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So, etwas über mich.
Ich glaube, über sich selber schreiben ist so ziemlich das Schwierigste überhaupt.
Zuerst die Fakten:
Ich bin Baujahr 1981, in Wien geboren, mit 6 Jahren nach Salzburg übersiedelt und seit Ende 2004 wieder in Wien.
Im Gegensatz zu vielen Leuten aus der Szene, die ich bisher kennengelernt habe, kann ich mich nicht erinnern, sehr früh eine Neigung für BDSM gehabt zu haben. Natürlich wusste ich ab einem bestimmten Punkt, dass es das gibt, war aber immer der Meinung, dass das nix für mich ist. Experimentierfreudig, ja, aber alles was weh tut war unmöglich für mich. Dann kam der Tag (im Herbst 2005), an dem ich im Internet eine Person kennengelernt habe, die damit schon ein kleines bisschen Erfahrung hatte. Was soll ich sagen, die Neugier hat gesiegt. Kurz darauf bin ich alleine und mit dem Herz in der Hose ins SMart-Café zu meinem ersten Stammtisch gepilgert. In weiterer Folge hat man mich so oft dort angetroffen, dass ich mir irgendwann von Mel (dem Kellner) die Frage gefallen lassen musste, ob ich denn einen Meldezettel brauch....
Ich bin kein Freund von halben Sachen. Die Dinge die ich tue, passieren aus Überzeugung oder gar nicht. Ebenso gilt das für meine Sexualität, die von Anfang an sehr offen und experimentierfreudig war, aber durch BDSM noch eine ganz große, neue Dimension hinzubekommen hat.
Heute bin ich nach wie vor - so meine Zeit es zulässt - bei Veranstaltungen anzutreffen (sowohl der Libertine als auch von Schlagartig!) und ich organisiere für Schlagartig! Workshops.
Mein BDSM / ein bisschen Philosophie:
(Alle, die jetzt eine Auflistung meine Vorlieben und Abneigungen erwarten, sind hier falsch.)
Die alte Diskussion, wo fängt BDSM an und wo hört es auf. Wenn ich meinen Partner ans Bett binde, ist das schon BDSM? Für viele ja. Dann sind schätzungsweise 90% (oder auch mehr) der Bevölkerung BDSM-ler. Letztlich sind alle diese Begriffe erst wieder Schubladen, die einer Erklärung bedürfen. "Ich steh auf BDSM" hat ungefähr so viel Aussagekraft wie "Ich mag Musik". Ja, ich verwende diese Termini auch. Es ist mir leider noch keine bessere Möglichkeit untergekommen, mich mit anderen Leuten über diese Themen zu unterhalten. Umso mehr bin ich der Meinung, dass hier Reden noch wichtiger ist als sonst. Für mich war es ein tolles Erlebnis, in der Szene Leute kennen zu lernen, die fähig sind, über ihre Sexualität reflektiert und in einer sehr reifen Art und Weise ein Gespräch zu führen. Etwas, das für mich lange vor der Entdeckung des BDSM wichtig war, das aber mit vielen Leuten nicht möglich ist.
Spannend ist für mich die Tatsache, dass noch mehr als in der "Vanilla"-Sexualität BDSM mit jedem Partner komplett anders ist. Für mich wichtig ist dabei nur, dass alle Beteiligten (direkt oder indirekt) mit allem was passiert einverstanden sind und sich dabei wohl fühlen. Ach ja, etwas das mir bei dieser Gelegenheit immer aufstößt: es gibt keine ECHTEN Doms und ECHTEN Subs. Wenn ich mich bei einem Spiel als Domme empfinde und mein(e) Spielpartner auch, dann bin ich Domme, egal ob ich dann Dinge tue, die sich nicht "gehören". Und wenn ich mich subbig fühle und mein Gegenüber das auch so wahrnimmt, dann ist mir wirklich wurscht, ob andere Menschen finden, ich verhalte mich nicht richtig. Ich lass mich nicht von Konventionen in ein Korsett stecken. Schon gar nicht, von SM-lebenden Menschen, die Toleranz predigen und sich gleichzeitig aufführen wie die drei Affen (blind, taub und mit Knebel :D )
Ich bin auch ein großer Verfechter von SSC (und ja, ich habe schon heisse Diskussionen mit RACK-Fans geführt - das im Übrigen für mich auf ein ähnliches Ergebnis hinausläuft) und musste dabei feststellen, dass ich SSC vielleicht ein bisschen differenzierter sehe, als andere:
SAFE: safe heisst für mich so sicher wie möglich. Es gibt in dieser Welt keine 100%ige Sicherheit. Für nichts. Will ich ein Spiel spielen, dann spiel ich es so sicher, wie es für dieses Spiel möglich ist, das heisst ich schließe alle Gefahrenquellen aus, bei denen es möglich ist. Wenn ich mich auf ein Motorrad setze, ist mir auch bewusst, dass ich wesentlich weniger Knautschzone habe, als im Auto. Aber ich ziehe Schutzkleidung an und minimiere damit zumindest das vorhandene Risiko.
SANE: sane ist da schon schwieriger. Was ist denn geistig gesund? Das ist bei mir ein Entscheid, der aus dem Bauch heraus gefällt wird. Der ist - zumindest bei mir - in dem Kontext kompetenter als der Kopf. Auch das Thema der Geisteskrankheiten spielt hier hinein. Da gehören dann Depressionen, Schizophrenie und Verfolgungswahn auch dazu. Hier sollte man m.M.n. besondere Vorsicht walten lassen.
CONSENSUAL: ja, der Konsens. Da sind sich ja die SSC-ler und die RACK-ler ziemlich einig *fg*. Was hier auch ganz wichtig ist: mit jemandem, der nicht in der Lage ist (aufgrund von geistigem Status / Reife / whatever), einem Konsens zuzustimmen, mit dem kann man auch nicht konsensuell spielen!
So, jetzt habe ich mich wieder mitreissen lassen. Genug davon.
Die Freiheit:
Für mich ist alles das ok, das zum Konsens fähige Menschen miteinander tun, solange der Konsens von allen Seiten aufrecht ist. Es gibt Spielarten, die mir sehr fremd sind, andere kann ich nachvollziehen, würde sie aber selber nicht spielen wollen und natürlich gibt es auch genügend, denen ich mich anschließe. Aber alle haben ihre Berechtigung und niemand hat die Recht über jemandes Spiel zu Urteilen. Respekt und Toleranz sollten in jeder Gesellschaft und auch in jeder Gemeinschaft Grundwerte und gleichzeitig Grundrechte sein. Leider bin auch ich nicht unfehlbar, aber ich bemühe mich.... ;)
Marion organisiert unsere Workshops und ist seit März 2010 im Schlagartig!-Vorstand.
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