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von Andrea aus Wien

 

zuletzt geändert am 18. November 2001
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Wie alles begann

Seit dem Frühjahr 1999 beschäftige ich mich mit SM wirklich gezielt, doch davor hatte ich einschlägige Phantasien und auch das eine oder andere Erlebnis in dieser Richtung. Im Laufe des Jahres 1999 sind einige Erinnerungen wach geworden an Erlebnisse, an die ich seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gedacht hatte.

Eine meiner frühesten diesbezüglichen Erinnerungen führt mich in den Garten meiner Großeltern - er war riesengroß, und es gab so manches Platzerl, das durch Büsche gut vor Wind und neugierigen Blicken geschützt war. Vor allem der Bereich, wo die Wäsche aufgehängt wurde (darum der Windschutz; das mit den Blicken war meinen Großeltern wohl eher egal.) Ich muß so ungefähr 8 bis 10 Jahre gewesen sein, aber ich glaube, diese Spiele begannen schon früher. Dort fand ich jedenfalls immer wieder Gefallen daran, mich in die Wäscheleinen einzuwickeln bzw. sie mir eng um den Leib zu schnüren. Und ganz besonders liebte ich die Wäscheklammern, die so schön auf der Haut zwickten, wenn ich sie mir ansetzte (daran hat sich übrigens bis heute nichts geändert).

Ob diverse Cowboy- & Indianer-Spiele als außergewöhnlich erwähnenswert sind? Vermutlich nicht. Tatsache ist jedoch, daß ich einerseits immer mit großer Begeisterung die arme Häuptlingstochter mimte, die an den Marterpfahl gefesselt wurde, und andererseits dann auch selbst mit großem Genuß meinen Cousin (er muß dann wohl ein Cowboy gewesen sein) fesselte und anschließend ein wenig marterte. Das muß sich so im Alter von ca. 10 Jahren abgespielt haben.

Das wirklich einschneidendste Erlebnis war mit Sicherheit das Lesen der Geschichte der O. Ich hatte das Buch irgendwo bei meinen Eltern gefunden und voller Begeisterung verschlungen. Ich schätze, ich war so ca. 14 oder 15 Jahre. Seither begleiteten mich Phantasien, die allesamt aus diesem Buch abgekupfert oder zumindest abgeleitet sind. Ganz besonders hatten und haben es mir dabei die Kellergewölbe und Ketten angetan.

Einige Jahre später hatte ich für ein paar Monate einen Freund, der es geil fand, wenn ich meine Schamhaare rasierte (was ich bis zum Schluß nicht so gerne mochte, weil ich die Stoppeln der nachwachsenden Haare als schrecklich häßlich und störend empfand). Außerdem gefiel es ihm, mich mit meiner Reitgerte, einem Relikt aus meinen sportlicheren Zeiten, zärtlich auf den Po zu klopfen - das gefiel mir recht gut.

Dann kam viele Jahre nichts davon auch tatsächlich in meinem Sexualleben vor. Nicht, weil ich irgend etwas unterdrückt hätte, sondern einfach weil ich es ausreichend geil fand, hin und wieder in solchen Träumen von Kellern und zum Teil ziemlich grausamen Phantasien über diverse Quälereien zu schwelgen. An eine Umsetzung in die Realität dachte ich nicht einmal. 1992 begannen dann auf Anregung meines damaligen Lebensgefährten Seile und einschlägige Video-Filme eine gewisse Rolle zu spielen. Ich genoß das und ging sehr gerne auf seine diesbezüglichen Vorschläge ein. Die Idee, die Seile nicht ausschließlich dafür zu verwenden, um sie mir um den Körper (bevorzugterweise den Busen) zu wickeln, sondern mich auch mal damit ans Bett zu fesseln und somit wehrlos zu machen, kam dann in weiterer Folge von mir und gefiel mir auch in der Praxis ausgesprochen gut!

Doch es dauerte noch einige Jahre (eben bis zum Frühjahr 1999), bis ich begriff, daß es sich dabei und auch bei den vielen anderen (zum Teil ziemlich heftigen) Dingen, die wir gemacht hatten, um SM handelte - ich kam tatsächlich jahrelang nicht auf die Idee, daß diese tollen Sachen, die wir machten, etwas mit SM zu tun haben könnten! Gerade in diesem Zusammenhang amüsiere ich mich immer noch über meine Naivität ...

Jedenfalls hatte ich wirklich Gefallen gefunden an so manchen Praktiken, und es war sicher kein Zufall, daß ich nach der Trennung von diesem Mann viel Zeit und Geduld aufwandte, um das richtige Bett für mein neues Schlafzimmer zu finden: Es sollte unter anderem stabil sein und genügend Möglichkeiten bieten, Seile daran zu befestigen ...

Eine kurze Episode mit einem Mann, der halt irgendwann dann doch meiner Bitte nachgab, mich zu fesseln, zeigte mir deutlich, daß es für mich einfach nicht befriedigend ist, wenn mein Partner nur halbherzig bei der Sache ist. Und meine Phantasien wurden immer deutlicher, härter, gingen konsequent in Richtung SM. Und das noch immer ohne zu wissen oder auch nur zu ahnen, daß es dabei um SM geht!

Das dauerte noch ein paar Monate - das Internet half ...

 

 

Meine erste SM-Beziehung

Im Februar 1999 hatte ich das Internet so weit erschlossen, daß ich mit Begeisterung Leute (Männer und Frauen) über Single-Börsen kennenlernte. Und als ich eines Tages über ein Inserat stolperte, das den Titel "Liebst Du devote Spiele?" trug und eine Geschichte enthielt, die mich total ansprach, zögerte ich nicht lange. Ich antwortete darauf und fand den Gedanken ungeheuer erregend, mit einem mir völlig Unbekannten und total anonym erotische Geschichten und Phantasien auszutauschen.

Es folgten die heißesten zwei Wochen meines Lebens: Auf mein Bestreben hin waren die - von seiner Seite ursprünglich sehr sanften, gefühlvollen - Geschichten sehr bald in Richtung heftig-deftig aber stilvoll gewandert. Täglich tauschten wir ein bis drei Geschichten aus, und in so mancher Nacht stand ich wieder auf, weil ich nicht schlafen konnte, und erregte mich an seinen tollen Geschichten oder daran, daß ich eine meiner Phantasien in Worte faßte und ihm schickte.

Es war das erste Mal, daß ich jemandem Teile meiner Phantasien schilderte - in einer Detailliertheit, die nicht nur mich erstaunte, wie er mir im Nachhinein erzählte.

Es kam, was kommen mußte: Er wollte mich kennenlernen. Mich packte die Panik, denn erstens hatte ich überhaupt nie daran gedacht, diesen Mann mal zu treffen, und zweitens hätte ich mich sowieso nie mit so einem Mann getroffen. "Huch, dem gefallen meine Phantasien - der muß ja pervers sein!!", dachte ich plötzlich echt schockiert. Nämlich witzigerweise nicht schockiert über meine Phantasien - die hatte ich ja nie für pervers oder abartig oder krank, sondern immer nur für geil, experimentierfreudig  und völlig okay gehalten!

Nein, ich war vielmehr schockiert von dem Gedanken, daß ich unter Umständen Gefahr laufen könnte, irgend etwas davon in die Tat umsetzen zu müssen! Das war mir viel zu gewalttätig, viel zu schmerzhaft ... ließ sich einfach nicht verbinden mit meinem Anspruch an Partnerschaft und Liebe!

Ich erklärte ihm die Situation und brach den Kontakt damit ab. Doch im Laufe der nächsten Monate erhielt ich auf mehrere (völlig harmlose) Kontaktanzeigen, jedes (!) Mal auch wunderschöne, gefühlvolle und sehr ansprechende Antworten von genau diesem Mann. Ich wußte genau, er konnte nicht wissen, daß diese Inserate von mir sind - und doch reagierte er jedes Mal auf meine sehr selbstbewußten, emanzipierten, partnerschaftlichen Worte ...

Kurz: Wir trafen einander dann doch - Monate nach unserem ersten Mailkontakt. Und erst, nachdem er mir glaubwürdig versichert hatte, daß er all das (= SM) nie mit einer geliebten Partnerin machen würde ...

Es war nicht Liebe auf den ersten Blick, als wir einander trafen, aber es entwickelte sich sehr rasch eine - zumindest für mich - sehr tiefe und schöne Beziehung.

Und es dauerte auch nur ca. zwei Wochen, bis meine Neugier und Experimentierfreude Oberhand gewann: Ich bat ihn, doch einmal sein Spielzeug (Lederfesseln, Seile und Gerten bzw. Peitschen) mitzubringen - ich wollte sie mir mal wenigstens ansehen. Dabei blieb es natürlich nicht.

Wir sprachen ausführlich darüber, warum ich eigentlich davor zurückschreckte, mal "so richtig" zu spielen. Die Antwort war kurz: Ich hatte schlicht Angst davor, süchtig darauf zu werden.

Nach der ersten Session, in der ich gefesselt und sehr einfühlsam von ihm gepeitscht worden war, war ich total erleichtert: Ja, es hatte mir ganz gut gefallen. Aber eben nicht mehr. Keine Gefahr von Sucht, kein Gedanke mehr daran, daß ich vielleicht in weiterer Folge gar keinen Spaß mehr an "normalem" Sex haben könnte - denn so toll war es wieder auch nicht gewesen ...

Doch weitere zwei Wochen später machte ich erneut Andeutungen, ob wir nicht wieder einmal ... und so brachte er sein Spielzeug zum zweiten Mal mit zu mir.

Und diese zweite Session war eindeutig ein Wendepunkt in meinem Leben ...

 

 

sexuelle Hörigkeit? ... Hingabe!

Ich lag gefesselt in seinen Armen, er hielt mich fest und malträtierte mit festem Griff meine Nippel (etwas, das ich schon immer gern gehabt hatte, jedoch nie so intensiv erlebt hatte, da sich bis dahin leider noch nie ein Mann gefunden hatte, der einen gewissen Punkt an Härte überschritten hätte).

Ich lag da also in seinen Armen, keuchte und stöhnte unter seinem harten, schmerzhaften Griff (und es tat wirklich sehr weh!). Ich sah ihm dabei tief in die Augen. Plötzlich durchzuckten mich viele Gedanken und Gefühle gleichzeitig: Er tut mir soo weh, ich halte das nicht aus! Er ist mir so wunderbar nahe! Ach, ist das schön!

Ich fühlte mich so geborgen wie nie zuvor, glücklich, beschwingt, mir jeder Faser meines Körpers bewußt. Und ich wußte, ich würde weiterhin Schmerz ertragen wollen, um ihm Freude und Lust zu bereiten - ich wollte für ihn leiden. Das erschien mir in diesem Augenblick das Erstrebenswerteste und Schönste auf der Welt ...

Anschließend jedoch, nach einer an sich sanften Landung, fühlte ich mich plötzlich total elend: Wie konnte ich bloß soo zärtliche Gefühle für einen Mann haben, der mir in dem selben Augenblick soo weh tat?!?!?!?!? Ich war verwirrt. Ich kannte mich selbst nicht wieder!

Ich fand nur eine Antwort: sexuelle Hörigkeit. Und war völlig entsetzt!!!! Ich geriet echt in Panik - wie konnte das ausgerechnet mir passieren?! Ich, die ich von all meinen Freunden als so stark, so dominant, so selbstbewußt und emanzipiert eingeschätzt wurde; ich, die ich mich selbst zumindest zum größten Teil ebenso sah; ausgerechnet ich war nun in sexuelle Hörigkeit zu einem Mann abgerutscht, der mir körperlichen Schmerz zufügt!!!!

Gott sei Dank gab er mir verschiedene Adressen von wirklich guten Websites, die an Information fast alles boten, was ich benötigte um herauszufinden, daß ich a) nicht krank, b) nicht pervers, c) nicht sexuell hörig war. Ich lernte Begriffe kennen wie Hingabe (ich war mir einfach nicht bewußt, zu solch einer Hingabe auch nur fähig zu sein!), SM etc. und setzte mich ausführlich damit auseinander.

Diese Informationen und die vielen schönen Gespräche mit ihm, der diese Hingabe erstmalig in mir geweckt hatte, führten erfreulicherweise dazu, daß ich nach einigen Tagen mein seelisches Gleichgewicht wieder hatte. Und fortan alles ziemlich bewußt genoß, was so auf mich zukam.

