. Und ich fand mich in vielen Situationen, in denen ich dieses sichere Gefühl hinterfragte, auch tatsächlich bestätigt. Und beruhigt.
Schnell fand ich heraus, dass ich jedoch meine masochistischen Gelüste weiterhin befriedigt wissen möchte - und fand auch immer wieder Möglichkeiten dazu: Meinem Sub die Gerte oder eine Peitsche in die Hand zu drücken und ihm zu befehlen "Los, tu mir Gutes!" hatte seinen eigenen Reiz. Für beide. Dabei hörte ich immer wieder in mich hinein und stellte - anfangs mit Erstaunen, später mit Erleichterung - fest, dass ich diese Situationen einfach sehr aufregend und geil empfand, jedoch keinerlei Anwandlungen von der mir bekannten Hingabe in mir spürte.
Und bei all diesen Experimenten musste ich feststellen, dass ich einer jener seltsamen Menschen bin, die offensichtlich ein Problem mit dem Thema Switchen haben ...
Auffällig
Folgendes ist mir dazu in den letzten Jahren aufgefallen, und ich liste das jetzt mal einfach - zum Teil zusammenhanglos - auf:
Als ich vor ca. 4 Jahren in die Szene kam, wurde über Switcher praktisch nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Laut hörte man "Es gibt Tops/Doms und Bottoms/Subs - ach, ja, und dann gibt es natürlich auch noch die Switcher." (dann folgte meist eine mehr oder weniger kurze Nachdenkpause) "... und das ist ja auch völllllllllig okay, wenn man mal auf der einen, mal auf der anderen Seite spielt!" Und dann bekam man noch zugeflüstert, dass z.B. X ein Switch sei.
Was bei mir damals ankam: Es gibt Switcher - und sie sind ein zutiefst unverständliches Grüppchen. Denn sie wissen nicht, was sie wollen, können sich nicht entscheiden, sind eigentlich nicht Fisch und nicht Fleisch ...
Damals hatte ich tatsächlich den Eindruck, es gäbe in der Praxis so gut wie keine Switcher - mittlerweile hat sich wenigstens dieser Eindruck geändert: Ich kenne nun doch schon einige Leute, die sich zum Switchen "bekennen".
Was ich aber in meinem Umfeld (Freundes- und Bekanntenkreis und überhaupt der Szene) noch viel häufiger sehe, sind Tops/Doms, die - mit entweder rein masochistischen oder auch masochistischen und submissiven Gelüsten - selbst sehr gerne/lustvoll/mehr oder weniger häufig die Seite wechseln.
Das würden sie aber A) niemals öffentlich tun und das würden sie B) niemals öffentlich zugeben.
Und ich kenne es auch aus eigener Erfahrung, welche Reaktionen es bei anderen Tops/Doms hervorruft, wenn man es doch tut.
Ich erinnere mich noch mit sehr großem Unbehagen daran, wie uns eine junge Frau (selbst Dom) mal zusah, wie ich mich von einem befreundeten Dom ritzen lies: Sie fragte mit riesigem Erstaunen, ja geradezu Entsetzen: "Ja, aber Du bist doch Dom - wie kannst Du nur ...?!?!"
Was mich noch viel mehr erstaunt als die Intoleranz der anderen (sich selbst und auch den anderen gegenüber) ist aber das, was ich bei all dem fühle: Ich habe mit großer Unzufriedenheit bemerkt, dass ich zwar ganz der Meinung bin, dass Switchern schlicht und ergreifend die größere Bandbreite an Genüssen zur Verfügung steht und sie sich g'scheiterweise nicht mit einer Seite der Medaille zufrieden geben, sondern eben beide zu genießen wissen. Das ist auch das, was ich praktiziere: Wenn mir der Sinn danach steht und sich Gelegenheit dazu ergibt, werd ich den Teufel tun und es mir selbst verbieten, mich so richtig nett meinen masochistischen Gelüsten hinzugeben.
Nichts desto trotz (und nun komm ich endlich zu dem Teil, der mich so ärgert) habe ich festgestellt, dass die jahrelangen negativen Stimmen gegen die Switcher bei mir offenbar doch irgendwie auf fruchtbaren Boden gefallen sind: Ich lebe meine masochistische Seite zwar aus, würde mich selbst aber nie als Switcher bezeichnen - ich bin und bleibe eine MasoDom.
Fragen
Folgende drei Fragen beschäftigten mich in diesem Zusammenhang dann ganz besonders, und ich habe sie auch bei verschiedenen Gelegenheiten mit anderen SMlern diskutiert.
"Auch wenn es in den letzten Jahren deutlich besser geworden ist: Warum herrscht solches Unverständnis, ja geradezu eine negative Stimmung gegen Switcher?"
Darauf habe ich viele Antworten bekommen - bis auf "Ja, aber das stimmt ja gar nicht!" kam so ziemlich alles an Antworten, was man sich vorstellen kann. Aber eine Erklärung war nicht dabei ...
"Warum können so verdammt wenige Tops/Doms dazu stehen, dass sie - neben ihren sadistischen und/oder dominanten Gelüsten - auch masochistische und/oder submissive haben?"
Die Antwort "Weil andere sonst den Respekt vor ihnen verlieren." muss man vermutlich noch um den Teil "und weil sonst vielleicht sogar sie selbst den Respekt verlieren!" ergänzen - aber das alles zeigt eigentlich nur ein weiteres Problem auf, das dahinter steckt. Es erklärt jedoch nicht, warum so viele Menschen nicht zu sich selbst stehen können ...
Für Definitionsfetischisten wie mich: "Ab wann gilt man als Switch?"
Da bekam ich recht lustige Antworten wie z.B. während einer Diskussion auf einer Mailingliste: " *lach* gute Frage? Einmal ist keinmal? oder doch? ;-)"
So richtig schlüssig waren die Antworten während dieser Diskussionen also alle nicht.
Definition - gibt es sowas?
Bis auf eine: Von einer Freundin hab ich dann irgendwann mal eine gute Erklärung bekommen, die ich für mich zu folgender Antwort auf meine Frage nach dem "Ab wann bin ich ein Switch?" zusammengestoppelt habe:
Es geht um das Machtgefälle: Bleibt das ursprüngliche Machtgefälle aufrecht, ist es kein Switchen. Wird das Machtgefälle umgedreht und Sub wird zum Dom und umgekehrt, dann ist es Switchen.
