Knochentrockenes
Ich bin mittlerweile 44 Jahre alt, habe einen zwölfjährigen Sohn und lebe mit ihm in Wien.
Amüsantes
Wirklich bewusst beschäftige ich mich mit SM seit Anfang 1999 - davor war SM zwar bereits
viele Jahre fixer Bestandteil meiner Sexualität, ich wusste bloß nicht, dass es SM ist. Klar, ich bezeichnete
mich immer als „experimentierfreudig“, und ich wusste auch, dass das, was mein damaliger Partner und
ich so machten, nicht unbedingt das ist, was auch alle anderen machen – aber das war’s auch schon.
Den Zusammenhang zwischen meiner Art der Sexualität und SM fand ich eben vor ca. neun Jahren – und
zwar durch verschiedene Infos, über die ich im Internet stolperte.
fixer Bestandteil meines Lebens
Spätestens seit Ende 1999 ist SM in dieser sehr bewussten Form endgültig in meinem Leben integriert.
Ich hatte rund eineinhalb Jahre einen wunderbaren Partner, mit dem ich in einer tollen SM-Beziehung lebte.
Für mich der endgültige Beweis, dass SM tatsächlich lebbar ist – und zwar nicht nur in abgeschlossenen,
zeitlich begrenzten Sessions, sondern vielmehr den ganzen Tag, jeden Tag, ständig ... Und ich weiß
mittlerweile auch, dass SM – meine Art von SM – für mich eine wichtige Bereicherung meines Lebens ist,
auf die ich nur ungern verzichten würde.
Was ist SM?
Ich schreibe absichtlich meine Art von SM, weil ich der festen Auffassung bin, dass es „den“ SM gar nicht
gibt – jede Person, jedes Paar versteht etwas anderes darunter. Es ist meiner Meinung nach auch gar
nicht wichtig, eine umfassende allgemein gültige Definition zu haben. Wichtig ist in meinen Augen
lediglich, dass sich alle Beteiligten auch wirklich wohl fühlen bei dem, was sie tun ...
Engagement
In vielen Gesprächen und Diskussionen habe ich festgestellt, dass nicht alle SMler ihren Weg als so einfach
empfunden haben wie ich meinen. Und ich merkte, dass Erfahrungs- und Gedankenaustausch mit anderen
Gleichgesinnten den meisten sehr wichtig ist und ihnen einfach gut tut. Ich nehme mich da gar nicht aus,
und weil gerade das Thema „SM und Eltern-Sein“ eines ist, das mich besonders beschäftigt, habe ich im
September 2000 die Mailingliste „SMel – SM & Eltern-Sein“ gegründet, auf der es vor allem darum geht,
wie man SM mit seinem Partner ausleben kann, ohne Kindern deswegen schlechte Eltern zu sein. Das rege
Interesse an der Liste zeigt, dass dieses Thema nicht nur mir am Herzen liegt ...
Ab Oktober 2000 war ich dann Vorstandsmitglied der Libertine Wien. Ab Februar 2001 knüpfte ich nicht
zuletzt durch meinen damaligen Partner immer mehr Kontakte zu anderen engagierten Menschen im
deutschsprachigen Raum. In weiterer Folge beteiligte ich mich an verschiedenen internationalen Projekten
wie z.B. „Mayday“, wo es besonders darum geht, Menschen zu helfen, die im Zusammenhang mit SM in Not
geraten sind, und „Pressearbeit“, wo wir uns u.a. mit der Berichterstattung über SM in der Presse
beschäftigen bzw. damit, wie wir durch mehr und bessere Information dafür sorgen können, dass die
Presse weniger (am besten gar keine) unwahren Horrorgeschichten über SMler verbreiten und somit
Vorurteile bilden bzw. schüren.
Und zu guter Letzt zähle ich zu den Gründern von Schlagartig!, worauf ich besonders stolz bin.
Enttäuschendes
Wer sich hier jetzt noch eine Auflistung meiner Vorlieben – am besten gleich unter Nennung all meiner
Grenzen und speziell meiner Tabus – erwartet oder erhofft hat, den muss ich tatsächlich enttäuschen:
Sorry, Bedienungsanleitung gibt’s hier keine. Das sind intime Details, die meinen Partner etwas angehen –
ob ich Sub oder Top bin, auf Nadeln stehe oder nicht etc. ist im Endeffekt für niemand anderen relevant.
Ich bin in erster Linie Mensch, in zweiter Linie Frau, dann bin ich noch Mutter, ach ja, Tochter bin ich auch
noch, und erst zu aller letzt bin ich SMler. Und ich mag es gar nicht, wenn erste Gespräche oder Mails
gleich mal mit der Frage beginnen: „Bist du Sub oder Top?“
Veränderungen
2004 war das Jahr der Veränderungen für mich - in Bezug auf Beziehung, meinen Job, zum Teil meine Freunde, in jedem Fall in Bezug auf meine Prioritäten. Und obwohl ich mich der Sache, Schlagartig! und vor allem auch den Menschen unverändert zugetan und verbunden fühlte, kam für mich im Herbst 2004 - nach gut fünf Jahren aktiver Arbeit in der Szene - einfach der Punkt, an dem ich merkte, dass auch in diesem Bereich Veränderungen notwendig wurden.
Ich stellte meinen Posten als Obfrau von Schlagartig! zur Verfügung, besuchte ab da die Schlagartig!-Veranstaltungen einfach als Gast und genoss das sehr. Auch ein paar Workshops hielt ich noch, und vor allem betreute ich eines meiner "Lieblingsbabys", unsere Vereinszeitschrift SMagazin!, noch ein Jahr lang weiter. Mein Engagement in der SM-Szene ging zusehends Richtung Null, und ich widmete mich ein paar Jahre einfach nur meinem Privatleben.
Das Jahr 2009 war dann wieder von Veränderungen geprägt, und im Winter 2009 - also nach ziemlich genau fünf Jahren Pause - verlagerten sich meine Interessen bzw. mein Engagement nun erneut in Richtung Schlagartig!. Ich freue mich sehr, nun seit Anfang 2010 wieder Obfrau von Schlagartig! zu sein.
Noch mehr?
Ich könnte noch Romane schreiben – darüber, was mir wichtig ist und welche Anliegen mir besonders am Herzen liegen, meine Ansichten zu den unterschiedlichsten einschlägigen Themen ... Doch viele Dinge lassen sich in einem persönlichen Gespräch viel besser erzählen.
Wer also mehr über mich wissen will, ist herzlich eingeladen, bei einem unserer nächsten Events all seine Fragen an mich loszuwerden.
Alle anderen sind ebenfalls herzlich zu unseren Events eingeladen – keine/r wird ausgefragt und keine/r
muss irgend etwas fragen! Eines unserer Anliegen ist es, einfach Spaß zu haben – und schon alleine das ist ein guter Grund, um mit dabei zu sein!
Herzliche Grüße,
Andrea
Gründungsmitglied von Schlagartig!; von Beginn (Juni 2001) bis November 2004 Obfrau von Schlagartig!; bis 2005 hauptverantwortlich für das SMagazin!, hielt immer wieder mal Workshops und ist seit März 2010 wieder Schlagartig!-Obfrau.
|