 

 

Beziehungen - das Leben vor SM

Eine Frage stellte sich mir absolut nie: Ob ich nun Sub oder Top sei - mir war von Anfang an klar, daß ich auf der Sub-Seite zu Hause bin. Dort fühlte und fühle ich mich so geborgen, wie ich es mir immer gewünscht habe, dort kann ich so schwach sein, wie ich es immer (auch) sein wollte.

Allerdings betrachtetet ich diese Tatsache anfänglich schon mit großem Erstaunen (dann später mit immer mehr Selbstverständlichkeit und eigentlich zum Teil auch mit freudigem Amüsement). Anfangs erschien es mir schlicht als groteske Diskrepanz: Ich bin eine ausgesprochen selbständige Frau, die ihr Leben bestens auch alleine meistert, die sogar als ziemlich dominant verschrien ist ("Immer muß alles nach Deinem Willen gehen, Du bist so schrecklich dominant!", wurde mir schon oft vorgeworfen). Kurz: Ich bin eine Frau, die mit beiden Beinen fest am Boden der Realität und im Leben ihren Mann steht (wie's ja so schön heißt), eine (willens-)starke Frau.

In meinen Beziehungen vor der Zeit, als ich mich bewußt mit SM und z.B. dem Thema Machtspielen auseinandersetzte, hatte das immer zur Folge, daß ich mit meinen Partnern Machtkämpfe austrug. Um Alles und Nichts - nach dem Motto "Alles, was Du kannst, das kann ich viel besser ...!" Ich wollte ständig beweisen, daß ich (mindestens) so gut bin wie mein Partner, mindestens alles so gut kann und mache wie mein Partner. Das war aufreibend, machte eigentlich keinem der Beteiligten wirklich Spaß und führte zum Beispiel nach drei Jahren fast ununterbrochener Arbeit zum körperlichen Zusammenbruch und außerdem zum Zerbrechen meiner langjährigen Beziehung zum Vater meines Kindes.

Ich hatte mir in Bezug auf Partnerschaft mein Leben lang bloß eines gewünscht: einen Mann, der mich im Griff hat, einen Mann, der meiner Herr wird, einen Mann, der stärker ist als ich ... Was ich damit genau meinte, war mir dabei absolut nicht bewußt, es war einfach ein Gefühl, daß ich das, was ich wirklich suchte und brauchte, noch nie gefunden hatte.

Mittlerweile weiß ich sehr genau, was ich damit gemeint hatte - und ich weiß mittlerweile auch, daß es sehr wohl Männer gibt, die sowohl diesem Anspruch als auch meinem Anspruch nach Gleichberechtigung und partnerschaftliche Beziehungen gerecht werden können ...

In der Praxis führte dieser Wunsch nach einem starken Mann an meiner Seite jedoch früher zB dazu, daß ich mir als Lebensgefährten einen Mann wählte, der hart zu mir war - um nicht zu sagen (seelisch) grausam. Ich stumpfte im Laufe der Jahre ab, seine egoistische Art prallte mit der Zeit immer mehr an mir ab, konnte mich nicht mehr verletzen. Aber es gab oft Momente, wo ich verzweifelt war - doch die Verzweiflung verging, wenn ich mir vor Augen führte, daß das wenigstens ein Mann war, der mir Kontra gab, dem ich nicht auf der Nase rumtanzen konnte.

Wenn ich schon früher gewußt hätte, daß gerade Letzteres auch anders erreichbar ist, hätte ich garantiert nicht sechs Jahre in dieser Beziehung gelebt. Aber es sollten noch weitere eineinhalb Jahre vergehen, ehe ich begriff, daß es sehr wohl vereinbar ist: ein Mann kann sensibel, liebevoll, ein rundherum toller Lebenspartner sein und mich gleichzeitig "im Griff" haben ...

 

 

Der steinige (?) Weg

Als ich begann, mich intensiv mit dem Thema SM zu befassen, verschlang ich alles Lesbare, das mir in diesem Zusammenhang in die Hände fiel. Einerseits las ich mich quer durch's Internet (eine wunderbare Informationsquelle!), andererseits fand ich auch immer mehr Bücher, die mir wirklich weiterhalfen. Weiterhalfen wobei? Bei der Frage, was und wer ich denn eigentlich bin - ich suchte Parallelen und Entgegengesetztes und hoffte, so auch irgendwo meinen Platz zu finden. Ich war auf der Suche nach mir selbst.

Im Laufe dieser Informationsbeschaffung las ich jedoch nicht nur Artikel, Geschichten und Bücher, die mir gefielen, sondern auch solche, die mich echt erschütterten. Hatte ich sehr rasch herausgefunden, daß ich wohl eindeutig submissiv veranlagt, jedoch nur ganz wenig masochistisch bin, so bewegte es mich dann ungeheuer, das Buch Lust an der Unterwerfung von Sina Aline Geissler zu lesen.

Das Buch war mir von mehreren Seiten als eine Art Hymne an DS empfohlen worden. Und so besorgte ich es mir und las es. Ich wollte so gerne Parallelen zu mir, zu meinen Gefühlen finden, ich war irgendwie süchtig nach Bestätigung, daß ich normal sei!

Aber ich konnte mich in den Geschichten der Frauen in diesem Buch absolut nicht wiederfinden. Ich war im Gegenteil größtenteils geschockt und wollte und konnte mich mit diesen Frauen nicht identifizieren!

Komisch, irgendwie fühlte ich mich anschließend schlecht. Schlecht, weil ich anders war als die Frauen in diesem Buch. Gleichzeitig dachte ich mir, daß es verrückt sei, einerseits erleichtert zu sein, daß ich nicht so bin, und mich andererseits so schlecht zu fühlen, weil ich nicht so bin!

Aber im Laufe der Zeit verstand ich diese Zerrissenheit immer besser:

Am Anfang, als SM noch etwas Neues für mich war, war ich ein wenig unsicher, weil ich meine Gefühle einfach nicht einordnen konnte - sie waren mir völlig neu, absolut außerhalb meiner bisherigen Lebenserfahrungen. Und so war ich total erleichtert, als ich einen sicheren Hafen fand: Menschen, denen es ganz genau so ging wie mir! Viel Menschen. Sehr nette Menschen!! Die Szene, einfach das Reden mit realen Menschen tat mir ungeheuer gut ...

Dann der neuerliche Schock, als ich plötzlich das Gefühl bekam, ich wäre doch nicht so wie "sie" - eben jenen Leute, denen es (wie ich gedacht hatte) so ging wie mir. Zurück zum Start nennt man so etwas in manchen Spielen ... ich war plötzlich wieder (so dachte ich) dort gelandet, wo ich angefangen hatte: Alleine, niemand da, dem es so geht wie mir ...

Aber das war natürlich Quatsch: Ich schrieb mich auf einigen Mailinglisten ein und erstickte erst mal in einer Flut von Mails und Informationen. Und mit der Zeit erkannte ich dann, was in meinen Augen der springende Punkt ist:

SM ist so arten- und facettenreich, so vielfältig wie das Leben selbst! Es gibt kaum zwei Menschen, die exakt die gleichen Vorstellungen, Wünsche, Bedürfnisse, Phantasien, Kicks haben ...! Und vor allem: Man muß nicht wie alle anderen sein, um ein richtiger oder guter SMler zu sein! Denn es gibt kein Richtig und Falsch, kein Gut und Schlecht ... jede/r hat ihre/seine eigene Art von SM ... Und alles ist okay, was allen Beteiligten Spaß macht!

So schnell ich den anfänglichen Schock überwunden hatte, und so schnell ich dann auch meine durch S. A. Geisslers Buch hervorgerufenen unangenehmen Gefühle wieder im Griff hatte: Bis zu obiger Erkenntnis und dem Tag, an dem ich merkte, daß ich das alles wirklich locker und frei sehen konnte - ohne zu grübeln und ohne zu zweifeln -, brauchte ich doch ein paar Monate.

Doch anders als bei vielen Menschen, die meinen Weg kreuzten, war auch während dieser Zeit mein Weg zumeist einfach nur von lustvoller Neugierde geprägt, nicht von jahrelangem Schmerz, Zweifel und Zerrissenheit. Nein, für mich war es kein steiniger Weg.

Es gab Momente, manchmal sogar Tage, in denen ich mich verbissen mit etwas beschäftigte, was ich nicht verstand - über solche Dinge stolperte ich immer wieder im Netz, denn es dauerte Monate, bis ich genug davon hatte, das Internet nach allen möglichen einschlägigen Informationen zu durchforsten.

Aber mit der Zeit lernte ich, aufgrund solcher Dinge (wie z. B. den 128 Sklavinnenregeln, die mich wirklich lange beschäftigten) nicht plötzlich wieder an mir zu zweifeln. Warum eigentlich zweifelte ich damals überhaupt an mir?! Das ist etwas, das ich jetzt im Nachhinein kaum mehr nachvollziehen kann - jetzt, wo ich weiß, wer ich bin und was ich will.

Ich habe es gelernt, es einfach als gegeben hinzunehmen, daß es eben viele, viele Praktiken, Spielarten, Lebensweisen gibt, die ich persönlich vielleicht weder verstehen kann noch erstrebenswert finde. Ich habe gelernt, auch Spielarten etc. zu akzeptieren, die ich mir für mich persönlich nicht vorstellen kann. Und vor allem habe ich gelernt, daß es kein Grund ist, an mir zu zweifeln, wenn ich mir eine gewisse Spielart für mich nicht vorstellen kann und will - auch das ist okay!

Genau darum geht es meiner Meinung nach: Jede/r bzw. jedes Paar (oder wie viele Beteiligte auch immer es gibt) soll ihre/seine Art von SM (aus)leben können ... und keine/r hat das Recht darüber zu richten.

Und seit ich meine Art von SM gefunden habe und das wunderbarerweise auch noch mit dem passenden Partner ausleben konnte, geht es mir rundherum so richtig gut.

 

 

Interregnum

Ende August 1999 ging meine erste SM-Beziehung zu Ende. Es waren vier größtenteils wunderschöne Monate gewesen, in denen ich sehr viel gelernt hatte: über SM, über mich selbst, über Beziehungen, über die Denkweise von Männern, über das Leben ...

Das Ende war sehr schmerzvoll für mich - und das, obwohl ich seit längerem geahnt, fast schon gewußt hatte, daß er mich nicht liebte, sondern nur "sehr gern" hatte. Immer wieder klangen mir seine Worte im Ohr, daß er "all das" (eben diverse SM-Praktiken) nie mit einer geliebten Partnerin machen würde. Tja, er hatte zu Beginn unserer Beziehung, als er das sagte, nicht gelogen ...

Trotzdem schmerzte es mich sehr, als er reine Äußerlichkeiten als Grund für seine innere Distanz angab - ich hatte doch tatsächlich gedacht, daß uns mehr verbinden würde als nur das. So kann man sich täuschen.

Vielleicht war eines der großen Probleme - neben anderen, "normalen" Partnerschaftsproblemen - auch das Thema DS bzw. 24/7. Diese Themen hatten mich besonders beschäftigt, gepackt. Ich hatte soo sehr das Bedürfnis, mich ihm zu schenken - aber es war ein Geschenk, das er nicht annehmen wollte und konnte ...

Wie auch immer: Es folgte eine seltsame Zeit, die geprägt war von dieser Enttäuschung und dem Glauben, daß damit das Thema SM für mich wieder erledigt wäre. Ein Irrglaube, wie ich bald merkte.

Ich meldete mich von allen Mailinglisten ab, suchte nicht weiter nach einschlägigen Infos im Internet, ging nicht mehr zu Stammtischtreffen - brach sozusagen alle Brücken zum Thema SM ab. Ich dachte nicht einmal mehr daran, es war ja für mich erledigt. Außerdem hatte ich 33 Jahre recht gut ohne SM gelebt, also konnte es doch auch kein Problem sein, nach dieser Beziehung wieder ohne SM auszukommen ...

Es gab ein Paar aus der Szene, mit denen wir uns ein paar Mal getroffen und wunderschöne Gespräche geführt hatten. Und eben dieses Paar ließ von sich aus den Kontakt zu mir nicht abreißen. Und ein Telefonat weckte mich wieder auf - es waren die in aller Ruhe gesprochenen Worte: "Vergiß es nicht." Wir sprachen auch noch darüber, daß man es nicht einfach so wieder verdrängen kann, wenn man einmal diese Hingabe gespürt hat. Aber der kurze Satz "Vergiß es nicht." bewegte mich mehr, als jeder stundenlange Vortrag es hätte können. Und plötzlich wußte ich einfach, wie viel mir das gegeben hatte, was ich in den Monaten zuvor erlebt hatte, und wie wichtig es mir noch immer war!