Möglicherweise ist diese Erklärung aber auch nur für mich schlüssig, weil ich vorwiegend DSler bin ...
Jedenfalls ist es genau das, was ich verspüre:
Ich habe masochistische Gefühle, und ich genieße es, sie auszuleben. Das kann ich z.B. mit sehr lieben Freunden, dazu brauche ich keinen Partner. Aber dabei gibt es von meiner Seite kein "Ich ertrage das jetzt Dir zu liebe." Da gibt es natürlich ein "Danke, dass Du das mit mir machst!" und auch ein "Schön, dass es Dir Freude bereitet, genau das mit mir zu machen, was auch mir Spaß macht.". Submissive Gefühle hingegen hege ich dabei absolut keine. Dabei gibt es also kein Machtgefälle.
Und wenn ich meinem Partner Spielzeug in die Hand drücke, damit er mir Gutes tut, ist es überhaupt so, dass ich zum Teil direkt befehle, was er tun soll (zumindest am Anfang, solange er noch nicht so genau weiß, was ich mag). Da ist von submissiven Gefühlen bei mir absolut nichts zu verspüren (egal, wie sehr ich es anfangs manchmal versuchte) - da tut er mir etwas zu liebe ... Sprich: Das ursprüngliche Machtgefälle bleibt aufrecht.
Also bin ich kein Switch, stellte ich - nachdem ich endlich diese Erklärung gefunden hatte - erleichtert fest.
Und frag(t)e mich weiterhin ärgerlich, warum ich diese eigentlich völlig unverständliche Erleichterung bei der Antwort "Nein, ich bin doch kein Switch" verspüre ...
Lösung in Sicht?
Mit diesem eingangs erwähnten Mann hatte ich zum ersten Mal Gedanken wie "Ja, warum eigentlich nicht abwechselnd?" oder "Ja, ich würde es gerne mal probieren, ohne dass ich dabei das Sagen habe ..."
War das nur die Experimentierfreude in mir?
War es ein Schritt in eine neue Richtung?Keine Ahnung. Was auch immer es war: Ich habe das Gefühl, durch dieses Erlebnis doch ein bisserl offener geworden zu sein. Zumindest ein klein bisserl.
Ob ich mich allerdings jemals selbst als Switch bezeichnen werde, steht in den Sternen ... Ich würd's mir jedenfalls wünschen, frei von jeglichen dummen Vorbehalten zu sein.
Ein Leben ohne SM? (28. Dezember 2002)
Die Frage hab ich mir schon oft gestellt: Wäre es mir möglich, wieder ein Leben komplett ohne SM zu führen?
Wie ich auf diese Frage komme? Naja, SM ist ja wirklich nicht das Wichtigste im Leben. Es gibt durchaus Werte in einer Partnerschaft, die mir ausgesprochen wichtig, vielleicht sogar wichtiger sind als SM. Vielleicht ...
Der letzte Auslöser, um über diese Frage nachzudenken, war, dass ich wieder einmal Kontakt zu meiner ersten großen Liebe habe. Auch wenn es kein Thema ist, eine Beziehung zu ihm einzugehen, so zeigt mir gerade dieser Kontakt - rein theoretisch - mein Dilemma recht schön auf:
Wenn ich einen tollen Mann (wieder) treffe, mich in ihn verliebe, er sich in mich verliebt - also rundherum so ziemlich alles passt - er aber mit dem Thema SM absolut nichts am Hut hat: Was mache ich dann?
Wenn all die wichtigen Dinge passen wie mit einander lachen & weinen können, einander riechen & schmecken können, einander vertrauen & respektieren; wenn wir gleiche bzw. ähnliche oder zumindest passende Ansichten haben bzgl. (Zusammen)Leben, Partnerschaft, Familie, Urlaub, Arbeit, Geld, Toleranz, zu einander stehen, Gleichberechtigung, Haushalt etc. - wenn es eben rundherum so ziemlich passt: Darf/kann dann tatsächlich SM der Grund dafür sein, dass eine solche Beziehung scheitert ...?!
Meine spontane Antwort darauf lautet natürlich: Nein! Wenn es so viele passende Bereiche gibt, dann darf es doch nicht an einem - zugegebenermaßen wichtigen - Punkt scheitern!
Gegenprobe:
Kann ich mir vorstellen, meinem Geliebten nie wieder etwas zu befehlen, einfach weil es geil ist, ihm etwas zu befehlen und seine Reaktion darauf zu genießen?
Kann ich mir vorstellen, meinen Partner nie wieder fast bis zur Unendlichkeit mit kleinen Fieslichkeiten zu reizen und es zu genießen, dass er ihnen und mir einfach nicht entkommen kann (weil er es gar nicht will!!)?
Kann ich mir vorstellen, mich nie wieder an der Qual und Pein meines Partners (und dabei gleichzeitig seiner Lust!) zu erfreuen?
Kann ich mir vorstellen, nie wieder das Glitzern in den Augen meines Partners zu sehen, wenn ich ihm in freudiger Erwartung auf seine Reaktion die Klammern abnehme?
Kann ich mir vorstellen, nie wieder diese unglaubliche und so wundervolle Hingabe meines Geliebten in seinen Augen zu lesen, sie zu spüren und zu sehen ...?
Kann ich mir vorstellen, nie wieder den schönsten Satz, den man sich vorstellen kann - "Mach mit mir, was Du willst" -, zu hören und dabei liebevoll in leuchtende Augen zu sehen?
Meine spontane Antwort darauf lautet unweigerlich: Nein! Kann ich nicht! Will ich nicht!
Ja, ich kann mir vorstellen, es eine Zeit lang nicht zu tun. Aber ... nie wieder ...?!?!
Ich brauche es nicht wie Essen und atmen zum Leben. Ich kann auch ohne Sex leben, also warum sollte ich nicht ohne SM leben können?
Aber könnte so eine Beziehung auf Dauer für mich glücklich sein?
Ich weiß es nicht. Ich spüre die Antwort darauf tief in mir, aber ich will eigentlich gar nicht in die Situation kommen, diese Frage irgendwann einmal wirklich in der Praxis beantworten zu müssen ...
Langsam, ganz langsam ...
Gerade habe ich mit einer Freundin ausführlich über dieses Thema gesprochen - und das Ergebnis:
Warum fühle ich mich überhaupt vor die Wahl gestellt? Wer sagt denn, dass es nicht möglich ist, langsam aber sicher einen gemeinsam gangbaren Weg zu finden?