Es folgte eine total Kehrtwendung (ich bin laut chinesischem Horoskop ein Feuerpferd - die neigen "etwas" zu Extremen): Ich warf mich voll in die Szene, besuchte alle Stammtische, war an jedem freien Abend im SMart Café. Und ich genoß die Aufmerksamkeit, die mir dort zuteil wurde, ich genoß die Gespräche über SM, genoß die begehrlichen Blicke und selbst die mehr oder weniger harmlosen Baggerversuche, die ich alle klar mit einem "Ich spiele nur mit meinem Partner." abschmetterte.

Ich hatte keinen Partner, aber ich hatte den intensiven Kontakt zu diesem Thema wieder, das mich mehr denn je beschäftigte. Und ich genoß diese Zeit sehr! Ich begann erneut, mich mit meinen Wünschen und Bedürfnissen auseinander zu setzen - diesmal losgelöst von einem Partner und seinen Wünschen und Bedürfnissen, die mich sicher in der einen oder anderen Art und Weise beeinflußt hätten (und in der letzten Beziehung auch hatten).

Ich merkte z.B., daß DS eine mir noch wichtigere Rolle spielte, als es mir bisher bewußt war. Und ich dachte erneut viel über das Thema 24/7 nach.

Das nächste Thema, mit dem ich mich beschäftigte, über das ich immer wieder nachdachte, war Switchen - ein Thema, bei dem ich mir noch immer nicht über meine Wünsche klar bin, denn ich habe durchaus immer wieder sadistische Phantasien, die ich auch gerne in die Praxis umsetzen möchte. Andererseits kann ich mir das keinesfalls mit meinem Partner - meinem Herrn - vorstellen ... Ich vermute aber mehr denn je, daß es gerade bei diesem Thema für mich sehr vom Partner abhängt. Mal sehen, wie es in diesem Punkt weitergeht - ist für mich aber kein sehr wichtiges Thema, das wird sich alles irgendwie finden.

Alles in allem waren das jedenfalls sehr schön, sehr intensive Monate, in denen ich mit der Zeit einen Partner immer weniger vermißte. Es kam wieder eine Zeit, in der ich mir selbst genügte, voll und ganz zufrieden und glücklich war mit dem Leben, das ich führte. Ich hatte meine Familie, meine Freunde, meinen Job - und ich hatte die Szene (speziell sehr liebe Leute im SMart Café).

 

 

Silvester 1999/2000

Der Jahreswechsel 1999/2000 änderte dann alles schlagartig: Hatte ich bis wenige Tage vor Silvester noch nicht gewußt, wo und wie ich diese Nacht verbringen würde, so fand ich mich am 31.12.1999 auf einer SM-/Silvester-Party wieder - umgeben von 16 Leuten, von denen ich ein Pärchen ein bisserl besser, zwei, drei Leute vom Sehen aus dem SMart und den Rest gar nicht kannte. Spannende Sache. Ich hatte keine Ahnung, was mich dort erwartete ...

Die Runde war aber recht nett, es wurde auch gescherzt und gelacht, aber alles in allem war es eine höchst "unsilvestrige" Nacht. Was den meisten von uns sehr gelegen kam. Es wurde über alles Mögliche gequatscht - vor allem auch über SM und diverse Praktiken. Na ja, die etwas andere Silvesterparty halt.

Der Jahreswechsel selbst war unspektakulär bis leicht depressiv angehaucht: Um Mitternacht stießen wir alle mit Sekt an, dann verzog ich mich und suchte mir ein ruhiges Plätzchen zum Nachdenken. Ich ließ das letzte Jahre Revue passieren, dachte über all das nach, was ich erlebt und gelernt hatte. Eine absolut positive Bilanz - aber ich fühlte mich trotzdem plötzlich tieftraurig und alleine ...

Um 1 Uhr wäre ich um ein Haar nach Hause gegangen - die allgemeine Stimmung wurde immer nachdenklicher und fast schon bedrückt. Doch ich wollte nicht alleine zu Hause sitzen, und so blieb ich.

So um 3 Uhr wurde es dann wieder etwas besser: Der Gastgeber (bzw. derjenige, der seine Wohnung für die Party zur Verfügung gestellt hatte) setzte sich zu mir, und es entspann sich eine angeregte Unterhaltung.

Wir hatten uns schon zuvor ein paar Mal sehr nett und gut im SMart Café unterhalten, es waren zwei die Party betreffende Telefonate gefolgt, und ich freute mich darüber, mit ihm zu plaudern. Mehr hatte ich auch nicht erwartet.

Als sich jedoch die anderen Partygäste einer nach dem anderen verabschiedeten und ich ihn fragte, ob auch er müde sei und schlafen wolle, wirkte er plötzlich putzmunter, und so blieb ich. Zum Plaudern, dachte ich ... (wie naiv ich manchmal bin)

Nachdem wir noch lange gequatscht hatten und ich merkte, wie wohl ich mich in seiner Nähe fühlte, war ich einem Spiel nicht abgeneigt (plötzlich war nix mehr mit "nur mit meinem Partner"). Schuld war ja die Neugierde, die ein gemeinsamer Freund in mir geweckt hatte, als er mir erzählte, daß sich jede Frau nur glücklich schätzen könne, die diesem Mann in die Hände fällt (er bezog sich dabei auf das ganz besondere Einfühlungsvermögen des Mannes, mit dem ich da jetzt plötzlich alleine war und der mir so erstaunlich nahe war; und damit meine ich nicht körperlich).

Und so kam es bald zu einer heftigen, wunderschönen Knutscherei. Wenig später fand ich mich inmitten eines großen, fast leeren Zimmers innerhalb weniger Sekunden bewegungsunfähig gefesselt wieder. Und genoß es unendlich! Meine erste Bondage-Session ... Hatte ich jemals abfällig gedacht "Nur fesseln ist öde!"? Nun, ich streite das ab und behaupte das Gegenteil!

Um's kurz zu machen: Ich übernachtete dort (nein, es war ja schon Tag; jedenfalls schliefen wir anschließend ein paar Stunden). Und als er mich am Abend des Neujahrstages fragte, ob ich wieder bei ihm bleiben wollte, fand ich das wunderschön - und blieb. In Summe blieb ich das ganze Wochenende bei ihm - und merkte mit großem Erstaunen, daß es a) ihm gar nicht um reine Spielerei ging und b) mir sehr gefiel, was sich da so anbahnte ... Es folgte eine wunderschöne, eineinhalbjährige Beziehung.

 

 

Beziehung - das Leben mit SM

Er hatte an jenem Wochenende ohne Zögern akzeptiert, daß ich nicht mit ihm schlafen wollte. Er begann keine unangenehme Diskussion, als ich das Thema Aids und Kondome anschnitt, sondern war erstaunt, daß ich eine solche Diskussion überhaupt befürchtet hatte. Wir redeten an diesem Wochenende und redeten und redeten - philosophierten über das Leben, erzählten einander unsere Lebensgeschichten, lachten so viel, waren trotz der kurzen Zeit so unglaublich vertraut mit einander. Und die erstaunlich vielen Gemeinsamkeiten - einfach wunderschön ...!

Es folgte eine wunderschöne Beziehung - eigentlich die schönste Beziehung, die ich je hatte. Denn ich hatte in diesem Mann endlich einen Partner gefunden, der mich voll und ganz so akzeptierte, wie ich eben bin. Ohne wenn und aber ...

Wir lebten in einer Art 24/7 - in unserer Art von 24/7: Er hatte das Recht, jederzeit und überall alles mit mir zu machen oder alles von mir zu verlangen, was er wollte. So lautete unsere Vereinbarung. Wir hatten keinen Vertrag, aber das ständige Bewußtsein, daß unsere Vereinbarung zu jedem Zeitpunkt Gültigkeit hat.

Es vereinfachte die Sache ungemein: Hatte mein Partner in früheren Beziehungen erlebt, daß er oft nicht wußte, ob er jetzt was-auch-immer mit seiner Partnerin tun dürfe oder nicht, so stellte sich ihm diese Frage bei uns gar nicht: Er durfte immer - alles!

Für ihn war das eine tolle Erfahrung, und für mich war alleine das Wissen, daß es so ist, unendlich geil. Abgesehen davon, daß es noch geiler war, wenn er dieses Recht auch nutzte ...

Die Basis, die das alles ermöglichte, war tiefes, praktisch unendliches Vertrauen - und das hat sich bis zum Schluß nicht geändert, denn er hat mein Vertrauen nicht ein einziges Mal mißbraucht.

Eigentlich war es total einfach, meinem Partner zuzugestehen, jederzeit und wirklich alles mit mir anstellen zu dürfen - ich wußte ja, daß er mich nie in einen Gewissenskonflikt stürzen würde zwischen meinen Pflichten ihm gegenüber und z.B. meinen Pflichten als Mutter oder als Angestellte.

Was aber das Schönste an dieser Beziehung war: Obwohl wir eben unsere Art von 24/7 lebten, führten wir eine im Alltag völlig gleichberechtigte Beziehung. Genau so eine, wie ich sie mir immer gewünscht hatte: Wir teilten uns alle Aufgaben, auch den Haushalt.

Vor allem hatte ich es plötzlich nicht mehr nötig, Machtkämpfe auszutragen! Ich hatte einen Partner gefunden, dem ich in größter Selbstverständlichkeit zugestand, in vielen Dingen einfach besser, stärker als ich zu sein. Ich mußte nicht immer und in jeder Situation die Starke sein (oder spielen) - ich konnte endlich so schwach sein, wie ich eben auch bin. Ich konnte mich vertrauensvoll fallen lassen - im tiefen Wissen um seine Kraft und Stärke, im Bewußtsein, daß er dann auch da ist, um mich aufzufangen bzw. für eine sanfte Landung zu sorgen.

Nicht lange nach Beginn unserer Beziehung bekam ich über eine Mailingliste Worte zu lesen, die ich wunderschön fand und mir irgendwie Antwort gaben auf die Frage, warum ich jetzt plötzlich zu so wunderschönen tiefen Gefühlen fähig war: "Ich bin eigentlich der Meinung, daß man einen anderen erst dann lieben kann, wenn man in der Lage ist, sich selbst zu lieben ..." Ich glaube, das ist genau der springende Punkt: Ich hatte in den letzen Monaten davor gelernt, mich selbst nicht nur besser zu verstehen, sondern mich zu lieben.

 

 

Unsere Spiele

Unser Spiel hat sich im Laufe der Zeit merklich verändert - je tiefer das beiderseitige Vertrauen wurde, desto mehr ließen wir uns auf einander und auf neue Spiele ein. Und so erlebte ich in diesen eineinhalb Jahren einige Premieren, von denen ich nicht gedacht hätte, daß ich das jemals erotisch finden könnte und würde.

So war ich (und bin es eigentlich noch immer) z.B. ziemlich prüde, was die Öffentlichkeit betrifft - ich gehe zwar leidenschaftlich nackt oder wenigstens oben ohne Baden oder auch in die Sauna, in der Öffentlichkeit (Party oder im SMart Café) jedoch hätte ich mir niemals vorstellen können, meinen nackten Busen oder gar mehr herzuzeigen.

Als ich erstmals bei einer Party lediglich ein (natürlich den Busen bedeckendes) Korsett, einen Stringtanga, eine Strumpfhose und High Heels trug und in dem Lokal so herumspazierte, starb ich praktisch tausend Tode. Doch ein Blick in die Augen meines Partners genügte: Ich sah seine Freude, sah, wie sehr ich ihm gefiel, sah seinen Stolz auf mich - und alles andere inkl. meiner Scham und Unsicherheit wurde plötzlich unwichtig, und ich fühlte mich selbst schön und begehrenswert.

Der nächste Schritt waren dann öffentliche Spiele: Niemals - hatte ich vorher geglaubt - würde ich das können. Ich war davon überzeugt, daß ich mich in Gegenwart anderer niemals so fallen lassen könnte, daß ich eine Session mit meinem Partner auch tatsächlich genießen würde. Mein damaliger Partner jedoch liebt öffentliche Sessions - er hatte jahrelang immer wieder Performances auf verschiedenen Partys und Messen in ganz Europa gemacht -, und ich wollte es wenigstens ausprobieren, wie es mir damit tatsächlich geht.

Unsere erste öffentliche Session fand im SMart Café statt. Ich hatte einen sehr kurzen, engen Lederrock ohne Unterwäsche an - und er hatte die Vorgabe, daß für etwaige Zuseher nichts zu sehen sein dürfte! Er wollte mit Ketten spielen - unter diesen Voraussetzungen eine echte Herausforderung. Aber das Unerwartete geschah: Es stellte mich irgendwo hin, sah mir tief in die Augen, und plötzlich verschwanden das Publikum und all meine Befürchtungen - es wurde eine wunderschöne Session! Und seither ist mir Publikum (wenn es nicht extrem aufdringlich ist) schlicht egal.

So gab es noch einige andere Dinge und auch Praktiken, die wir im Laufe der Zeit für uns beide als höchst erregend und schön entdeckten - niemals über meine Grenzen hinaus, sie aber sicher verändernd und auch erweiternd.

Andererseits haben sich auch die Vorlieben meines Partners verändert: Er hatte zwar Gerten und Peitschen, setzte sie aber nicht unbedingt oft oder mit Begeisterung ein. Als er jedoch merkte, wie sehr ich gewisse Sachen mit bestimmten Schlaginstrumenten liebe, bekam auch er eine erfreuliche Vorliebe dafür.

Auch war in seinen früheren SM-Beziehungen DS trotz verschiedener Versuche in dieser Richtung nicht so sehr ein Thema - es funktionierte einfach nicht für alle Beteiligten befriedigend. Erst durch meine eindeutige Vorliebe dafür entwickelte er entsprechende praktikable Vorstellungen und setzte sie auch - sehr zu meiner Begeisterung - in die Tat um.

Ich habe gemerkt, daß meine Vorlieben zwar zum Teil partnerabhängig sind - gerade bei meiner Vorliebe, Dinge meinem Partner zu liebe zu machen, verständlich -, daß sie aber andererseits eindeutig von meinen ureigenen Wünschen und Bedürfnissen abhängen. Sprich: Nur Dinge, die meinen ureigenen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen, können sich nach und nach zur Vorliebe entwickeln. Ist für etwas (= eine Spielpraktik) nicht mal tief in mir drinnen zumindest eine gewisse Neugierde vorhanden, dann ändert sich das auch dann nicht, wenn das z.B. die Lieblingspraktik meines Partners ist. Ich probiere zwar sehr gerne auch mal Sachen aus, die ich mir nicht unbedingt aus mir heraus wünsche, sondern weil sie meinem Partner ein Bedürfnis sind, aber ich mache sicher nicht bei Praktiken mit, denen ich absolut nichts abgewinnen kann oder gegen die sich in mir alles sträubt.

Was wir absolut nie hatten, waren Abstürze. Nicht, weil alle unsere Sessions so grandios vorbereitet oder geplant gewesen wären oder weil es nie Probleme dabei gegeben hätte, sondern weil wir niemals Schwierigkeiten hatten, über wirklich alles zu reden. Und so wurden auch weniger schöne Situationen entsprechend nachbearbeitet - wir redeten ausführlich darüber, und wir machten den selben Fehler nicht wieder. Egal, ob es darum ging, für geeignete Bedingungen zu sorgen wie z.B. für ein vor Sessions ausreichend gelüftetes Zimmer, um Kreislaufprobleme nicht noch zu forcieren, oder darum zu vereinbaren, gewisse nicht so gut angekommene Spielarten gar nicht mehr oder zumindest anders zu machen.

Bis zum Schluß war es für uns beide selbstverständlich, nach jeder Session ausführlich darüber zu reden, was während der einzelnen Schritte während der Session in uns vorgegangen ist. Dazu kam es manchmal erst am nächsten Tag, denn wir wollten nicht unbedingt nach jeder Session noch stundenlang reden - stundenlanges Kuscheln war da meist eher angesagt.

Ich empfand sowohl die Vorbereitungen als auch die Nachbesprechungen als Teil des Spiels oder sogar als Spiel an sich: Wir haben uns kein einziges Mal in eineinhalb Jahren planend zusammengesetzt und besprochen, daß wir das jetzt so oder so machen würden. Im Gegenteil: Wir sprachen vor Sessions so gut wie nie darüber, was jetzt gleich passieren würde - ich hätte das auch gar nicht wissen wollen. Aber wir verbrachten viele, viele Stunden damit, über unsere Phantasien zu sprechen, und vor allem darüber, was davon wir für realisierbar hielten (also als auch in Real geil vermuteten) - das an sich war schon ein geiles Spiel: Wünsche äußern, ihm Phantasien erzählen, Ängste aussprechen, (vermutete) Grenzen genau schildern zu müssen.

Auch die "Nachbesprechungen" empfand ich immer als wichtig und gut: Erstens, weil mich die Schilderung meiner Gefühle und das Zuhören, wie es ihm bei den einzelnen Dingen gegangen war, erneut in einen schwebeähnlichen Zustand versetzte und ich die Sessions somit noch einmal wunderschön nachwirken lassen konnte. Zweitens wurden dabei einfach viele sehr wichtige Informationen ausgetauscht, was dabei besonders gut war und was wir das nächste Mal nicht so oder bitte gar nicht mehr brauchen.

Was auch immer ganz toll funktioniert hat, war das unmittelbare Feedback während der Sessions - ein Punkt, der uns beiden ganz besonders wichtig war! Einerseits waren für meinen Partner gerade meine Reaktionen das Geile an den Sessions, andererseits konnte er sich praktisch jederzeit sicher sein, daß ich es ihm sagen würde, wenn ich Probleme hatte.

Egal, ob es sich um Kleinigkeiten wie "Das Seil zwickt hier ganz besonders ungeil." oder "Die Kette hängt da so labbrig am Knöchel runter, daß mich das total abtörnt." handelte, oder ob ich tatsächlich Probleme wie einschlafende Gliedmaßen, eingeklemmte Nerven etc. zu bemängeln hatte: Ich wußte, daß ich jederzeit solche Dinge loswerden konnte, ja geradezu mußte.

Wir machten uns ein eigenes Spiel aus den ungefährlicheren Dingen: Sobald ich z.B. merkte, daß mir die Füße aufgrund der Schuhe begannen wehzutun, mußte ich ihm das sofort sagen - und er entschied dann, ob ich es noch ein paar Minuten für ihn aushalten sollte, oder ob ich die Schuhe sofort ausziehen durfte. Wobei - und das war ebenfalls sehr wichtig - er sich sicher sein konnte, daß ich einer Aufforderung, die drückenden Schuhe noch ein paar Minuten für ihn anzubehalten, sofort widersprochen habe, wenn ich merkte, daß mir das alles andere als gut tun würde. Sicherheit ging immer vor!

Und wir wußten, wir konnten uns auf einander verlassen: Er sich auf mich, solange ich noch zu denken fähig war, und ich wußte, daß er mich und meine Reaktionen dermaßen mit Argusaugen beobachtete, daß ich sogar dann sicher war, wenn ich aufgrund meines Adrenalinspiegels oder meines Lustpegels längst über den Punkt hinaus war, an dem ich noch tatsächlich eingreifen hätte können oder wollen.

Etwas womit wir beide nie etwas anfangen konnten, waren die Themen "Erziehung" und "Strafen". Alleine das Wort ‚Erziehung' törnt mich dermaßen ab, daß mir echt alles vergeht - ich bin doch kein kleines Kind mehr, und schlecht erzogen bin ich erst recht nicht! Gegen das Wort ‚Üben' habe ich jedoch nichts, und es war ihm immer wieder ein Vergnügen, mich etwas üben zu lassen. Es ist also alles nur eine Frage der Definition ...

Das Thema "Strafen" empfanden wir einstimmig als unsinnig. Wenn er Lust hatte, mich zu peitschen oder ich Lust hatte, wieder mal die Gerte zu spüren, dann haben wir das einfach getan - einen Vorwand benötigten wir dafür nicht. Es paßte auch gar nicht zu unserem Spiel: Für mich ist es das Schönste, meinem Liebsten zu liebe das zu tun, was er sich von mir wünscht - egal wie viel Überwindung es mich kostet. Wenn ich etwas nicht konnte, dann lag das einfach daran, daß es - aus welchen Gründen auch immer - über meine Fähigkeiten oder meine Grenzen gegangen wäre, es zu tun. Dafür jemanden zu strafen erschien uns beiden schlicht dumm. Die schönste Belohnung ist sein Stolz auf mich oder seine Freude darüber. Und es erschien uns erstrebenswerter, uns beiden Erfolgserlebnisse zu gönnen, als mich für Mißerfolge zu strafen.

 

 

Veränderungen

Wenn ich so zurückdenke und vergleiche, wie ich gelebt habe und was ich gefühlt habe bzw. wie ich mich gefühlt habe, bevor ich mich so bewußt und intensiv mit SM auseinandergesetzt habe,  und eben jetzt, dann erstaunt es mich immer wieder, welch große Veränderungen mein Leben erfahren hat. Erstaunlicherweise hatte und hat diese Beschäftigung mit SM eine wirklich spürbare Auswirkung auf mein ganzes Leben: Mein Selbstverständnis hat sich verändert, und ich weiß einfach viel genauer, was ich will und was ich nicht will. Daß ich Antworten auf Fragen gefunden habe, die sich mir seit Jahren gestellt hatten, habe ich ja schon geschildert - ich weiß mittlerweile, daß es mir sehr wohl möglich ist, einen Mann als den Stärkeren zu akzeptieren, ohne daß er deswegen psychisch grausam zu mir sein muß. Wie meine Freundin so treffend sagt: "Wer psychisch grausam ist, ist nicht automatisch stärker."

Interessant finde ich auch immer wieder, daß ich mittlerweile sehr viel sensibler auf Macht im Alltag reagiere oder gar auf Machtmißbrauch oder Übergriffe. Ich habe Nein-Sagen gelernt - auch Vorgesetzten gegenüber. Ich habe gelernt es nicht mehr zuzulassen, wenn andere meine Grenzen zu überschreiten versuchen - ich scheue mich nicht mehr, es auszusprechen, wenn andere versuchen, mich zu irgend etwas zu überreden, was ich aus welchen Gründen auch immer nicht will. Ich habe einfach gelernt, daß ich ein Recht darauf habe, Grenzen zu haben und zu diesen zu stehen. Und ich habe gelernt, daß andere kein Recht haben, meine Grenzen zu verletzen.

Umgekehrt hat Toleranz einen noch höheren Stellenwert bekommen für mich - ich bin sicherlich toleranter geworden. Nicht zuletzt deswegen, weil ich mir für uns SMler mehr Toleranz wünschen würde.

 

 

Outing

Ein Thema, das bei mir nicht abgeschlossen ist, sondern im Gegenteil immer aktueller wird, ist Outing. Dabei hat sich der Drang nach Outing im Laufe der Zeit drastisch verändert: Anfangs wußte ich zwar nicht so recht, wie ich das Thema anderen (Freunden, der Familie) gegenüber ansprechen konnte, es war mir aber ein echtes Bedürfnis, am besten gleich der ganzen Welt zu erzählen, wie gut es mir geht, was ich alles über mich herausgefunden und dabei entdeckt hatte, was das Thema SM für mich bedeutet. Vorsichtig begann ich meiner besten Freundin davon zu erzählen - und erntete Entsetzen. Bestimmt ein halbes Jahr habe ich gebraucht, um ihr klar zu machen, daß SM ja nicht unweigerlich bedeutet, 24 Stunden am Tag, in Ketten gefesselt von der Decke zu hängen und verdroschen zu werden. Eines Tages zwang ich sie geradezu mir zuzuhören - ich erzählte ihr, was wir denn eigentlich so machen, erzählte ihr von Augenbinden, ein bisserl mit Seilen experimentieren (erklärte ihr auch, warum ich mir gerade dieses Bett angeschafft hatte). Und sie meinte daraufhin total erstaunt, fast empört: "Ah, so was macht Ihr? Geh, Blödsinn - das ist ja nicht SM!" Seither hat sie ein etwas entspannteres Verhältnis zu diesem Thema. Sie hat mittlerweile auch schon Freunde von mir, die ebenfalls SMler sind, kennengelernt - und sie mag sie! (Warum auch nicht - sind alles liebe Leute, aber SMler waren ihr mal vorerst prinzipiell nicht geheuer; heute sieht sie das etwas anders.)

Das drängendste Problem im Zusammenhang mit Outing hatte ich mit meinen Eltern. Ich habe ein inniges, sehr liebe- und vertrauensvolles Verhältnis zu meiner Familie, mit der ich bisher immer gleichermaßen Freud und Leid geteilt hatte. So war es für mich immer ganz normal, ihnen zu erzählen, was ich in meiner Freizeit unternehme, wen ich treffe oder getroffen habe (sie kannten bis dahin ja fast alle meiner Freunde) etc. - zumal ich ja einen Babysitter benötigte, wenn ich weggehen wollte. 