Wenn es zwischen einem Mann und mir mal so weit wie oben beschrieben passt, dann sollte er doch zumindest so weit aufgeschlossen und entgegenkommend sein, dass er es mir zu liebe mal wenigstens probiert!
Es geht mir ja nicht darum, einen Mann 24 Stunden am Tag in Ketten gefesselt von der Recke baumeln zu lassen und ihn zusätzlich zu quälen! Es sind gaanz andere Dinge, die mich im Grunde reizen und die ich so wunderschön finde - langsam, ganz langsam anfangen und gemeinsam schauen, ob nicht doch was dabei ist, das auch ihm Freude bereitet ... und mir fallen viiiele schöne Dinge ein, die durchaus gefallen könnten ...!
Wenn er sich hingegen nicht so weit einlassen kann, fallen lassen kann ... na, dann passt es ja sowieso nicht ...
Aber egal: Das Jetzt und Hier genießen - nicht grübeln und zerdenken.
Was ich mache, wenn ich mal in so eine Situation kommen sollte, werde ich dann spontan und aus dem Bauch heraus entscheiden.
Sklaventräume - bis zum bitteren Ende?! (28. August 2004)
Gestern führte ich eine angeregte Unterhaltung mit einem Mann, der eine Frage in den Raum stellte, die ich hier nun aufwerfen und aus meiner Sich beleuchten will. Nicht, weil ich eine Antwort drauf habe, die in meinen Augen umfassend wäre, sondern weil mich das Thema selbst schon seit langem beschäftigt und ich hoffe, im Zuge meiner Schreiberei den einen oder anderen neuen Aspekt zu entdecken.
Parallel werde ich die Frage auch auf verschiedenen Mailinglisten aufwerfen. Über das Echo darauf werde ich hier später ebenfalls berichten.
Der Punkt, um den es also geht:
Ich hab mittlerweile von so vielen Männern gehört, die zum Teil jahrelange Sklave-Herrin-Beziehungen hatten, die ihnen natürlich einige schöne, aber leider auch verhältnismäßig (sehr) viele (sehr) unschöne Erlebnisse bescherten.
Ein paar Beispiele zum bessern Verständnis, was ich unter "unschön" (was eine heftige Untertreibung ist) verstehe:
Safeword mehrfach missachtet
Vertrauensbruch begangen: klar gegen zuvor getroffene Vereinbarungen gehandelt oder Dinge getan oder tun lassen, von denen nicht mal ansatzweise klar sein konnte, ob sie für Sub okay sind oder nicht
Nicht nur nach Abstürzen des Sub nicht um ihn gekümmert, sondern prinzipiell nach Sessions gar nicht mal gefragt, wie es ihm geht, ihn also prinzipiell mit seinen Gefühlen alleine gelassen
An Begebenheiten wie diesen erschüttern mich zwei Dinge - und es stellen sich mir zwei Fragen:
1. Wie kann ein(e) Dom sich bloß so verhalten?! Das ist in meinen Augen verantwortungslos und zeugt von grober Missachtung dem Sub gegenüber.
2. Wie kann sich ein(e) Sub so etwas bloß gefallen lassen?! Mehr als ein Mal, meine ich. Auch das ist in meinen Augen verantwortungslos und zeugt von grober Missachtung - sich selbst gegenüber.
Leider habe ich von vielen unterschiedlichen (männlichen) Subs solche und noch viel erschütterndere Begebenheiten erzählt bekommen. Daraus (und leider auch aus einigen Beispielen, die ich persönlich miterleben "durfte") hat sich in mir eine Sicht über (weibliche) Doms gebildet, die mir persönlich nicht besonders gefällt:
Es gibt demnach leider viele (Gott sei Dank nicht alle, aber doch so viele, dass ich meine: zu viele) weibliche Doms, die mit ihren Subs nicht deshalb herablassend, kalt, gering schätzend, distanziert und zum Teil in meinen Augen einfach nur widerlich umgehen, weil das sowohl ihrem als auch dem Kick des Subs entspricht. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass diese Handlungsweise oft wirklich auf Mangel an Respekt vor dem Mann/dem Menschen und auf echte Geringschätzung (allen Männern gegenüber??) basiert.
Stellt sich mir weiter die Frage: Warum machen diese Frauen das? Um einen Mangel ihrerseits zu kompensieren? Um Frust, Ärger, Zorn oder was auch immer loszuwerden?
Irgendwie mag ich das nicht glauben - vermutlich aus einer Art Solidarität heraus und aus der Sorge, mit solchen Frauen in einen Topf geworfen zu werden.
Jedenfalls deckt sich das einfach nicht mit meiner Sichtweise von SM: SM soll in meinen Augen etwas Konstruktives, Schönes, Warmes, Nahes, Aufbauendes sein. Und nicht destruktiv, innerlich tief verletzend, zerstörerisch wirken. Beide Beteiligten sollen sich nachher nicht schlechter, kleiner, trauriger, einsamer sondern im Gegenteil besser, größer, glücklicher, leichter, fröhlicher fühlen!
Doch dazu gehören zwei (konstruktive) (Spiel-)Partner: ein/e verantwortungsbewusste/r Dom und ein/e verantwortungsbewusste/r Sub. Beide müssen sich klar sein, dass sie bei solchen Begegnungen gewisse Pflichten haben. Auch, wenn beide ganz andere Arten von Verantwortung zu tragen haben, so haben doch beide Teile Verantwortung, der sie sich - nicht zuletzt im eigenen Interesse - nicht entziehen dürfen: Dom hat meiner Meinung nach Verantwortung vor, während und nach einer Session und Sub hat meiner Meinung nach ebenfalls vor, während und nach einer Session Verantwortung. Dabei gibt es in meinen Augen ganz schön viele Dinge, die in der Verantwortung beider liegen - beide haben Pflichten und somit die Verantwortung für gewisse Dinge:
So wie Sub in erster Linie mal vor einer Session die Pflicht hat, sich Dom gut auszusuchen, gilt das natürlich umgekehrt auch für Dom. Und wenn das aus welchen Gründen auch immer nicht ganz geklappt hat (sowohl Subs als auch Doms sind nun mal keine Hellseher), dann haben sie beide die Pflicht, weitere Probleme zu unterbinden.