Und ich fand es ja toll, daß es mir nach der Trennung vom Vater meines Kindes wieder gut ging - um genau zu sein: besser als jemals zuvor ging! Klarerweise wollte ich diese Freude mit ihnen teilen!  Außerdem bin ich ein Mensch, der prinzipiell nicht lügt - unter anderem, weil ich keine Lust habe, mir krampfhaft merken zu müssen, wem ich welche "Geschichte" erzählt habe (reine Verschwendung von Gehirnkapazität - die nutze ich viel lieber für Sinnvolleres). Ich habe sie auch nie belogen, ich habe ihnen sogar sehr viel erzählt, jedoch manche Details weggelassen. Sie wissen, daß das SMart Café mein Stammlokal ist - die Antwort, auf ihre Frage, was ich denn dort so mache, lautet immer: "Naja, rumhängen halt." Oder ich erzähle, wenn sie nachfragen, daß ich auf "eine Art Kostümparty" gehe. Innerlich muß ich ja einerseits  schmunzeln - andererseits ärgere ich mich, daß ich mich nicht mal über solche kleinen Scherze offen amüsieren kann. Ich habe aber nie irgendwelche "Grillfeste" oder "Diaabende" erfunden ...

Immerhin habe ich es mittlerweile aufgegeben, meine Wohnung ständig "Vanilla-sicher" zu machen - es liegen einschlägige Bücher und Zeitschriften rum, genauso wie Folder unseres Vereins. 

Es ist schon eine seltsame Sache mit dem Outing: Ich verstehe ja jeden, der meint, das ginge doch gar niemand etwas an, was ich in meinem Schlafzimmer treibe. Stimmt - sehe ich ganz genau so. Allerdings ist SM definitiv etwas, was sich bei mir nicht nur im Schlafzimmer abspielt, sondern sehr präsent ist in meinem Leben. Zumal sich mein Selbstverständnis dadurch sehr verändert hat, und das ist eindeutig etwas sehr Beglückendes für mich - und das möchte ich gerne gerade mit meinen Eltern teilen ...

Vor allem will ich eines definitiv nicht: daß sie es von jemand anderem erfahren als von mir selbst. Die Gefahr, daß sie sich ein falsches Bild machen (denn was weiß man denn schon allgemein über SM - doch bloß den Quatsch, den man in RTL2-Sendungen u.ä. zu sehen bekommt), ist einfach zu groß. Außerdem will ich nicht, daß sie sich von mir belogen fühlen.

Da ich durch meine Vereinstätigkeit (und damit ist auch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit verbunden) und meine Tätigkeiten in der Szene doch bis zu einem gewissen Grad in der Öffentlichkeit stehe, besteht jedoch durchaus die Möglichkeit, daß sie mal ein Foto von mir zu sehen bekommen oder was auch immer. Da hätte ich dann aber ganz gerne, daß sie es bereits vorher von mir erfahren haben ... und ich werde auch die nächste gute Gelegenheit nützen.

Mittlerweile ist es mir jedenfalls kein solch Drängendes Bedürfnis mehr, es anderen zu erzählen - ich laufe nicht herum und binde es allen auf die Nase, aber wenn das Thema irgendwann mal aufkommt (und das tut es erstaunlich häufig; dürfte also doch wirklich eine Menge Leute beschäftigen), dann halte ich mit meiner Einstellung nicht hinter den Berg.

Das mit meiner besten Freundin war allerdings das einzig eher negative Erlebnis, das ich mit Outing hatte - mittlerweile wissen ein paar meiner Familienmitglieder Bescheid, so gut wie alle meine Freunde, ziemlich viele Arbeitskollegen. In jedem Fall habe ich fast nur positive Reaktionen erlebt - unter der Voraussetzung, daß genügend Zeit in Information gesteckt wurde. Sprich: Alle Leute, die sich zumindest ein paar Minuten Zeit nahmen, um sich auch anzuhören, was ich unter SM verstehe und was das für mich bedeutet, waren positiv überrascht und haben damit überhaupt kein Problem.

Ergänzung

Ich schrieb ja bereits, daß ich meine Wohnung schon länger nicht mehr Vanilla-sicher" mache und bei Gelegenheit mal mit meinen Eltern reden möchte. Nun, es war mittlerweile soweit: 

Am letzten Mittwoch im September paßte meine Mutter auf meinen Sohn auf, während ich im SMart Café war. Als ich heimkam, machte sie im Zuge der noch folgenden Plauderei ziemlich zusammenhanglos die Bemerkung, daß ich "ihr Kind sei und sie mich immer lieben werde - egal, was ich mache oder bin."

Ich hab nicht nachgefragt, was sie eigentlich meint - es war schon spät, und die Gelegenheit schien mir nicht günstig.

Am Samstag fragte mich meine Mutter in einem ruhigen Moment (von ihr organisiert, vermute ich ich), "in was ich da hineingeraten bin" und "ob ich krank bin". Und "was ist SM eigentlich?"

Sie hat nämlich an jenem Abend in meinem Wohnzimmer am Stapel mit den Zeitschriften einen Ausdruck meiner Website gefunden - und gelesen ...

Das Tolle an dem Gespräch war, daß sie besorgt war, alle ihre Fragen aber absolut vorwurfsfrei rüberkamen. Und nach einem rund einstündigen Gespräch war ihr klar, was für mich dahinter steckt, sie war/ist beruhigt. Es war jedenfalls ein wunderschönes, unglaublich offenes Gespräch.

Am amüsantesten fand ich den Teil unseres Gespräches, in dem sie mich darauf ansprach, daß ich bei ihr die Geschichte der O gefunden hatte. Sie meinte: "Und wir haben gedacht, wir hätten es eh gut versteckt!" und wollte wissen, wo denn das Buch jetzt eigentlich ist. Als ich ihr sagte, daß es natürlich noch bei mir ist, meinte sie sofort begeistert: "Hast Du dann vielleicht auch das mit dem Arzt?!?" Ich habe keine Ahnung, von welchem Buch sie da sprach, und sie ist, glaube ich, noch immer enttäuscht, daß ich das Buch nicht habe - das war nämlich ihr Lieblingsbuch.

Abschließend meinte sie, daß sie der Inhalt meiner Geschichte im ersten Moment zwar ziemlich erschüttert hat, daß sie ihr aber irgendwie gefällt - und ermutigte mich weiterzuschreiben.

Dieses Gespräch hat mich sehr glücklich gemacht - ich mochte die Heimlichtuerei meinen Eltern gegenüber ja nie. 

Mittlerweile weiß meine gesamte Familie Bescheid, und ich fühle mich erleichtert - ist einfach ein schönes Gefühl, so tolle Eltern zu haben, mit denen man so offen über alles reden kann ...

 

 

Neue Partnerschaft

Ich habe viel über Partnersuche nachgedacht und auch einiges geschrieben - perfekte Lösung habe ich natürlich keine gefunden. Ich habe jedoch wiederholt die Erfahrung gemacht, daß es für mich nicht der richtige Weg ist, einen Partner zu suchen. Wann immer ich auf Partnersuche war - weil ich mich einsam, nicht vollständig fühlte - brachte das nicht wirklich etwas. Ein paar spaßige Begebenheiten vielleicht, aber am Ende stand immer wieder die Erkenntnis: Quatsch, das mach ich nimmer (z.b. Inserate in Singelbörsen aufgeben oder beantworten).

Conclusio für mich: Wenn ich mich nach einem Partner sehne, unbedingt einen "haben" will, dann ist das eindeutig der falsche Zeitpunkt für eine neue Partnerschaft. Erst, wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, meine Mitte wieder gefunden habe, mit mir und meinem Leben voll zufrieden bin - wenn ich gar keinen Partner mehr will bzw. brauche! - dann schnackelts plötzlich.

Und genau so war es auch dieses Mal: Ca. ein viertel Jahr nach dem Ende meiner letzten Beziehung merkte ich langsam, daß ich aufhörte, mich nach einem Partner (wohlgemerkt nicht nach 'meinem Ex-Partner', sondern nach 'einem Partner') zu sehnen. Ich gewann immer mehr den vollen Spaß an meinem Singelleben zurück, genoß meine Abende zu Hause und begann mich wieder so richtig wohl zu fühlen in meiner Haut. Und dann geschah es einfach - allerdings schleichend, um genau zu sein:

Eines Tages Anfang August 2001, während mein Sohn mit meinen Eltern auf Urlaub war, ergab es sich, daß mich ein Bekannter einiges über SM fragen wollte, und so gingen wir abends essen. Es war ein wunderschöner, sehr intensiver, offener Abend, an dem wir über so viele Dinge redeten - und die Zeit verging wie im Flug! Ich ertappte mich immer wieder dabei, ihm ganz ohne Scheu sehr intime Dinge zu erzählen, z.B. Phantasien, von denen ich manche noch nie jemandem erzählt hatte. Ich war echt erstaunt, aber die ganze Atmosphäre war so wunderschön, und es war, als kannten wir einander schon ewig! (Sehr klischeehaft, aber wahr.) Auch er erzählte Begebenheiten aus seinem Leben, über die er sonst noch nie mit jemandem geredet hatte - es war wirklich ein besonderer Abend. Und plötzlich merkte ich, daß mich dieser Mann, mit dem ich mich bisher zwar gut verstanden hatte, der mir aber nie irgendwie besonders aufgefallen war, mich zu faszinieren begann. Und ihm schien es nicht anders zu gehen, auch er schien von mir fasziniert zu sein ... Allerdings dachte ich immer wieder: "Er ist nicht nur kein SMler, er ist noch dazu ein Geschäftspartner - laß die Finger davon!!!"

Aber das ging nicht, es geschah einfach: Er küßte mich, und ich genoß das soo sehr! Je mehr Zeit wir mit einander verbrachten - zuerst wenig und nur manchmal, dann immer öfter und mehr -, desto schöner und intensiver wurde es. 

Dabei hatte ich ihm nach kurzer Zeit gesagt, daß ich für diese Sache keine Zukunft sehe, weil ich das Gefühl hatte, für eine neue Beziehung wäre es zu früh. Außerdem hatte ich echt ein Problem damit, daß er kein SMler war - ich konnte und kann mir keine Beziehung mehr komplett ohne SM (bzw. vor allem DS) vorstellen. Er hat die Trennung höchst ungern, aber doch akzeptiert. 

Doch nach einer Woche hatte ich wieder heftig Sehnsucht nach ihm - seither haben wir mehr und mehr Zeit mit einander verbracht und mehr und mehr mit einander geredet, und irgendwann hab ich plötzlich gemerkt, daß ich mich heftig verliebt hatte. Ganz schleichend, aber es geht tief ...

Echt spannend ist das Thema SM zwischen uns: Das ist etwas, das ihn eindeutig interessiert - mit Fragen darüber hat's ja zwischen uns begonnen. Und so wie es aussieht, interessiert es ihn nicht nur in der Theorie - im Gegenteil, wir müssen mittlerweile eher vorsichtig sein, um nicht zu viel auf einmal auszuprobieren.

Ich hatte vorher gedacht, daß es für einen neunen Partner ja ziemlich schwierig sein würde - zumindest für einen Mann, der vorher keine Erfahrung mit SM hatte. Ich weiß ja schon ziemlich genau, was ich in puncto SM mag und will, bin schon ein ziemliches Stück des Weges voraus. Doch jetzt ist alles ganz neu für mich, denn wir haben ziemlich schnell entdeckt, daß wir beide einfach auch mal beide Seiten ausprobieren wollen. Er weiß sowieso noch nicht, was er wirklich will, und ich kann mir bei ihm erstaunlicherweise auch sehr gut vorstellen, in die Top-Rolle zu schlüpfen. Plötzlich nix mehr mit Angst davor, den Respekt vor ihm zu verlieren ... Im Gegenteil: Mit ihm kann ich mir Sachen vorstellen, an die ich noch nie im Zusammenhang mit realen Personen gedacht hatte, stelle es mir geradezu toll vor, einige meine dominanten Phantasien mit ihm in die Tat umzusetzen.

Mal sehen, was draus wird - behutsam und langsam ist jedenfalls für uns beide die Devise. Denn in dieser Situation beginnen wir beide bei Null. Wie gesagt: Sehr spannend. Und schön!

 

 

Doch zu früh - das Ende einer Beziehung

Drei Monate - so lange brauchte ich, um mir klar darüber zu werden (und es auch zu akzeptieren), daß es tatsächlich noch zu früh für eine neue Beziehung ist. Es ging viel weniger darum, daß mir SM bzw. im Speziellen DS abging - ich merkte nur immer deutlicher, daß ich noch unheimlich viel Zeit für mich brauche. Ich war unleidlich, wenn ich das Gefühl bekam, er wolle meine Zeit "beschneiden" - obwohl er verständlicherweise einfach nur Zeit mit mir gemeinsam verbringen wollte, legte ich erstaunlich großen Wert darauf, möglichst viel Zeit alleine verbringen zu können.

Nun, das ist keine Basis für eine funktionierende, schöne, erfüllende Beziehung. Egal wie gerne ich diesen Mann habe - es reicht einfach nicht ...

Leider - ich bin sehr traurig darüber. Aber ich will keine Beziehung, in der ich mich einerseits ständig bemühe, die Bedürfnisse meines Partners zu erfüllen (ohne meine komplett zu ignorieren), und andererseits gleichzeitig weiß, daß seine Bedürfnisse mit dem, was ich ihm geben kann/will, einfach zu kurz kommen.

Besser gar keine Beziehung als eine schlechte, in der es beiden Partnern nicht gut geht.

 

 

Gedanken ...

 

... über DS und 24/7

Nachstehende Texte "Will ich 24/7???" und "Wie ich mir das vorstellen könnte ..." entstanden im Zeitraum von Mai bis Juli 1999. Einige Dinge sehe ich nach wie vor genau so - bei anderen bin ich im Laufe der Zeit drauf gekommen, daß ich 24/7 (aus welchen Gründen auch immer) eigentlich bloß als Lösung meiner Probleme sah. Ich glaubte tatsächlich, daß eine 24/7-Beziehung die für mich perfekte Beziehung ist, weil ich damit automatisch all das bekommen würde, was ich mir von einem Partner wünsche, und auch endlich all das geben dürfte, was ich so gerne meinem Partner geben möchte.

Daß ich mittlerweile weiß, daß das so nicht stimmt, findet Ihr weiter unten - also bitte seht dieses Kapitel in seiner Gesamtheit und versteht nicht nur Passagen daraus als meine Meinung zum Thema DS bzw. 24/7.

Will ich 24/7???

Ja und Nein. Über diese Frage habe ich lange nachgedacht und das Ergebnis ist, daß ich mir nun sicher bin, daß unter 24/7 jeder etwas anderes versteht. Und daß 24/7 eine ganz besondere Innigkeit zwischen den Partnern voraussetzt und beiderseitigen großen Respekt. Daß da eine außergewöhnliche Vertrautheit die Basis ist - und außergewöhnliches Vertrauen. Daß beide gemeinsam einfach sehr bewußt gewisse Dinge wahrnehmen, die für Partnerschaften eigentlich normal sind (oder sein sollten) - das immer für einander da sein, dem anderen etwas Liebes tun bzw. zuliebe tun etc.

Der Top bekommt von seiner Sub alles, was er sich von ihr wünscht - wobei es ihr eine Freude, ein Bedürfnis ist, seine Wünsche zu erfüllen (mit ein Grund warum: Sie weiß, er wird nichts Unmögliches von ihr verlangen, also ihre Grenzen respektieren wie er sie als Mensch, als Frau respektiert und wertschätzt). Sie ist immer für ihn da, wenn er sie braucht - und sie respektiert und liebt ihn und gibt sich ihm voller Freude hin ...

Der Top ist sich allerdings auch der Verantwortung bewußt, die er übernimmt: Er bringt seine Sub immer wieder an ihre Grenzen, lotet sie aus und - mit ihrer Einstimmung - verschiebt sie vorsichtig zum beiderseitigen Gefallen. Das bedingt praktisch grenzenloses Vertrauen der Sub zu ihrem Top - und ein Fallenlassen ihrerseits. Genauso wie ein Auffangen durch den Top - denn er ist genauso immer für sie da (wenn auch nicht gerade Hingabe, so bestimmt doch seine Liebe zu ihr sein Handeln) ...

Das war das Ja auf die obige Frage. Denn mit obigen Aussagen über Subs kann ich mich 100 %-ig identifizieren. Und das, was ich über die Rolle des Tops zusammengefaßt habe, ist auch das, was ich mir von meinem Partner voll und ganz wünsche.

Das Nein: Ich kann mir nichts vorstellen, was die Selbstaufgabe der Sub erfordern würde bzw. tatsächlich ihre Menschenwürde verletzt. Doch das Schöne ist ja: Gut ist, was beiden gefällt! Man muß ja nichts machen - ist ja kein Wettbewerb! Aber man kann alles machen bzw. vereinbaren, was beiden gefällt ...

Wie ich mir das vorstellen könnte ...

Für mich bedeutet DS bzw. 24/7, daß sich mein Partner 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche meiner sicher sein kann: Er ist immer präsent für mich, ich bin immer für ihn da, werde versuchen, alle seine Wünsche und Bitten (und auch so manchen Befehl, den er dann doch hin und wieder für mich hat) Folge zu leisten - denn ich weiß, er wird mich nie um etwas bitten, was ich selbst nicht zu geben bereit wäre (und wenn ich es "bloß" aus Hingabe für ihn probiere - wenn's nicht gefällt, werde ich's sicher kein zweites Mal tun "müssen"). Ich möchte ihm mittels kleiner Annehmlichkeiten zeigen, wie wertvoll er für mich ist - und sei es durch so Unwichtigkeiten wie ihm einen Kaffee zuzubereiten (was für mich so absolut gar keine unwichtige Rolle in meiner Beziehung zum Vater meines Kindes spielte - aber das ist eine andere Geschichte). Genauso, wie ich ihm durch kleinere und größere Zärtlichkeitsbekundungen meine Zuneigung zeigen möchte. 

Nein, ich werde nicht vor ihm knien und meine Augen demütig gesenkt haben oder immer nackt, nur bekleidet mit einem Halsband, in der Wohnung herumlaufen (denn es würde ihn nicht befriedigen, das von mir zu verlangen; und ich würde es nicht wirklich gerne machen) - aber ich werde mich zu seinen Füßen setzen, wenn mir danach ist (oder wenn er mich darum ersucht), und ich werde mich an seine Knie anlehnen und es genießen, wenn er mir den Kopf oder den Nacken streichelt. Und: Nein, er tätschelt mir den Kopf nicht - denn ich bin nicht sein Schoßhund. Es lebe der feine kleine Unterschied im Kopf! Er wird mir auch nicht täglich sagen, was ich anzuziehen habe - wenn er mal einen besonderen Wunsch hat, werde ich ihn natürlich erfüllen. Er wird meine persönliche Freiheit in keiner Weise durch Anweisungen bzgl. Toilettenbenutzung oder Ähnliches einschränken. 

Er wird nicht versuchen, mich zu erziehen, zu ändern - denn er respektiert mich so wie ich bin. Aber ich kann endlich bei ihm so schwach sein, wie ich will - er ist da. Und ich bin sicher, daß er mich - ebenso wie in unseren SM-Sessions - auch im echten Leben auffängt ... 

Die Basis all dessen: tiefe Innigkeit und Zuneigung, Vertrauen und Respekt - beiderseitig. Ständig.

4. August 2000 - Ergänzung/Korrekturen zu obigem Text

Tja, ich habe damals versucht, meine Gedanken zu ordnen, mir meiner Gefühle klar zu werden, indem ich sie in Worte faßte und aufschrieb. Das hat auch ganz gut geklappt, denn es dauerte tatsächlich nicht lange, bis ich wußte, was ich will (bzw. wollte; in der Zwischenzeit sehe ich ja manches ein wenig anders).

An 24/7 denke ich mittlerweile nicht mehr so verbissen wie damals - weil sich meine Sicht der Dinge geändert (normalisiert?) hat: Ich sehe 24/7 absolut nimmer als Basis einer guten Beziehung an (wie kam ich jemals zu dieser seltsamen Meinung??), sondern höchstens als beglückende Ergänzung.

Was ich schon damals geahnt habe und mittlerweile ganz sicher weiß: Die ganze 24/7-Geschichte enthält in meinen Augen soo viele Komponenten, die ich mir einfach in einer wirklich schönen, guten Partnerschaft wünsche. Damals versuchte ich den umgekehrten Weg zu gehen: Ich wünschte mir eine 24/7-Beziehung, weil ich davon ausging, damit "automatisch" all das zu bekommen, was ich mir so sehr von einem Partner wünschte - Geborgenheit, die Möglichkeit, ganz ich sein zu können/dürfen/sollen, Sicherheit, nicht verlassen zu werden, etc. ... Denn die 24/7-Paare, die ich kenne, arbeiten an ihrer Beziehung. Ich fand es einfach unglaublich schön und erstrebenswert, eine Beziehung nicht einfach nur unverbindlich plätschern zu lassen, sondern gemeinsam die Verantwortung dafür zu übernehmen (und das widerspricht dem Gedanken von 24/7 in meinen Augen absolut nicht !), gemeinsam etwas für die Beziehung tun ...

Alles natürlich Quatsch. Denn man muß nicht 24/7 leben, um eine erfüllende, schöne Beziehung zu haben, für die beide die Verantwortung übernehmen, für die beide gemeinsam etwas tun! Und man muß nicht in einer 24/7-Beziehung leben, um das Gefühl von Sicherheit zu erleben und zu spüren, wie sehr einen der Partner liebt!!

Aber ich kann es mir nach wie vor sehr gut vorstellen, daß sich eine gute Beziehung, eine erfüllende Partnerschaft irgendwann mal Richtung 24/7 bewegt ...

Kurz gesagt: Mein ach-so-intensiver Wunsch nach einer 24/7-Beziehung war alles bloß reine Angst vor dem Verlassenwerden. Und die Sehnsucht danach, wirklich dafür geliebt zu werden, wie ich eben bin - mit all meinen positiven Eigenschaften genauso wie mit meinen Macken und Fehlern. Und vor allem will ich auch dafür geliebt werden, daß ich nicht immer nur die Starke bin, sondern nun endlich auch mal zeigen kann, daß ich auch schwach bin ...

Die Angst, verlassen zu werden, hab ich jetzt nimmer. Liegt es daran, daß ich wieder weiß, daß ich ganz gut alleine zurecht komme? Jein. Auch, aber garantiert nicht nur. Und auch diese fast schmerzende Sehnsucht nach echter, tiefer Zuneigung verspüre ich nimmer. Weil ich sie nimmer brauche oder will? Nein, das ist ganz sicher nicht der Grund. Ich glaube, es liegt vor allem daran, daß mein Selbstverständnis ein anderes geworden ist. Und auch daran, daß mein Selbstwertgefühl gestiegen ist.

Ich wünsche mir nicht mehr mit aller Kraft einen Partner, sondern ich habe die ruhige Gewißheit, daß ich erst einmal meine Mitte wieder finden muß. Erst, wenn es mir mit mir alleine gut geht, wenn ich sozusagen gar keinen Partner brauche,  dann wird er plötzlich da sein. 

Ach ja, ...

Ein paar ganz wichtige Dinge gibt es noch, die ich mittlerweile ganz anders sehe als ich es zu Beginn dieses Kapitels beschreibe - ein Zeichen dafür, daß sich Vorlieben im Laufe der Zeit sehr verändern können bzw. dafür, daß ich im Laufe der Zeit auf immer neue Dinge stoßen kann, die mir ganz besonders gut gefallen:

Offenbar war mir damals nicht bewußt, daß es mich unheimlich kickt, Befehlen zu gehorchen. Daß das der Fall sein könnte, paßte einfach nicht in mein Bild von mir - aber es ist so: Aus welchen Gründen auch immer, ich finde es ungeheuer erotisch, wenn mir mein Partner (mit einer ganz bestimmten Art von Blick und einem Tonfall, bei dem ich ganz wackelige Knie bekomme, wenn ich nur daran denke) etwas anschafft. Das für mich immer wieder Amüsante daran ist, daß es dabei völlig unerheblich ist, ob ich etwas an sich Erotisches angeschafft bekomme oder etwas ganz Alltägliches (wie z.B. Kaffeekochen) - der Kick daran ist nicht was mir angeschafft wird, sondern daß mir etwas angeschafft wird bzw. eigentlich wie mir etwas angeschafft wird.

Ich hätte auch nie gedacht, daß ich mal das Bedürfnis haben würde, vor meinem Partner zu knien. Und doch ist es so! Ich habe wunderschöne Augenblicke erlebt, in denen es mir ein dermaßen riesengroßes Bedürfnis war, vor meinem Partner zu knien, meinen Kopf in seinen Schoß zu legen und einfach nur dankbar zu sein, daß ich diese Augenblicke erlebe ... - ich denke heute noch mit großer Freude daran zurück!