Dom hat vor der Session die Pflicht, Grenzen und NoNos in Erfahrung zu bringen; während der Session hat Dom die Pflicht, jederzeit so gut auf Sub aufzupassen, dass Sub nichts passiert; und nach der Session hat Dom die Pflicht zu checken, ob eh alles okay ist mit Sub.
Sub wiederum hat die Pflicht, Dom vor und nach einer Session beim Abchecken der Grenzen und NoNos und des eigenen Befindens behilflich zu sein. Und welche Pflichten Sub während der Session hat, muss zwischen den Beteiligten vorher geklärt werden.
Das alles ist natürlich nichts allgemein Gültiges, sondern meine persönliche Meinung. Es gibt keinen richtigen oder falschen SM - ebenso wenig gibt es gute oder schlechte Doms oder Subs.
Aber es gibt in meinen Augen menschliche, verantwortungsbewusste, konstruktive Doms und leider auch - wenn auch hoffentlich nur in Ausnahmefällen - gering schätzende, verantwortungslose, destruktive Doms.
Und ich verstehe einfach nicht, wie sich Subs solchen Doms wiederholt anvertrauen können.
Ist es Verzweiflung? Mangelndes Selbstwertgefühl? Selbstzerstörungstrieb?
Ehrlich gesagt, kann ich das nicht glauben.
Was auch immer dahinter steckt: Ich will da jetzt kein Forum für männliche Subs eröffnen, die von ihrer Herrin schlecht behandelt wurden. Ich will auch keine Sklavengewerkschaft einrichten.
Ich will vielmehr zum Nachdenken anregen und hoffe, dass sich mehr Subs Gedanken darüber machen, was es heißt, den gesunden Menschenverstand nicht auszuschalten.
Ganz klar gesagt: In meinen Augen gehört es definitiv nicht zu den Pflichten eines Sklaven, sich ständig so schlecht behandeln zu lassen, dass er sich nach einer Session schlechter als vorher fühlt. Ein Sub ist nicht dann ein guter Sklave, wenn er sich ständig menschlich schlecht behandeln lässt. Auch ein Sklave hat Rechte - zumindest das Recht, auch als Mensch gesehen und unterm Strich gut behandelt zu werden.
Mit einem kleinen Augenzwinkern gesprochen: Ein Sklave hat zumindest das Recht, dass seine Herrin - so wie auf jedes andere Spielzeug ja auch - auf ihn aufpasst und dafür Sorge trägt, dass er nicht kaputt geht.
Weniger schönfärberisch gesprochen: Seid's doch nicht so blöd, euch auf Dauer bzw. wiederholt unmenschlich und schlecht behandeln zu lassen: Auch Sklaven sind Menschen und haben ein Recht darauf, so behandelt zu werden, dass sie weder psychisch noch körperlich zugrunde gehen!
Und es ist auch die Pflicht eines Sklaven, dafür zu sorgen! Es liegt nun mal in jedes Menschen eigener Verantwortung, sich nicht kaputt machen zu lassen.
Wunschzettel vs. Realität? (31. August 2004)
Die Antworten, die ich auf meine Nachfrage hin bekam, waren zahlreich. Nur wenige schrieben, dass sie ausschließlich positive Erfahrungen gemacht haben. Einige andere gaben Statements ab, die ich zum Teil hier zusammenfassen und zum Teil auch direkt zitieren möchte.
Ein Sklave (der bisher ausnahmslos neutrale bis positive Erfahrungen gemacht hatte) schrieb u.a.:
Ich finde, es sollte allen Beteiligten klar sein, dass es sich hier um ein
Spiel handelt, das den Spielpartnern Spaß, manchmal vielleicht sogar tiefe
Erfahrungen bringen kann und soll. Und dazu gehören "g'standene" Manns- und
Weibsbilder, die wissen, was sie wollen und auch bereit sind herauszufinden,
was der/die andere will. Wenn das im Vorfeld geklärt werden kann, läuft die
Sache wahrscheinlich o.k.Ein anderer Mann, der selbst keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht hatte, meinte, dass sich das von mir geschilderte dennoch mit seinem Gefühl decke. Er schrieb weiter:
Natürlich wird es Frauen geben, die aus Männerhass so agieren. So wie
es Männer gibt, die aus Frauenhass oder ähnlichem ungut agieren. Doch
solche Männer haben es sehr schwer auf lange Sicht sich in der Szene
zu halten. Die Aufklärungsarbeit von Helene und anderer sei Dank!!!!
Frauen können jedoch ungestört weiter machen. Dafür gibt es wohl
mehrere Gründe, wie "die Marktverhältnisse" (seeehr viele männl. Subs
seeehr wenige weibl. Dommes), sodass Mann (leider) nimmt was er kriegt. Und
zuwenig (Selbst)bewusstseinsbildung, Informationsaustausch unter männl.
Subs. Und natürlich agieren manche ungeschickt, wollen nur den schnellen
Sex, sind "Schwanzfotoverschicker".
Aber noch wichtiger erscheint mir die Vermutung, dass "Frau" zwar Spaß
an der Sache hat, jedoch insgeheim diese "schwachen" Männer gering schätzt.
Und auch sehr oft für die eigentliche "Liebesbeziehung" einen "starken"
Mann sucht, bzw. hat. Außerdem hege ich die leicht frauenfeindliche
Vermutung, dass viele Dommes mit "Macht" noch schlechter umgehen als
Männer. Doch wie es im Film Spiderman heißt, "with great power comes
great responsibility"
Unser Kultur ist eine patriarchalische. Diese Verhältnisse haben sich
erst in den letzten Jahrzehnten verändert. Das Bild des führenden
Mannes und der folgenden Frau, die primär für ihre Familie da ist,
gibt es noch immer. Eine D\S Beziehung mit männl. Sub ist ein
"auf den Kopf stellen" Jahrtausendealter Traditionen. Und beide
Seiten, Mann und Frau tun sich damit scheinbar noch sehr schwer.Auch wenn sich diese obige Meldung nicht 100 %-ig mit meiner Meinung deckt, so brachte er damit doch einige interessante Aspekte ins Spiel.
Speziell an seiner Vermutung, dass weibliche Doms für eine Liebesbeziehung dann doch einen "starken Mann" sucht, ist meiner Meinung bzw. Erfahrung durchaus etwas dran: Zumindest bei den weiblichen Doms, die ich ein bisserl besser kenne, ist es eindeutig so, dass sie als Partner sehr wohl einen "richtigen Mann" wollen oder haben. Und keinen kriechenden, willenlosen Wurm.