Eines weiß ich mittlerweile mit ziemlicher Sicherheit: Eine Beziehung ohne intensiver DS-Komponente, eine Beziehung, in der ich mein Bedürfnis nach dieser Art der Hingabe nicht ausleben kann, kann ich mir derzeit absolut nicht vorstellen.

 

 

Verantwortung von Subs

Ein Widerspruch in sich?

Ist das Leben als Sub nicht wunderbar? Bar jeder Verantwortung, niemals mehr den Kopf zerbrechen über mögliche Folgen des eigenen Tuns, eigentlich ja überhaupt kein eigenes Tun, sondern ausschließlich promptes und süßes Befolgen herrlich kickender Befehle – das Paradies auf Erden! 

Dazu noch Top, der mich auf Händen trägt, meine geheimsten Gedanken erahnt, mir meine Wünsche von den Augen abliest, jederzeit auf mich aufpaßt – kurz: Auf Top kann ich mich in jeder Situation blind verlassen. Eben Paradies auf Erden!

Oder vielleicht doch nicht?! Vielleicht muß Sub doch hin und wieder den eigenen Verstand einschalten? Vielleicht hat Sub sogar ganz dezidiert die Pflicht dazu? Unabhängig von Befehlen ...?!

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich meine ganz speziell Spielsituationen, keine Alltagssituationen, in denen es „ja eh klar ist“, daß Sub selbständig denken muß (z. B. im Beruf). Ich rede ganz bewußt von Spielsituationen, in denen Sub keine eigene Meinung und keine eigenen Bedürfnisse hat (?), keinerlei Wünsche zu äußern hat (?). Ich rede von diesen geilen Momenten, in denen ich all das gar nicht will!

Aber halt – da ist sie wieder, unsere Pflicht als Sub! Auch in diesen wunderschönen Momenten dürfen wir eines nicht vergessen: Ja, klar, Top ist einfach unübertrefflich! Aber: Top ist vor allem auch ein Mensch – und sicher kein Gedankenleser!

Wenn mir meine Hand wegen der Fesseln einschläft, meine Zehen Höllenqualen leiden wegen der hohen Schuhe, wenn irgend etwas nicht stimmt, dann habe ich die Pflicht, das Top zu sagen. Rechtzeitig. Und nicht drauf zu warten, daß er es endlich von selbst merkt (dann vielleicht noch böse auf ihn sein, weil er ja so unsensibel ist). Denn das liegt in meiner ureigenen, unabwälzbaren Verantwortung.

Bei aller Geilheit: Top hat auch das Recht, sich auf Sub verlassen zu können. Nicht nur umgekehrt.

 

 

SM und Eltern-Sein

Ich habe - wie ich ja bereits erwähnte - einen Sohn, der mir natürlich ganz besonders am Herzen liegt. Da ich mich anfangs oft hin und hergerissen fühlte zwischen meinen eigenen Bedürfnissen und dem Wunsch, meinem Kind eine gute Mutter zu sein, habe ich eine Mailingliste gegründet: SMel - SM und Eltern-Sein.

Auf SMel geht es vor allem um den Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern, und ich habe über diese Liste viele Antworten auf Fragen gefunden. Mittlerweile habe ich auch in Bezug auf dieses Thema meinen Weg gefunden - ich weiß mittlerweile, wie ich meine Art von SM leben kann und dabei eine gute Mutter für mein Kind sein kann. Ist eigentlich gar nicht so schwer ...

Wie sehr dieses Thema aber auch andere Eltern beschäftigt, habe ich bei einem Themenabend der Libertine gemerkt, über den ich in weiterer Folge dann auch einen Artikel für die Vereinszeitschrift schrieb:

Der etwas andere „Elternabend“ ...

Es gibt mehr davon, als man auf den ersten Blick in der Szene vermuten würde: SMler mit Kindern. Und auch Paare, die zwar noch keine Kinder haben, sich aber welche wünschen oder gar schon mitten in der Planungsphase befinden

Zum Libertine-Themenabend „SM & Eltern-sein“ fand sich eine erfreulich große Runde Betroffener und Interessierter ein, um dieses Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Es wurde – wie auch schon bei Diskussionen auf unterschiedlichen Mailinglisten – darüber gesprochen, welche Probleme es denn überhaupt gibt und vor allem darüber diskutiert, ob und wie man sie lösen kann.

Eines war allen Anwesenden spätestens nach den ersten Schilderungen klar: SM-Eltern haben – zusätzlich zu den „normalen“ Sorgen von SMlern – ganz besondere Probleme.

So ist z.B. neben der Outfit-Frage vor Partys noch viel dringender zu klären, wer denn in dieser Zeit auf die Kinder aufpaßt. Mal einfach so und ungeplant beim Stammtisch vorbeizuschauen ist undenkbar, wenn man nicht weiß, wo man die Kinder in der Zwischenzeit unterbringen kann. Kurz: Der Besuch jeglicher Party und ähnlicher einschlägiger Events bedarf üblicherweise geradezu generalstabsmäßiger Planung im Voraus.

All das sind allerdings Fragen, die sich auch andere Eltern stellen – der persönliche Freiraum wird einfach kleiner, wenn man Kinder hat. Auf welche Art von Party man nicht gehen kann, weil mal wieder der Babysitter ausgefallen ist, ist dabei ja eigentlich nebensächlich.

Viel spezifischer sind da schon folgende Punkte und Fragen, die zum Teil einfach unbequem und lästig sind, denen man als Eltern zum Teil aber auch schlicht rat- oder noch schlimmer hilflos gegenüber steht:

Was folgt auf eine gelungene Session – sanftes Ausklingen mit Endloskuscheln oder eine gewaltige Aufräumaktion?

Die x-te Session in Folge wurde durch Babygeschrei oder ein dezentes „Mami, ich habe Durst!!!!“ unterbrochen? Die erzwungene rasche Rückkehr aus dem Subspace hinterläßt oft tiefe Spuren bis hin zu massiven Depressionen.

Sub und der stolze Dom erfreuen sich an einem wunderschönen Intimpiercing? Fein! Und was antwortet man auf die erstaunten Fragen der Sprößlinge?!

Endlich einmal hat die Gerte genau jene Spuren hinterlassen, auf die man seit Monaten sehnsüchtig wartet und die man am liebsten jedermann zeigen möchte? Toll! Und wie reagiert man auf die besorgten Mitleidsbekundungen der Kinder?

Die Liste ließe sich noch weiterführen – eine zentrale Frage läßt sich aber bereits aus diesen wenigen Beispielen ableiten:

Was sagen wir wann und vor allem wie unseren Kindern?

Dazu gibt es verschiedene Lösungsansätze:

Auf der einen Seite gibt es viele Eltern, die strikt alles von den Kindern fernhalten, was mit dem Thema SM zu tun hat. Aus vielfältigen Gründen wie z.B.:

Um den Kindern nicht eine bestimmte Art von Sexualität aufzudrängen, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren eigenen Weg zu finden.  („Warum sollen wir das offen vor den Kindern ausleben – wir würden ihnen ja auch nicht detailliert schildern, was unsere Lieblingsstellung ist!?“)

Um zu verhindern, daß die Kinder Details weitererzählen, die in weiterer Folge vielleicht sogar für die Kinder selbst zu Ausgrenzung führen („Deine Eltern sind ja Perverse!“ oder „Mein Kind lasse ich sicher nicht mit den Kindern von solchen Menschen spielen!“)

Sorge vor einem – sei’s auch unbeabsichtigten – Zwangsouting durch die Kinder und die möglichen Folgen davon (z.B. befürchten viele Geschiedene in diesem Zusammenhang Probleme bzgl. des Sorgerechts für die Kinder.)

Gerade dieser Ansatz führt oft zu einer besonderen Beschneidung des persönlichen Freiraumes der Eltern. Gerade in diesem Fall muß eben das Spielzeug nach jeder Session penibel wieder weggeräumt und unter Verschluß gehalten werden. Gerade dieser Weg führt zu einem Versteckspiel, das oft unglaublich belastend für alle Beteiligten ist. So erinnere ich mich noch sehr gut an einen Bericht, den eine betroffene Mutter vor Monaten auf einer Mailingliste postete, in dem sie bedauernd schilderte, daß sie nicht mehr mit ihren kleinen Kindern badet, seit sie ein Intimpiercing hat. Muß das nicht auch für die Kinder schrecklich sein ...?

Kinder spüren erstaunlich viele Dinge und erfassen bedenklich viele Zusammenhänge. Auch oder gerade wenn man versucht, gewisse Themen mit Zurückhaltung zu behandeln!

Kinder lernen doch vor allem durch Vorleben. Und Kindern durch Tabuisieren vorzuleben, daß man über Erotik/Sexualität (und somit auch SM) nicht  spricht, kann doch nicht in unserer Absicht liegen?!

Der gegenteilige Ansatz der totalen Offenheit hat sicherlich auch noch andere wichtige Vorteile wie z.B.:

Keine kräfteraubenden, nervenzehrenden Versteckspiele (Hier setzt fast unweigerlich eine Diskussion zum Thema Outing ein.)

Weniger Chancen für die fatale Spirale, daß man sich auf der einen Seite selbst beschneidet, andererseits – zumindest unterbewußt – den Kindern vorwirft, daß man nicht einmal annähernd so leben kann, wie man das eigentlich möchte, und durch sie eingeschränkt ist.

Ein Paar schilderte anschaulich, wie gut und schön es funktionieren kann, wenn man total offen mit dem Thema SM umgeht – offen innerhalb der gesamten Familie und auch außerhalb. Natürlich mag es da hilfreich sein, daß diese Familie den „Künstlerbonus“ hat, aufgrund dessen die Umgebung sowieso jede Verrücktheit gelassen akzeptiert – aber ob das tatsächlich der einzige Grund ist, warum das so beneidenswert gut in dieser Familie funktioniert ...?

Einige Punkte haben sich jedenfalls im Laufe des  Themenabends „SM & Eltern-Sein“ als besonders bedeutend herauskristallisiert:

Es muß in jedem Fall eine für die Eltern praktikable Lösung sein: Ewige Selbstkasteiung um jeden Preis führt auf lange Sicht zu Verbitterung und Vorwürfen; schonungslose Offenheit jedoch wirkt nicht automatisch für alle Betroffenen befreiend, sondern kann – vor allem für die damit Konfrontierten – höchst belastend sein.

Man muß den Kindern ja nichts aufdrängen – auf Fragen zu antworten statt zu schweigen ist aber sicher nicht verkehrt.

Egal, was man den Kindern sagt oder sie sehen läßt – in jedem Fall muß es altersgerecht sein und darf sie nicht überfordern.

Egal, ob man den Kindern etwas sagt oder nicht: Genau wie in jeder anderen Familie zählt vor allem das Vorleben, die Vorbildwirkung. Eine liebevolle, harmonische Umgebung, eingebettet und behütet zu sein in einer gefühlvollen und herzlichen Familie – das ist es, was für Kinder am allerwichtigsten ist. Dann kann sie auch mal rumliegendes Spielzeug der Eltern, ein paar Striemen am Hintern, ein Intimpiercing oder Ähnliches nicht wirklich aus dem Gleichgewicht bringen.

Jedes der am Themenabend beteiligten Paare mit Kindern konnte mit der einen oder anderen Anekdote aufwarten – und aus allen lies sich eines ableiten: Ein natürlicher, unbefangener Umgang mit diesem Thema ist ein guter Anfang:

Kindern fast jeden Alters kann man klar und verständlich machen, daß sie ihr Spielzeug und die Eltern eben auch ihr Spielzeug haben (Beschwerden der Kinder, daß die Handschellen der Eltern aber viel besser seien als die aus der eigenen Spielzeugkiste, muß man halt in Kauf nehmen).

Auch jüngere Kinder akzeptieren ohne Erstaunen die Erklärung, daß man schon mal blaue Flecken oder ähnliches bekommen kann, wenn man mal ein bißchen heftiger knuddelt und drückt.

In jedem Fall war es ein gelungener, höchst informativer und auch sehr spaßiger Abend. Manche von uns wurden von verschieden Zweifeln befreit, andere fanden sich in ihrer Sicht bzw. Vorgangsweise bestätigt, und wieder andere haben durch diesen Abend mehr Mut zur Offenheit geschöpft.