Ich bin aber immer noch der Meinung, dass es kein Widerspruch an sich sein muss, ein hingebungsvoller Sub auf der einen und ein "richtiger Mann" auf der anderen Seite zu sein. Siehe auch das Kapitel Unterwürfig? Hingebungsvoll!.
Eine liebe Freundin von mir wiederum brachte einen Aspekt ein, der mich wieder ein bisschen aufrüttelte. Sie schrieb:
Ich denke, dass das, was du ansprichst, die gleichen Probleme wie bei einer
Vanillabeziehung sind. Wie oft hörst du, sie oder er fällt immer auf den
gleichen Typ rein? Rücksichtslos, egoistisch und was weiß ich.
Es sind einfach nicht alle Menschen darauf bedacht, dass es dem Anderen
auch gut geht. Es versuchen nicht mal die meisten Menschen, dass es beiden
in einer Beziehung gut geht. Es gibt einfach Menschen, denen die Anderen
egal sind. Die nur auf sich schauen. Keine Kompromisse eingehen, nur sie
sind wichtig. Die den Anderen einfach benutzen, als Spielzeug sehen. Solche
Menschen hat es immer gegeben und wird es immer geben. Der Wunsch, alle
sollen lieb und nett zueinander sein, und alle sollen aufeinander achten,
wird so nicht in Erfüllung gehen.
Menschen sind auch rücksichtslos, egoistisch, und wie man die negativen
Seiten auch immer bezeichnen mag, warum soll das NUR bei den Vanillas so
sein? Nein, ich denk das gibt es einfach auch bei den SMlern.
Die Vorstellung, die ich von SM habe, muss sich nicht mit der Vorstellung
von Anderen decken. Für mich ist SM eine enge Bindung, Vertrauen,
Zärtlichkeit, Rücksichtsnahme und noch vieles mehr. Diese Vorstellung hatte
ich auch immer in einer Vanillabeziehung, nur dass es jetzt noch intensiver
ist. Weil sich dein Sub dir wirklich voll und ganz hingeben soll. Und da
ist mMn einfach noch mehr Vertrauen dahinter.
> Und ich verstehe einfach nicht, wie sich Subs solchen Doms wiederholt
> anvertrauen können.
Wieso schaffen es so viele Menschen nicht sich aus einer endlosen Quälerei
einer Vanillabeziehung zu befreien? Routine, Angst vorm Alleinsein, Angst
dann niemand mehr zum Spielen zu haben? Angst vor Neuerungen? Ich denk
jeder war schon mal in solch einer Situation.
Vielleicht wissen diese Subs einfach nicht, wie es anders sein kann. Und
nehmen es als Normal hin?
Tja, da sieht man es mal wieder: Ich fürchte, ich werde die Mechanismen, die hinter Missbrauch stecken, niemals verstehen. Aber ich glaube, meine Freundin hat durchaus recht mit dem, was sie da geschrieben hat: Warum sollten SMler unter dem Strich irgendwie besser (toleranter, respektvoller, verantwortungsbewusster etc.) sein als Vanillas?! Sind genau so Menschen wie alle anderen auch!
Besonders berührt hat mich dabei der letzte Satz, dass diese Subs vielleicht einfach nicht wissen, wie es anders sein kann, und es daher so als normal hinnehmen. Wenig erfreulich ist in diesem Zusammenhang allerdings die Erfahrung, dass vielen von diesen Subs aber genau die Dinge, die doch tiefe (seelische) Wunden hinterlassen haben, dann irgendwann beginnen zu fehlen, wenn sie es dann doch mal auch anders erleben. Ich hoffe nur, dass das, was ich bei einigen bereits miterlebt habe, eher die Ausnahme ist.
Weiters wurde auch die Vermutung angesprochen, dass in der SM- Szene zu sehr die sexuelle Funktionalität im Vordergrund steht und weniger das Zwischenmenschliche. Es geht also oft in erster Linie um die Funktionalität "Sklave" oder "Dom" und erst in zweiter Linie um den Menschen dahinter. Ich fürchte, auch da ist etwas Wahres dran ist.
Michael, mit dem mich nach einer wunderschönen Beziehung (siehe unter Die eine Seite die Kapitel Silvester 1999/2000 und folgende) nun eine wunderschöne Freundschaft verbindet, schrieb dazu eine Menge Interessantes (die Kommentare dazwischen stammen von mir):
Ich sehe mehrere Ursachen, die zu diesen Symptomen führen, aber zuerst
einmal mein Dementi dazu:
Von den glücklichen Domme-sub Beziehungen hörst du wenig bis gar
nichts, vermutlich sind sich die meisten Menschen, die eine D/s
Beziehung führen, dessen gar nicht explizit bewusst.
Aber nun zum Kern:
Die Zahl der frei laufenden suchenden männlichen Subs verglichen mit
jener der verfügbaren weiblichen Doms ist Legion. Das kann besonders
bei jungen Dommsen zu einem Machtrausch führen, der ihre
Persönlichkeit in einer unguten Weise formt.
Umgekehrt ist aber genau diese Macht offenbar besonders dann für
männliche Subs attraktiv, wenn sie die Grenze zum Machtmissbrauch
übersteigt, wenn Frau ihre Herrschaft über Wohl und Wehe ohne
Rücksicht auf Verluste auf Subs Seite auslebt.Kommentar: Zumindest in der Phantasie von vielen, vielen Subs spielt das tatsächlich eine wesentliche Rolle - sie wollen willenloses Lustobjekt sein, das ohne Rücksicht benützt wird.
Überdies wird genau dieser Mangel an Rücksicht in einschlägiger
Literatur und auch auf vielen Internetseiten glorifiziert. Dazu kommt
verstärkend die Kombination mit Punkt eins: Je jünger, attraktiver ein
Domme ist und je grausamer sie agiert, desto intensiver ihre
Machtfülle, desto größer der Zulauf, desto kleiner ist der einzelne Sub
ihr gegenüber.Kommentar: Ja, auch das hat sich in der Praxis schon oft gezeigt: Je grausamer eine weibliche Dom, desto bester passt es zu den Sklaventräumen.
Analog gilt auch, dass das durch Literatur verbreitete Klischee
(welches von TheorieSubbies eifrig gedroschen und verstärkt wird)
eines Subs (ich fürchte in diesem Fall ist das nicht einmal
geschlechtsspezifisch) Ideale wie das gänzliche Abgeben von
Verantwortung, das Brechen des Willens und andere nette Dinge enthält,
die an reale Sklaverei erinnern.
Dass das in der gelebten Praxis schlussendlich für die meisten der real
existierenden subbies nicht das Gelbe vom Ei ist, liegt auf der Hand.Kommentar: Oh ja! Wie oft haben wir schon erlebt, dass die Realität mit unseren Phantasien leider nicht mithalten kann. Welcher Sklave träumt nicht mal von 1.000 Hieben mit dem Rohrstock als Bestrafung oder Ähnlichem? Nun, das mag in der Phantasie geil sein - real tut es ab einem gewissen Punkt einfach nur noch scheiß-weh.
Ein weiterer Aspekt ist, dass das Verhältnis Domme - sub geschichtlich
gesehen kommerziell belegt ist. Mit dem Verhältnis ProDomme - zahlsub
verwechselt wird. Böse auf den Punkt gebracht: Hure und erniedrigte
Wunschzettelerfüllerin - Kunde, der nach Wunscherfüllung wieder auf
sie herabschauen kann.
In der Praxis sieht's meist so aus: da ist eine ProDomme Therapeutin,
bei der der Kunde seine Sorgen, Probleme, Neurosen,
Persönlichkeitsstörungen auslebt und ablädt. Sie hat keine spezifische
Ausbildung, und in der Regel keine Supervision, die ihr hülfe, damit
fertig zu werden.
Beide Kontexte sind keine guten Voraussetzungen für einen erwachsenen
Umgang miteinander, aber eben das wird auch in nicht kommerzielle SM
Beziehungen hineingetragen, zumal viele der männlichen Subs ihre
"Karriere" in der professionellen Szene beginnen - wie sie meinen
mangels anderer Alternativen (Inserate in Kontaktmagazinen haben sie
ja schon probiert...)
Mich würde interessieren, wie viele der Menschen, die sich bei Dir
ausgeweint haben, diesen Pfad gegangen sind:
- einschlägige Literatur, Prägung der Vorstellungen
- formulieren der eigenen Wünsche aufgrund dieser Vorstellungen
- fortgesetztes posten des Wunschzettels in Kontaktmagazinen und auf
Internetseiten
- Kontakt mit Professionellen, die ihrerseits versuchen, den Klischees
zu entsprechen, die sie auf hunderten Wunschzetteln vorfinden (und
schließlich so werden, weil es auch emotional einfacher ist)
- Kontakt mit nicht professionellen, die aus dem Heer der freien subs
jene wählen wo sie ihren Machtrausch am leichtesten bekommen (weil
diese sich das in ihrer Notgeilheit gefallen lassen und/oder weil
diese genau jene herablassende, erniedrigende Behandlung als besonders
geil empfinden, vielleicht ohne es sich eingestehen zu können)Kommentar: Etwas mehr als die Hälfte, schätze ich. Die anderen haben aber wohl einfach nur den Schritt mit den Professionellen ausgelassen, um dann gleich bei nicht professionellen Doms allen gängigen Klischees
möglichst perfekt zu entsprechen.Und nein, ich habe keine Patentlösung.
Vielleicht für jene misshandelten Männer, sich ein wenig professionelle
Hilfe angedeihen zu lassen, um die Muster loszuwerden, die sie den
missbrauchenden Frauen in die Hände spielen. (Und vielleicht möglich
machen, mit nicht perfekten, aber dafür authentischen Frauen so etwas
wie Beziehung zu beginnen.)
Alles in allem hat mich Michaels Text sehr nachdenklich gestimmt - und ich fürchte, dass da mancher wahrer Ansatz dahinter steckt.
Eines jedenfalls beruhigt mich: Michaels letzter Absatz zeigt mir wieder einmal, dass der Weg, den wir gehen (obwohl mich das Thema als Privatperson interessiert, meine ich damit Schlagartig! und viele andere in der Szene Aktive wie zum Beispiel eben Helene, die alle viel Arbeit in Information & Aufklärung stecken), eh ein guter ist:
Meine persönliche Intention dabei ist es - sowohl im persönlichen Gespräch, als auch über meine Website und in den (DS-)Workshops, die ich halte - ein relativ bodenständiges und realistischen Bild von SM und DS als praktikabel aufzuzeigen. Ich versuche den Beteiligten klar zu machen, dass es massive Unterschiede zwischen Phantasie und Realität gibt. Bemühe mich aufzuzeigen, dass Klischees schön und geil sein können, nicht jedoch alle Klischees geil sein müssen. Und bei all dem strebe ich danach, möglichst wenig missionierend zu sein, sondern einfach die verschiedenen Möglichkeiten samt Vor- & Nachteilen aufzeigen. Ich will die Menschen zum Nachdenken anregen.
Seine Wahl muss dann wohl jeder selbst treffen.
Vorsicht ist besser als Nachsicht (19. Februar 2007)
Ein - wie sich im weiteren Mailverkehr herausstellt - wirklich sehr netter Mann schreibt mich per Mail an, und gleich sein erster Satz beginnt mit: "Mein Name ist Bernd Stochlehner *) ..." Der Rest des Mails ist wirklich sehr nett, und so wechseln wir weitere Mails. Der Beginn einer an sich ganz normalen Sache - allerdings:
Nach seinem dritten Mail wusste ich nicht nur, wie er heißt, sondern auch, wo er wohnt: Den Bezirk erwähnte er im Text, ein hübsches Foto von seinem Häuschen, auf dem auch das Schild mit Straße und Hausnummer zu sehen war, tat das Übrige. Und nachdem er mir zwischendurch auch Mails von seiner Firmen-E-Mail-Adresse aus schickte, wusste ich somit auch, wo er arbeitet.
Warum ich das überhaupt erwähne? Alle unsere Freunde wissen doch, wie wir heißen, wo wir wohnen und wo wir arbeiten - also was ist da schon groß dran?!
Der große - und möglicherweise fatale - Unterschied ist der: Lerne ich jemand übers Internet kennen, habe ich absolut keine Ahnung, wer dahinter steckt und wie vertrauenswürdig diese Person wirklich ist. Und mit persönlichen Daten so offen umzugehen, ist wirklich leichtfertig!
Kindern rät man beim Umgang mit dem Internet zu besonderer Vorsicht. Man findet Tipps für Kinder wie:
Es kann gefährlich sein, jemandem aus dem Internet persönlich zu treffen – es sei denn, Deine Eltern oder Deine Aufsichtspersonen begleiten Dich. Diese Treffen sollten nur an öffentlichen Orten stattfinden.