Abschließend ein sehr treffendes Zitat aus der Diskussion: "Wir sind unseren Kindern zumutbar!" Vielleicht sollten wir gerade diesen Satz verinnerlichen ...

 ~

Zum diesem Thema gibt es mittlerweile seit September 2000 die erste deutschsprachige Mailingliste SMel: Erfahrungsaustausch und Diskussionen zum Thema "SM & Eltern-Sein".

Ein Forum für SM-Eltern: Mütter, Väter und solche, die es noch werden wollen; AlleinerzieherInnen und Paare - alle, die sich mit Fragen wie z.B. "Was sage ich wie und vor allem wann meinem Kind?" beschäftigen. 

In kleinem Rahmen können auch sehr persönliche SM-/Eltern-/Kind-Probleme ausführlich besprochen werden.

Wer mit uns auf dieser Mailingliste über dieses Thema diskutieren möchte, wer Erfahrungsaustausch sucht, ist herzlich zur Teilnahme eingeladen! Ein (leeres) Mail an die Adresse SMel-subscribe@yahoogroups.de genügt.

 

 

Die Szene und ihre Funktion

Mein erster Kontakt mit der Szene kam durch meinen damaligen Freund zustande: Er erzählte mir, daß es da eine Party gebe, auf die er gehen möchte, wir nahmen per Mail Kontakt auf zu den Veranstaltern, um uns darüber zu informieren, was ich anziehen könnte, und gingen hin. 

Es war eine der besten und größten Partys in Wien - die Power, Pain & Pleasure-Party -, die jetzt leider nicht mehr stattfindet. Es war im Juni 1999, und die Location war einfach umwerfend: Ein mehrstöckiger Keller mit Sandboden, vielen verwinkelten Treppen, Ketten und vielem mehr, was sich so immer in meinen Phantasien findet. Und ich war von der ersten Sekunde an völlig überfordert. 

Mein damaliger Freund blieb Gott sei Dank brav an meiner Seite - wenn er sich länger als 1 Minuten weiter als 3 m von mir entfernt hätte, wäre ich sicher schreiend davon gerannt.

Dabei passierte dort doch gar nichts - ich kann jetzt im Nachhinein überhaupt nicht mehr nachvollziehen, was mich so überfordert hat. Ich war einfach von der Location und von den "Kostümen" so dermaßen beeindruckt ... Hätten wir dort nicht ein Paar getroffen, das mir z.B. erklärte, daß man die Leute auch ruhig eingehend betrachten darf, ich wäre vermutlich sehr bald gegangen, denn ich wußte nicht einmal, wo ich überall hinsehen darf, ohne damit jemandem zu nahe zu treten! So wurde es jedoch ein toller, eindrucksvoller Abend, an dem ich vieles gesehen habe, das mir seehr gut gefiel.

Im Nachhinein betrachtet würde ich es jedoch heute ganz sicher anders machen. Gleich als aller ersten Kontakt zur Szene eine Party dieser Größe zu wählen, war nicht der beste Weg - heute würde ich erst einmal Kontakt aufnehmen zu einer lokalen SM-Gruppe (egal, ob per Mail oder per Telefon) und würde bevorzugt zu einem "Einsteiger-Treffen" gehen. Auch in Wien gibt es seit Juni 2001 solche Treffen, die sich ganz speziell an Interessierte und Neugierige richten, die noch keinen Kontakt zur Szene hatten - bei so etwas wäre ich im ersten Schritt weit besser aufgehoben gewesen als auf einer Party.

In jedem Fall halte ich die Szene aus verschiedenen Gründen für wichtig und gut - und gerade Wien hat eine aktive Szene mit tollen Angeboten! Alleine schon das SMart Café ist in seiner Art in Europa einzigartig und mehr als bloß einen Besuch wert! Ich finde es auch höchst angenehm, daß das Angebot in Wien z.B. viele verschiedene Partys und Stammtische umfaßt. 

Was aber in meinen Augen das Allerwichtigste und der beste Grund für Kontakt mit der Szene ist: Dort findet man Menschen, mit denen man reden kann. Menschen, die in irgend einer Art und Weise ähnliche Interessen bzgl. Sexualität haben. Menschen, mit denen man offen und ohne Scheu über alles reden kann. Menschen, vor denen man diesen Aspekt seiner Selbst nicht verstecken muß. 

Ich hatte in den letzten Jahren Kontakt zu vielen Menschen im ganzen deutschsprachigen Raum, und dabei kristallisierten sich einige Probleme im Zusammenhang mit SM als relativ häufig heraus: Angst, einschlägige Phantasien bzw. das Interesse an SM dem Partner zu "gestehen"; Sorge krank zu sein, weil man diese Wünsche und Bedürfnisse verspürt; das Gefühl, mit seinen Phantasien, Wünschen, Gedanken und auch Sorgen und Ängsten ganz allein zu sein, niemanden zu haben, der das nachvollziehen kann oder gar das Interesse teilt; u.v.m.

Etwas, das ich ganz besonders zu schätzen gelernt habe, ist der völlig offene, gelassene und zum Großteil heitere und lockere Umgang mit dem Thema SM - von wegen "SM ist eine todernste Sache", so ein Blödsinn, es ist herrlich, darüber auch witzeln und lachen zu können!

Ein weiterer Aspekt, den ich als sehr wichtig und hilfreich empfinde, ist der Erfahrungsaustausch, der in der Szene fast unweigerlich stattfindet. Abgesehen davon, daß zum Teil echt tolle Seminare und Workshops angeboten werden, kann man auch in diversen Gesprächen bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten wie z.B. Stammtischen sehr viel über gewisse Praktiken erfahren oder darüber, worauf man aufpassen muß. 

Mich hat z.B. eine Begebenheit mit einem Paar ziemlich erschüttert, die beide schon seit einiger Zeit SMler waren, aber noch keinen Kontakt zur Szene gehabt hatten: Auf ihrer ersten Party spielten sie, und es war bald sehr offensichtlich, daß sie sich noch nie Gedanken darüber gemacht hatten, ob es nicht Stellen gibt, auf die man z.B. bei Schlägen wegen besonderer Verletzungsgefahr aufpassen muß - so hagelte es z.B. (Gott sei Dank leichte) Schläge auf die Nieren. Im anschließenden Gespräch hatten die beiden einige Aha-Erlebnisse, und soviel ich weiß, haben sie anschließend einige Workshops besucht.

Ich kann wirklich nur jeder/jedem am Thema SM Interessierten empfehlen, den Kontakt zu anderen aufzunehmen - wie heißt's so schön? "Wir beißen niemanden, der das nicht will." :-))

Ich persönlich habe in der Szene mittlerweile nicht nur liebe Bekannte, sondern wirklich enge und gute Freunde gefunden. 

 

 

Blödsinn

Es gibt Sätze, Handlungen und diverse andere Sachen, die mich echt wütend machen - manches macht mich auch traurig oder ratlos oder erschüttert mich. In diesem Kapitel werde ich nach und nach solche Dinge sammeln.

Sätze wie "Wenn du ein(e) echte(r) Sub sein willst, dann mußt du das so machen!" oder "Ich weiß schon, was für dich gut ist!" oder "Zu richtigem SM gehört das aber dazu!" oder ähnliche.

Es ist zum Teil echt faszinierend, welchen Schwachsinn manche Möchtegern-Tops von sich geben und dabei glauben, damit besonders überzeugend, dominant und vertrauenswürdig zu wirken. Gerade wenn man in diversen Chats oder auch auf Mailinglisten mitliest, laufen einem immer wieder solche Typen über den Weg. Ich hab's mittlerweile aufgegeben, solchen Männern zu erklären, daß dem absolut nicht so ist. (Zu diesem Thema und zu vielen anderen findet Ihr übrigens auf der Website von Helene sehr viele gute und detaillierte Infos!) 

Wichtig ist in meinen Augen jedenfalls, auf solche Aussagen nicht einzusteigen bzw. sich von solchen Pseudo-Argumenten nicht zu irgend etwas bringen zu lassen, was man eigentlich gar nicht will.

Manche Männer vergessen leider in ihrer Geilheit oder sonstigen Verblendung, daß Subs Menschen sind - Menschen, die eine eigene Meinung haben und die genau so viel Respekt und Achtung wie jeder andere Mensch auch verdienen! Und sind baß erstaunt, wenn Subs nicht nur eine eigene Meinung haben, sondern diese auch noch vertreten!

Bei einem Blinddate mit einem Mann, den ich in einem Chat "kennengelernt" hatte, beschwerte er sich nach ca. einer Stunde bei mir: "Du bist ja gar nicht subversiv! Du bist dominant - so dominant, daß ich nicht dominant sein kann!" Ich fiel fast vom Sessel vor Lachen - ich tat's nicht, ich hielt dies in Anbetracht seines Zorns für klüger. Ich hab ihn nicht einmal darauf hingewiesen, daß er wohl 'submissiv' meint und nicht 'subversiv' ...

"Du bist ja gar nicht submissiv" - einer meiner Lieblingssätze (ich hoffe, Ihr spürt die Ironie hinter dem Wort "Lieblings"satz). Es gibt tatsächlich Männer, die davon ausgehen, daß sich eine submissive Frau einfach so (um nicht zu sagen prinzipiell) einem Mann zu Füßen wirft. Praktisch jedem x-beliebigen Mann! Wie kommen solche Männer auf diese Idee? Ich bin eine höchst selbständige Frau und brauche niemanden, der mich aufrecht gehen lehrt - ich bin kein Nichts, sondern eine selbstbewußte Frau und gebe mich garantiert nur jemandem hin, unterwerfe mich sicherlich nur jemandem, der eben 'stärker' ist als ich. Was auch immer 'stärker' genau bedeutet - ich weiß es, wenn ich es sehe bzw. spüre. 

Submissiv sein heißt ja nicht, daß ich allen Männern gegenüber und vor allem in jeder Lebenslage unterwürfig bin! Ganz sicher nicht!

 

 

 

Neu auf dieser Site

18. November 2001
Kurz und bündig ist nun der Vollständigkeit halber unter Doch zu früh - das Ende einer Beziehung nachzulesen, wie es mit der Beziehung, die Anfang August begann, weiterging. Auch der optische Aufbau des Inhaltsverzeichnisses hat sich ein wenig geändert.

11. November 2001
Unter Verantwortung von Subs findet Ihr nun einen Zeitungsartikel von mir, den ich im März 2001 geschrieben habe. Das Thema selbst ist mir ausgesprochen wichtig, und ich hoffe, daß dieser Text einigen Menschen als Gedankenanstoß dient. Dieser Artikel mußte allerdings im Verhältnis zur Urfassung für die Zeitung stark gekürzt werden - ich werde den vorliegenden Text bei Gelegenheit überarbeiten und ergänzen.
Zum Thema
Outing gab es in der Zwischenzeit eine sehr schöne Entwicklung, und so erfolgte eine Ergänzung dieses Kapitels.

13. September 2001
Während meines Urlaubs kamen zwei neue Kapitel dazu: Neue Partnerschaft handelt von Partnersuche und einigem, was gerade meinen neuen Partner und mich beschäftigt; In Die Szene und ihre Funktion geht es um meinen Einstieg in die Szene und was ich diesbezüglich heute sicher ganz anders machen würde. Das Kapitel Outing habe ich überarbeitet und erweitert, und unter Blödsinn werde ich in Zukunft nach und nach blöde Sprüche und andere Sachen sammeln, die ich eben als besonders ärgerlich, erschütternd oder was-auch-immer empfinde.

18. August 2001
Unter SM und Eltern-Sein findet Ihr ab heute einen Artikel von mir zu einem Thema, das mir ganz besonders am Herzen liegt. Denn egal, was ich sonst mache oder will: Meinem Kind muß es gut gehen - das hat oberste Priorität.

4. August 2001
Ein Thema, das mich gleich zu Beginn meiner Beschäftigung mit SM sehr fasziniert hat - und es noch immer tut - ist das Thema DS bzw. im Speziellen 24/7. Meine Gedanken dazu könnt Ihr ab heute unter
... über DS und 24/7 lesen.

4. August 2001
Es gibt viele Themen, zu denen ich noch etwas schreiben möchte, und damit Ihr bei einem neuerlichen Besuch gleich auf einen Blick sehen könnt, was auf dieser Site neu dazugekommen ist, gibt es ab heute gleich ganz oben auf der Seite den Menüpunkt Neu auf dieser Site.

31. Juli 2001    
Seit langem denke ich daran, meine Geschichte wieder im Internet zu veröffentlichen. Heute ist es endlich so weit.

 


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