Sei Dir darüber im klaren, dass Leute online alles mögliche vortäuschen können – keiner kann sie sehen.
Gib ihnen also niemals Deine E-Mail Adresse, Deine Adresse, den Namen Deiner Schule, ein Photo von Dir oder ein Passwort. Es könnten gefährliche Menschen sein!
Ja, klar - da geht es speziell darum, dass Kinder viel leichter Opfer von Gewaltverbrechen oder Missbrauch werden können als Erwachsene.
Aber bedeutet das tatsächlich, dass Erwachsene solche Tipps schulterzuckend abtun können? Bedeutet die Tatsache, dass wir Erwachsene sind, tatsächlich, dass uns niemand etwas tun kann?
Nun, ich würde sagen, diese Denkweise wäre höchst naiv. Und gefährlich.
Ich bin sicher niemand, der zu übertriebener Vorsicht oder gar zu Panikmache neigt. Aber ich bin jemand, der auch nicht die Augen verschließt vor möglichen Gefahren. Und Fakt ist nun mal, dass es nicht nur ehrenwerte und verantwortungsvolle Menschen gibt. Und das Internet, in dem sich viele Menschen hinter der (vermeintlichen) Anonymität verstecken, erleichtert es nun mal ungemein, anderen Leuten gegenüber etwas vorzugeben, was man gar nicht.
Ja, das ist unehrenhaft. Vielleicht sogar verwerflich oder welche anderen Werturteile auch immer wir darüber noch treffen wollen. Aber das ändert nichts daran, dass es Menschen gibt, die im Schutze des Internets Dinge tun, die auch für Erwachsene höchst unangenehme und bisweilen dramatische Folgen haben können.
Wir sollten - bei aller Aufgeschlossenheit - auf unsere Sicherheit bedacht sein. Und z.B. nicht leichtfertig mit Informationen über uns umgehen.
Ach so, das ist alles richtig, was ich schreibe, gilt aber natürlich nicht für gute Sklaven? Weil nur jemand, der einer potenziellen Herrin gegenüber absolut gehorsam und natürlich auch absolut offen ist, ein guter Sklave sein kann?
Meine Herren, nicht böse sein, aber das ist der größte Quatsch, den man sich vorstellen kann!
Auch ein Sklave hat gefälligst seinen Hausverstand einzuschalten. Und es zeugt nicht von Gehorsam und besonderen Qualitäten als Sklave, mit allen persönlichen Infos rauszurücken, sobald man einer potenziellen Herrin angesichtig wird, sondern von besonderem Leichtsinn!
*) Name geändert
Ein Leben ohne Liebe? (22. April 2007)
Im Dezember 2002 habe ich meine Gedanke rund um das Thema Ein Leben ohne SM niedergeschrieben. Und ohne den Text jetzt noch einmal zu lesen: Ich glaube jetzt, immerhin fast 5 Jahre später, immer noch, dass ich in einer Beziehung, selbst einer wunderbaren, ganz tollen und beglückenden Liebesbeziehung, nicht auf Dauer glücklich sein könnte, wenn SM plötzlich keine Rolle mehr in meinem Leben spielen sollte.
Ich glaube aber, dass ich trotzdem vieles mittlerweile ganz anders sehe als damals noch:
Sicher bin ich mir, dass SM immer eine Rolle in meinem Leben spielen wird. Die Frage ist nur, welche Rolle bzw. wie groß diese Rolle sein muss.
In den letzten Jahren habe ich immer wieder erlebt, dass meine Vorlieben stark abhängig sind vom jeweiligen Partner. Einerseits, weil ich experimentierfreudig bin und immer wieder mal etwas ausprobiert habe, das ich vorher noch nicht gekannt hatte - und auf diese Art kam ich zu vielen interessanten und oft höchst erfreulicher Erlebnissen und neuen Vorlieben. Andererseits gibt es meinem Verständnis nach drei Kategorien von Vorlieben oder Praktiken:
a) Es gibt ein paar Dinge, die ich an sich einfach toll und aufregend finde und total genieße - diese will ich von mir aus mit jedem Partner machen (sofern er das auch mag; eh klar). Das sind die Dinge, die ich ungern weglasse und irgendwann mehr oder weniger vermisse, wenn ich sie nie machen kann ...
b) Den meisten Praktiken stehe ich relativ neutral entgegen: Ich finde sie schön, genieße sie aber erst dann so richtig, wenn mein Partner sie total geil findet. Diese Dinge mit einem Partner nicht zu machen, bereitet mir gar keine Probleme, und ich vermisse sie auch nicht wirklich, wenn ich sie nicht machen kann.
c) Und dann gibts noch ein paar Dinge, die ich nicht einmal einem Partner zuliebe machen würde. Das sind nicht viele, aber doch ein paar - und sie sind unerschütterlich.
Zur Kategorie a) zählen eigentlich nur ganz, ganz wenige Dinge. Vielleicht eine Hand voll oder so.
Und je länger ich mich mit dem Thema SM beschäftige, desto mehr spüre ich, dass die anderen Aspekte, mit denen ich mich neben den körperlichen Aspekten auch beschäftigt habe, immer mehr in den Vordergrund treten.
Nicht falsch verstehen: Ich sehe und erlebe mich immer noch als sehr sinnlichen, genussfähigen Menschen, und Erotik ist immer noch ein wichtiger Bestandteil meines Lebens! Und es ist auch nichts Neues, dass ich erfüllende Erotik niemals als Ersatz für Liebe empfunden habe, sondern vielmehr immer eine liebevolle, umfassende Liebesbeziehung als das Höchste und Erstrebenswerteste überhaupt ansah und immer noch ansehe. Die Frage, ob ich mir ein Leben ohne Liebe vorstellen kann, ist also eigentlich gar keine ...
Was hat sich dann also im Verhältnis zum Dezember 2002 geändert? Meine Prioritäten haben sich verschoben. Andere Themen wie Reiki und HUNA haben an Wichtigkeit gewonnen, haben mein Leben in einer Art und Weise bereichert, dass ich vieles nun aus etwas anderen Blickwinkeln sehe. Es ist für mich längst nicht mehr die Frage, ob experimentierfreudige Erotik weiterhin Bestandteil meines Lebens sein soll - das ist mir absolut klar, dass es so sein soll. Es ist nur mittlerweile die Frage, bis zu welchem Grad und was somit alles notwenig ist, um von mir als erfüllend experimentierfreudig empfunden zu werden.
Und das ist das eigentlich Neue: Ich habe immer öfter das Gefühl, dass immer weniger nötig ist, um mein Erotikleben aufregend und erfüllend zu gestalten! Ich kann so viel mehr als beglückend empfinden als früher: Vieles, was ich früher als selbstverständlich empfunden habe, bewegt mich jetzt so viel mehr als früher und berührt mich so viel tiefer! Und beglückt mich daher in einer Art und Weise, die ich früher nicht kannte.
Vieles von dem, was ich also früher als selbstverständlichen und auch wichtigen Bestandteil meiner Sexualität, meiner Erotik empfunden habe, hat dadurch einfach nicht mehr den selben hohen Stellenwert wie noch vor ein paar Jahren oder auch nur ein paar Monaten.
Zusammenfassend:
Ein Leben ohne Liebe? Nein!
Ein Leben ohne SM? Nun, mittlerweile kann ich mir vorstellen, dass sich in einer beglückenden Liebesbeziehung, in der ich mit meinem Partner auf einer durchaus spirituellen, energetischen Ebene mein Weltbild teilen kann, diese Frage gar nicht stellt - denn auf dieser Basis finden sich zumindest Experimentierfreude und Offenheit, und damit lassen sich meine Vorlieben der Kategorie a) ganz locker ausleben ... Zur beiderseitigen Freude und Beglückung - dessen bin ich mir mittlerweile sicher.
Switchen, die x-te (4. April 2010)
Im Dezember 2002 habe ich meine Gedanken rund um das Thema Switchen niedergeschrieben. Und es hat mich auch in den vergangenen Jahren nicht wirklich losgelassen. Ich vermute ja, dass ich bloß sauer bin, dass ich nicht beide Seiten gleichermaßen umfassend genießen kann.
Was ich beim Switchen in den letzten Jahren als echtes Hindernis für mich betrachtete: Ich fand den Gedanken, dass man sich beim Switchen jedes Mal wieder neu ausmachen muss, wer gerade Dom und wer Sub ist, echt abtörnend. Am schlimmsten die Vorstellung, dass man darum kämpfen muss, wie das viele sehr gerne machen - mit Worten oder (für mich noch schlimmer) tatsächlich körperlich. Wenn ich aber ganz sicher auf etwas keine Lust habe, dann ist das Raufen mit einem Mann! Und auch auf sonstige Machtkämpfe verzichte ich dankend.
Was ich ja an SM so schön finde, ist die Tatsache, dass die Machtverhältnisse sehr klar sind (siehe auch unter Die eine Seite das Kapitel Beziehungen - das Leben vor SM). Und etwas anderes, das ich so wunderschön finde - als einen Teil des Fundaments sozusagen -, ist Hingabe. Vor allem die Hingabe, die mir mein Partner und Sub entgegenbringt - aber ich erinnere mich auch mit großer Freude an das Gefühl der Hingabe in mir. Und ich finde es immer wieder mal schade, dass ich dieses Gefühl nicht mehr erlebe(n kann) ...
Viele meiner Freunde sind Switcher, und ich betrachte das mittlerweile schon lange nicht mehr als - mehr oder weniger heimlich - seltsam, sondern als ganz offen erstrebenswert.
Aber wenn ich an so manche Szene zurückdenke, in der ganz liebe und enge Freunde von mir in atemberaubender Geschwindigkeit innerhalb einer Spielerei praktisch im Sekundentakt switchten ... mir wird noch heute ganz schwindlig. (Damals entstand übrigens der Begriff "Turbo-Switch", der den Nagel ziemlich gut auf den Kopf trifft.)
Jedenfalls habe ich in den letzten Jahren mehr oder weniger intensiv mit dem Thema geliebäugelt, aber nie eine praktikable Lösung für mich gefunden.
Bis ich dann im Sommer 2009 einen Mann kennen lernte, der mir mittlerweile ein lieber Freund ist und mir damals ein "Switch-Konstrukt" vorgestellt hat, das maßgeblich daran beteiligt ist, dass ich mehr denn je mit dem Thema liebäugle und mittlerweile der Meinung bin, nun auch einen für mich gangbaren Weg gefunden zu haben:
Es geht dabei primär um die Art und Weise, wie der Machtwechsel vollzogen wird. Denn im Grunde kann ich mir schon gut vorstellen, mich einem Mann, meinem Partner, den ich liebe und dem ich absolut vertraue, ganz und gar hinzugeben. Mein Hirn auszuschalten (natürlich nicht meinen Hausverstand, aber eben dieses ständige und durchaus lästige und oft kontraproduktive Wälzen von Gedanken ohne Ende). Mich wirklich und ohne Vorbehalte fallen zu lassen. Ihm voll und ganz zu vertrauen und ihn einfach machen zu lassen ...
Dabei ist es mir aber einfach wichtig zu wissen, wo ich gerade stehe. Ganz klar und unumstößlich. Unausweichlich. (Ja, ich bin so ein Ganz-oder-gar-nicht-Mensch.)
Die Lösung, die mir P. in einer lässig-selbstverständlichen Art und geradezu nebenbei präsentierte (ohne zu wissen, dass er damit ein jahrelanges Dilemma in mir auflöste), ist eine eigentlich sehr einfache Regel:
"Ich bin so lange Dom, bis ich sage: 'Ab jetzt bist du dran.' Und dann bist eben du Dom."
So neu der Ansatz (für mich) und dabei so genial einfach! Und er löst im Grunde alle meine Vorbehalte auf:
Ich kann bestimmen, wann ich auf die Sub-Seite wechseln will. (Der Umstieg auf die Dom-Seite fällt mir vermutlich sowieso nicht schwer.) Und wenn ich dann mal auf der Sub-Seite bin, ist es eben ganz und gar - dann habe ich die Macht wirklich komplett abgegeben. Aus freien Stücken und sehr bewusst. Also kann ich mich ruhig ganz und gar fallen lassen.
Zwar vermute ich, dass ich das tatsächlich nur innerhalb einer sehr liebevollen Partnerschaft kann, in der ich mich sicher aufgehoben fühle - aber es spricht ja nichts dagegen, das mal auszuprobieren. Unter diesen Umständen kann ich mir das - erstmalig - so richtig gut vorstellen!